Fluggesellschaft Ryanair will offenbar keine Maschinen mehr im Hunsrück stationieren. Mitarbeiter sollen versetzt werden.

Lautzenhausen : Abzug auf Raten: Ryanair bietet immer weniger Flüge vom Hahn an

Die Fluggesellschaft will offenbar keine Maschinen mehr fest auf dem Hunsrück stationieren. Mitarbeiter sollen versetzt werden. Experten: Der Druck auf den Airport soll erhöht werden.

Während das Frachtgeschäft am Flughafen Hahn weiterhin boomt – bis Ende November vergangenen Jahres ist die dort umgeschlagene Menge um über 45 Prozent gewachsen –, gehen die Passagierzahlen immer weiter zurück. Mit rund zwei Millionen Fluggästen wurden im vergangenen Jahr rund 500 000 weniger auf dem Hahn abgefertigt als 2017. Allein im Dezember ging die Zahl um fast 24 Prozent zurück.

Und der Aderlass wird in diesem Jahr weitergehen. Nicht nur, dass der Hauptkunde des Hahn, die irische Fluggesellschaft Ryanair, die Zahl ihrer Flüge ab April vom Hunsrück aus deutlich reduzieren und statt vier nach TV-Informationen nur noch zwei Flugzeuge dort stationieren wird. Laut der Bürgerinitiative (BI) gegen den Nachtflughafen Hahn wollen die Iren ab November auch den Flughafen als Basis aufgeben. Dann wären dort keine Maschinen mehr stationiert, die meisten der vom Hahn aus startenden Ryanair-Flugzeuge würden dann zunächst von anderen Flughäfen zum Hahn fliegen. Dadurch könnte sich die Zahl der Verbindungen noch weiter reduzieren.

Laut BI  wurde den am Hahn stationierten Ryanair-Führungskräften  in einer streng vertraulichen Informationsveranstaltung mitgeteilt, dass ein Großteil von ihnen damit rechnen müsse, in Kürze unter anderem nach Berlin versetzt zu werden oder kündigen müsse. Ryanair teilte auf Anfrage unserer Zeitung ungewöhnlich wortkarg mit, dass man sich „zu diesem Thema nicht äußern möchte“. Auch von den Verantwortlichen des Flughafens Hahn war trotz Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten. Bei der Pilotenvereinigung Cockpit schließt man nicht aus, dass Ryanair die Basis auf dem Hunsrück aufgeben könnte, auch wenn man aktuell von solchen Plänen nichts wisse, wie ein Sprecher der Gewerkschaft unserer Zeitung mitteilte. Auch vom TV befragte Flugexperten schließen das nicht aus. Da sich die Ryanair-Piloten in vielen Ländern mittlerweile gewerkschaftlich organisiert hätten,  verliere die Fluggesellschaft die Flexibilität, ihre Crews in Europa „herumzuschieben“, sagt Christoph Brützel von der Internationalen Universität in Bad Honnef. „Ryanair wird daher die Anzahl der Basen auf wenige, jeweils größere, reduzieren.“

Auch Michael Santo, Luftfahrtexperte und Vorstand der Münchner Unternehmensberatung h&z, hält es für möglich, dass Ryanair Druck auf den Hahn ausüben will, damit dieser die Preise für die Fluggesellschaft senkt. Schließlich habe Ryanair erstmals seit fünf Jahren einen massiven Gewinnrückgang zu verzeichnen und drehe daher „logischerweise an der Kostenschraube“. Bereits Ende Januar hatte Ryanair angesichts des einbrechenden Gewinns angekündigt, möglicherweise Standorte aufzugeben und betroffene Mitarbeiter zu informieren. Im vergangenen Jahr hat Ryanair die Basen in Bremen und im niederländischen Eindhoven geschlossen.

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