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Frau aus Trier erzählt, wie sie in Italien ihre große Liebe fand

Verliebt! : Wie ein Glückskeks mein ganzes Leben änderte

Eine Triererin verliebt sich in einen Niederländer. Warum das 15 Jahre und ein Stück chinesisches Gebäck brauchte.

Mitte der 90er auf einem Campingplatz ziemlich genau in der Mitte Italiens. Da hab ich Thijs das erste Mal gesehen. Wir beide waren um die 18 und das letzte Mal mit unseren Eltern im Urlaub. Er kam aus Amsterdam, ich aus Trier. Es war ein Sommerabend und wir saßen in großer Runde am Seeufer. Das Lagerfeuer flackerte, ein Junge spielte Gitarre.

Aus dem Abend wurde Nacht und wir saßen und redeten noch immer, viel zu lange, die ganze Nacht. Wir sind zu einem Friedhof spaziert und haben, auf einer alten Steinmauer sitzend, auf die funkelnden Grablichter geschaut und philosophiert.

Am nächsten Tag dann unser erster gemeinsamer Ausflug nach Florenz. Thijs war sehr an Kunst interessiert und ich, ich wollte den fast 500 Jahre alten, steinernen Hintern von Michelangelos David sehen. Florenz ist eine magische Stadt und Thijs hat sich damals ziemlich schnell in mich verliebt. Trotz romantischer Stimmung und einer Menge Gelegenheiten sollte damals noch nichts zwischen uns laufen. Denn ich hatte einen Freund.

Aber wir haben uns über zwei Jahre hinweg Briefe geschrieben, unter sechs Seiten ging da nichts, sehr herzerweichend. Zumindest so herzerweichend es auch immer auf Englisch ging. Thijs hat auch noch Zeichnungen dazu geschickt. Aber das Leben macht manchmal so Dinge und wir haben uns irgendwann aus den Augen verloren und lange nicht mehr aneinander gedacht. Wir haben unsere eigenen Leben gelebt, studiert, gearbeitet, Beziehungen begonnen und wieder beendet.

Eine Trennung, mehr als zehn Jahre nach dem letzten Kontakt zu Thijs, war für mich besonders schlimm. Ich habe jemanden geliebt, der das zwar ganz nett fand, mich aber nicht zurückgeliebt hat. Mit lauter Herzschmerz saß ich in meiner Mittagspause in einem Chinarestaurant in Bitburg. Das Essen war ganz gut, aber der Glückskeks das beste Dessert. „Melden Sie sich bei einem alten Freund, das wird Ihnen Glück bringen“. Die Nachricht, ein Versprechen, zweisprachig eingebacken in einen Keks, sollte mein Leben verändern.

Ich habe nachgedacht und da fiel mir Thijs ein. Obwohl: Damals dachte ich er heißt Ties – eben kein gewöhnlicher Name hier in Deutschland. Google sei Dank, hat mich die Suchmaschine dennoch verstanden und mich auf sein Facebookprofil geleitet. Ich schrieb ihm:

„Hallo, bist du der Thijs van Berg, den ich vor 15 Jahren in der Nähe von Florenz kennengelernt habe?“

Er war es und ganz schnell war es wieder so, als wenn wir nur kurz auf Pause gedrückt hätten. Aus den langen Briefen von damals wurden lange E-Mails. Wenig später haben wir uns getraut, miteinander zu telefonieren. Extrem spannend! Trotz Thijs schöner Telefonstimme war klar: Wir wollen nicht nur mailen und telefonieren, sondern uns auch mal wieder sehen.

Ungefähr auf halbem Weg zwischen Amsterdam und Trier liegt Maastricht. Ein guter erster Ort fürs zweite Kennenlernen. Wir standen aber vor einem Dilemma: Buchen wir zwei Hotelzimmer oder eins? Wir haben uns dann für ein gemeinsames Zimmer entschieden mit der Begründung: Dann können wir uns mehr Bier leisten.

Eines vorweg: Eigentlich bin ich eine gute Navigatorin und finde mich bestens zurecht. Ich war allerdings so nervös, dass ich stundenlang völlig orientierungslos durchs regnerische Maastricht fuhr, bevor ich es zum Gleis schaffte, an dem Thijs Zug eintreffen sollte. 20 lange Minuten, acht Zigaretten und vier Kaugummis später kam er dann an, und war ... total entspannt, ganz im Gegensatz zu mir.

Als wir beim Hotel eintrafen – auf dem Weg verfuhr ich mich erneut – checkten wir ein und machten uns auf zum Zimmer. Es herrschte eine seltsame Stimmung. Wer bucht denn mit einem quasi-Fremden ein gemeinsames Hotelzimmer? Gebrochen wurde sie dann ausgerechnet von der Fahrstuhlmusik, die oft vieles noch seltsamer macht. Es lief Frank Sinatra, den wir schon damals in Italien gern zusammen hörten. Dann singt er auch noch: ♫ Now i‘m reaching back for yesterdays, till‘ a long forgotten Love appears. ♫ (Auf Deutsch: „Ich suchte im Gestern, bis eine lang vergessene Liebe auftaucht.“) Spätestens dann war es auch um uns geschehen. Wir spielten Billard, tranken Bier und redeten die ganze Nacht. Und am nächsten Morgen waren wir ein Paar.

Es folgten fünf Jahre Fernbeziehung. Nähe gab es im Urlaub und an den Wochenenden. Denn wir wussten nicht, wie wir aus dem „Fern“ ein „Nah“ machen konnten. Mein Niederländisch war nicht gut genug, um meinen Beruf drüben auszuüben und Thijs konnte als niederländischer Lehrer nicht so ohne weiteres an einer deutschen Schule anfangen. Ein Glück, dass es in Luxemburg einfacher ist. Er fand einen Job, wir zogen zusammen aufs Dorf und heirateten. Ich lernte die Kunst schätzen, Thijs, der Großstadtjunge, die Natur. Heute, mehr als 25 Jahre nach dem ersten gemeinsamen Abend in Italien, haben wir gemeinsame Hobbys, ein gemeinsames Haus, ein gemeinsames Leben.

Ob es besser gewesen wäre, wenn wir schon damals in Italien zueinander gefunden hätten? Die Frage können wir beide klar mit Nein beantworten. Es war genau richtig so. Wenn wir mit 18 direkt ein Paar geworden wären, hätten wir uns wahrscheinlich mit 23 wieder getrennt, denn wenn man so jung ist, weiß man ja noch gar nicht, wer man ist, wo man hin will, und was es alles so gibt. Thijs sagt: „Es gab vorher noch ein Leben zu leben.“

Johanna erzählt, wie sie ihre große Liebe Thijs getroffen hat. Sie möchte lieber anonym bleiben. Wir haben ihren Namen und den ihres Mannes geändert. Marius Kretschmer hat die Geschichte aufgeschrieben. Haben auch Sie eine romantische Liebesgeschichte zu erzählen? Dann melden Sie sich per Mail unter service@volksfreund.de