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Franz Léhars Operette „Die lustige Witwe“ feiert in Trier Premiere.

Operette : Ein Dauerbrenner, kräftig durchgelüftet

Theater Trier: Franz Léhars Operette „Die lustige Witwe“ feiert in aktualisierter Fassung Premiere.

„Ja das Studium der Weiber ist schwer“ – das der Männer nicht weniger, möchte man als Frau gleich in Stellung gehen, angesichts des „Weibermarschs“ aus Franz Léhars „Lustiger Witwe“. An diesem Samstag hat die Operette im Theater Trier Premiere.

Das Werk, das 1905 in Wien unter der Leitung des Komponisten am Theater an der Wien uraufgeführt wurde, gehört zu den theatralen Dauerbrennern. Die Beliebtheit der Geschichte um die reiche junge Witwe Hanna, hinter deren Geld Männer und ein bankrotter Staat her sind, hat mit ihren Tanzszenen und ihrer schwelgerischen, geradezu erotischen Musik jedenfalls bis heute nichts an Beliebtheit eingebüßt. Selbst Adolf Hitler soll das Werk als seine Lieblingsoperette bezeichnet haben. Die beiden jüdischen Autoren Victor Léon und Leo Stein, die das Libretto geschrieben haben, durften allerdings bei Aufführungen im Dritten Reich nicht auf dem Programmzettel erscheinen.

Von Beginn an gab es bei diesem musikalischen Verwirrspiel, dem das Lustspiel des Franzosen Henri Meilhacs „ L’attaché d‘ambassade“ zugrunde liegt, jede Menge Turbulenzen und Streitereien. Um sich nicht mit der österreichischen k.u.k. Monarchie anzulegen, verlegte Léhar die Handlung nach Paris und Montenegro. Was sich das Land aber verbat. Weshalb sein Name in Pontevedro abgewandelt wurde. Die Verballhornung ließen aber die echten Montenegriner nicht auf sich sitzen und verklagten Léhar. Den weltweiten Siegeszug von Hanna, dem Mädchen vom Land, das der pontevedrinische Graf Danilo aus Standesgründen nicht heiraten darf, dem aber als reicher Bankierswitwe alle Türen offen stehen, haben solche Querelen nicht aufgehalten.

Viele Hunderttausend Male wurde die Operette inzwischen aufgeführt. Auch Intendant Manfred Langner, der das Musiktheaterstück in Trier inszeniert (musikalische Leitung Wouter Padberg) , hält das Werk weiterhin für aktuell, auch wenn er das Libretto – wie er berichtet –  stark überarbeitet hat, um das Stück durchzulüften. „Meine Eingriffe sollen das Werk nicht verfälschen, aber auffrischen“-so der Intendant. So wurden zum Beispiel Duette neu eingesetzt. Gleichwohl bleibt die Partitur für Langner, der zum ersten Mal eine Operette in Szene setzt, die verbindliche Grundlage für seine Inszenierung. „Wenn man ein Musiktheaterstück gegen die Partitur inszeniert, liegt man falsch“, sagt der Regisseur. „ Das wäre fatal. Man muss die Musik schauspielerisch bedienen“.

Am Geld und an der Liebe hängt in der „Lustigen Witwe“ alles. Unveränderte Aktualität haben für Langner an dem Werk, das die degenerierte Feudalgesellschaft des 19.Jahrhunderts aufs Korn nimmt, der Run aufs Geld und die staatlichen Geldnöte, die in diesem Fall durch Heirat behoben werden sollen. Und auch die europäische Gesellschaft, die sich in Paris wiederfindet, wo sich Graf Danilo mit Grisetten seinen Frust vertreibt, ist für Langner in Zeiten der europäischen Union ein Thema mit zeitgenössischer Relevanz. „Wir leisten uns schon den ein oder anderen politischen Seitenhieb“, sagt Langner.

Auch die aus heutiger Sicht sexistischen Elemente, wie etwa den zitierten „Weibermarsch“ hat Langner zeitgenössisch überschrieben. „Man kann als Mann, wenn man das Stück hört, nicht so tun, als sei dazwischen in den letzten hundert Jahren nichts gewesen“ erklärt der Regisseur. Da hat sich in der Tat viel geändert. Weshalb Langner auch das Ende der Geschichte neu gefasst hat. Wie, wird vorerst natürlich nicht verraten. Also ab – statt ins Maxim, wohin es Graf Danilo zieht – ins Trierer Theater.

Premiere: 23.Oktober,19.30 Uhr, Großes Haus