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Franz Müntefering in Prüm

Lesung : „Zeit ist für uns die wichtigste Währung“

Auf Einladung des Geschichtsvereins Prümer Land war der ehemalige SPD-Politiker Franz Müntefering mit einem Vortrag in Prüm zur Gast. Befasst hat sich der 81-Jährige dabei unter anderem mit dem Leben im Alter.

Zwei Ratschläge hat ihm sein Vater nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft mit auf den Weg gegeben. Und beide Ratschläge hat Franz Müntefering am Ende dann doch ignoriert. Gehe nie in eine Partei, hatte ihm der Vater geraten. Und: Nie wieder deutsche Stiefel im Ausland! „Das ist ein Spruch, den ich lange sympathisch fand, bis ich dann irgendwann schließlich verstanden habe, was das eigentlich bedeutet“, erklärt der Gast aus dem Sauerland.

Bereits seit 1966 ist er Mitglied der SPD, hat in dieser Zeit 32 Jahre im Bundestag verbracht und als Kabinettsmitglied von zwei Regierungen Auslandseinsätze der Bundeswehr mitgetragen. „Wir haben eine Mitverantwortung für das, was in der Welt passiert“, sagt Müntefering. Er ist auf Einladung des Geschichtsvereins Prümer Land nach Prüm gekommen, um nicht nur über diese Verantwortung zu sprechen, sondern auch über das Demokratieverständnis im Allgemeinen, das Miteinander und vor allem über das Leben im Alter.

 Wegen der Corona-Einschränkungen können nur 115 Zuschauer an der Veranstaltung in der Prümer Karolingerhalle teilnehmen. Deutlich mehr wären gerne gekommen.
Wegen der Corona-Einschränkungen können nur 115 Zuschauer an der Veranstaltung in der Prümer Karolingerhalle teilnehmen. Deutlich mehr wären gerne gekommen. Foto: Uwe Hentschel

Müntefering weiß, wovon er spricht. Zum einen, weil er bereits seit 2015 Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisatoren ist und sich dabei vielfältig für die Belange älterer Menschen einsetzt. Zum anderen, weil er selbst dieser Gruppe angehört. Und mit seinen eigenen Alters­erscheinungen geht der 81-Jährige auch ganz offen um. Zum Beispiel, als er vom Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Volker Blindert, danach gefragt wird, wie er es denn schaffe, mit 81 noch so topfit zu sein. So fit sei er gar nicht, stellt der Gast klar. Da sei die Sache mit der Brille, den Zähnen und dem Hörgerät, berichtet Müntefering. „Und auf alles weitere gehe ich erst gar nicht ein.“

Es gebe aber durchaus ein Rezept, an das er sich halte. Seine sogenannte Drei-L-Regel: Laufen, Lernen und Lachen. „Man muss auch im Alter noch die Chance haben, etwas dazuzulernen“, sagt der ehemalige Bundesminister und Vizekanzler, der für sich und alle anderen Menschen den Anspruch auf lebenslanges Lernen oder Lehren erhebt. Zudem plädiert er dafür, gemeinsames Essen zur Leitkultur zu erklären. Möglichst viel Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, sei gerade im Alter besonders wichtig. „Zeit ist für uns ältere Menschen die wichtigste Währung“, erklärt Müntefering den Zuhörern. 

 In seinem Vortrag widmet sich Franz Müntefering auch dem Thema Leben im Alter. Zum Signieren seiner Bücher hat der Sozialdemokrat einen SPD-Kugelschreiber griffbereit.
In seinem Vortrag widmet sich Franz Müntefering auch dem Thema Leben im Alter. Zum Signieren seiner Bücher hat der Sozialdemokrat einen SPD-Kugelschreiber griffbereit. Foto: Uwe Hentschel

Der Prümer Geschichtsverein, der mit seiner Vortragsreihe „Brennpunkt Geschichte“ das erste Mal in der Prümer Karolingerhalle ist, hätte gerne viel mehr Menschen zur Veranstaltung zugelassen. Die Nachfrage für Tickets sei sehr groß gewesen, erklärt der Vorsitzende Blindert, doch es seien aufgrund der Corona-Einschränkungen und der damit verbundenen Hygiene­maßnahmen nicht mehr Zuschauer möglich gewesen.

  Natürlich hat der Sozialdemokrat auch einen SPD-Kugelschreiber zum Signieren seiner Bücher.
 Natürlich hat der Sozialdemokrat auch einen SPD-Kugelschreiber zum Signieren seiner Bücher. Foto: Uwe Hentschel

Und so sind es nur 115 Menschen, die an diesem Abend den Worten des langjährigen SPD-Mitglieds lauschen und dabei auch erfahren, wie der 81-Jährige über das letzte Kapitel des Lebens, das Sterben, denkt. „Sterben ist ein Teil des Lebens, der gelingen kann oder nicht“, sagt Müntefering. Er erzählt von seiner Mutter, die er in den Jahren vor ihrem Tod gepflegt habe. Sterben sei traurig, gehöre aber nun mal zum Leben. Es sei wichtig, das Thema nicht zu verdrängen, sondern sich im Vorfeld damit zu befassen, sagt der Gast, bevor er seinen Vortrag dann mit einem Gedanken­austausch der beiden Comic-Figuren Charlie Brown und Snoopy abschließt. Charlie Brown: „Eines Tages werden wir alle sterben, Snoopy!“ Snoopy: „Stimmt, aber an allen anderen Tagen nicht.“

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