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Ford-Werk Saarlouis verliert gegen Valencia: Habeck reagiert auf Entscheidung

„Katastrophe“ für Werk in Saarlouis : Saarland reagiert geschockt auf Ford-Entscheidung – auch Bundeswirtschaftsminister Habeck äußert sich

Die Entscheidung der Ford-Konzernzentrale, das neue Elektroauto in Spanien und nicht in Saarlouis zu produzieren, trifft die Menschen im Saarland hart. Aber nicht nur aus der Region hagelt es betroffene Reaktionen – auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat sich am Mittag zu der Entscheidung geäußert und gesagt, was er jetzt von Ford erwartet.

Von einer „wirtschaftspolitischen Katastrophe für das Saarland“ spricht Julien François Simons. Der Landesvorsitzende der Jungliberalen (Julis) geht davon aus, dass mit der Entscheidung für die Produktion des neuen Elektroautos im spanischen Valencia das Ford-Werk in Saarlouis abgewickelt wird. Simons: „Mit der Schließung des saarländischen Standorts gehen 4000 Arbeitsplätze im Saarland verloren.“

Dabei gibt der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation der heutigen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Wirtschaftsminister Jürgen Barke (beide SPD) Mitschuld an dieser Misere. In ihren vorherigen Ämtern als Wirtschaftsministerin und Staatssekretär hätten sie „wirtschaftspolitisches Versagen“ zu tragen, wird Simons in einer Pressemitteilung zitiert. So hätten beide mit ihrer Reise zur Ford-Konzernzentrale in die USA wenige Wochen vor der jetzt bekannt gegebenen Entscheidung nicht zu erfüllende Hoffnungen geschürt.

Zugleich kritisiert der Jungpolitiker das 500 Millionen Euro teure Subventionspaket, dass das Saarland bei einer Entscheidung für den Saarlouiser Standort in Aussicht gestellt hatte, als „rechtlich umstritten“. Damit habe die Landesregierung „den Boden einer seriösen Wirtschaftspolitik verlassen“.

Die vorherige CDU/SPD-Regierung habe Schritte „schlicht versäumt“, Anreize zu schaffen, um hier zu investieren. Jetzt sei es an der SPD-Alleinregierung, den Schaden zu kompensieren.

Unterdessen äußert sich Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger via Kurznachrichtendienst Twitter zum Zuschlag für Spanien: „Ford hat entschieden, und die Entscheidung von Ford ist eine Farce. Wir sind überzeugt: Der Konzern hat sich für das wirtschaftlich schlechtere Angebot entschieden.

Von einer „wirklich katastrophalen Nachricht für den Wirtschaftsstandort Saarland“ sprechen die Verantwortlichen beim Arbeitgeberverband der Bauwirtschaft des Saarlandes (AGV). In einer Nachricht bei Twitter heißt es weiter: „Betroffen sind nicht nur die Mitarbeiter bei Ford in Saarlouis, sondern auch die Mitarbeiter der Betriebe der Bauwirtschaft, die für Ford tätig sind beziehungsweise waren.“ Nun sei die Landesregierung gefordert.

Saar-Finanzminister Jakob von Weizsäcker (SPD) zitiert bei Twitter Henry Ford, den Gründer des Unternehmens, um damit die Konzernspitze mit ihren eigenen Waffen zu schlagen: „Gewinne aus der Not des Volkes sind immer viel kleiner als Gewinne aus dem verschwenderischsten Dienst am Volk zu den niedrigsten Preisen, die ein kompetentes Management möglich machen kann.“

Ulrich Commerçon, SPD-Fraktionschef im Saar-Landtag, brüskiert sich über den selben Nachrichtendienst: „Ford hat nicht nur die Elektromobilität verschlafen, es hat eiskalt die Standorte Valencia und Saarlouis gegeneinander ausgespielt, um die Belegschaft zu erpressen und möglichst viel Staatsknete und Steuermittel abzugreifen. Es ist eine Schande!“

„Ich bin zutiefst enttäuscht und sehr wütend über die Entscheidung von Ford gegen den Standort Saarlouis“, schreibt Saarlouis‘ Landrat Patrik Lauer (SPD) bei Facebook. Ohne Not werde mit der langen und erfolgreichen Geschichte des Automobilstandortes Saarlouis gebrochen. Der Beschluss sei „ein Schlag ins Gesicht der Menschen in unserer Region – vor allem aber der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl des Ford-Werkes selbst als auch der vielen Zuliefererbetriebe“.

Er habe sich nicht vorstellen können, dass ein Unternehmen so mit Menschen umgeht. Nach diesem schwarzen Tag für die Region werde alles unternommen, um für die Ford-Beschäftigten „zukunftssichere Arbeitsplätze zu finden oder zu schaffen“.

Von einem „unfairen Wettbewerb“ der beiden Standorte schreibt Kira Braun auf Facebook. Die Saar-Chefin der Jungsozialisten (Jusos) bezeichnet den konzerninternen Bieterwettbewerb „unmenschlich“, der über Monate hinweg „die Perversität des Kapitalismus vor Augen geführt“ habe.

Braun, die mittlerweile für ihre Mutterpartei SPD im Landtag sitzt, unterstellt den Ford-Verantwortlichen „Feilschereien“ bei der Standortwahl, die aus Sicht des Konzerns wohl an den „zu höhen Löhnen“ in Deutschland entschieden hätten. Dabei dürften auskömmliche Einkommen für gute Arbeit „nie das Problem“ sein. „Vielmehr sei es die großen Konzerne, „die ihre Beschäftigten im Regen stehen lassen, nur ihre Gewinne maximieren und dabei ihre Verantwortung für die Menschen vor Ort ausblenden“.

Einen „massiven Schaden der Marke Ford in Deutschland“ befürchtet der saarländische Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic (FDP). Aber auch die Landesregierung sei damit angeschlagen. Denn zuversichtliche Äußerungen des Wirtschaftsministers Barke wenige Tage vor Bekanntgabe des Ergebnisses in dem Bieterwettstreit waren gegenüber der betroffenen Belegschaft „offensichtlich falsch und fragwürdig“. Sie legten zudem die „Planlosigkeit“ der SPD-Landesregierung offen. Luksic wertet das Ergebnis als „schwere Niederlage für die Landesregierung“. Die Ford angebotene Rekordsubvention sei „abenteuerlich“ gewesen.

Auch die Junge Union (JU) hat sich am Mittag zu der Entscheidung geäußert. Sie sei ein „Tiefschlag für das ganze Saarland“, so Frederic Becker, der JU-Landesvorsitzende. Vor allem gehe die Entscheidung zu Lasten der Tausenden Beschäftigten und deren Familien. „In den vergangenen Jahren wurde auch von der CDU/SPD-Landesregierung alles versucht, das Management von einem Verbleib in Saarlouis zu überzeugen. Wir müssen auch jetzt weiter an einem Strang ziehen. Es geht hier in erster Linie um Arbeitsplätze von Saarländerinnen und Saarländern“, hält Becker fest. Jetzt brauche es vor allem eine verlässliche Perspektive für die betroffenen Menschen und das Saarland als Wirtschaftsstandort.