Fuel Dumping in der Region - Ohne Kerosin ist die (Not)Landung sicherer

Kostenpflichtiger Inhalt: Umwelt : Ohne Kerosin landet’s sich im Notfall sicherer

Schon wieder hat ein Flieger über der Region Treibstoff abgelassen. Die Beruhigungspille des Umweltbundesamts wirkt nicht bei jedem.

Mit unschöner Regelmäßigkeit haben zivile Flugzeuge und Militärjets in den zurückliegenden Wochen Treibstoff auch über der Region Trier abgelassen. Zuletzt kam es am Freitagabend über dem Hunsrück und der Pfalz zum sogenannten Fuel dumping, wie der Kerosinablass in luftiger Höhe im Fachjargon genannt wird.

Wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung am Montag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, ließ der Pilot einer in Frankfurt gestarteten Lufthansa-Frachtmaschine kurz nach dem Start 30 Tonnen Kerosin ab, um wieder sicher auf dem Frankfurter Flughafen landen zu können. Als Grund sei ein technisches Problem genannt worden, so die Sprecherin, allerdings kein Notfall.

Bei der Maschine handelte es sich um ein Flugzeug vom Typ McDonnell Douglas MD-11. Der Lufthansa-Frachtflieger bedient mehrmals die Woche die Strecke Frankfurt-New York. Am Freitagabend war der Flug LH8160 allerdings schon nach einer guten Stunde wieder vorbei. Bevor die Maschine landete, flog der Pilot noch eine Schleife über Idar-Oberstein, Hermeskeil und die Pfalz, wie aus der Aufzeichnung des Internetportals Flightradar24 hervorgeht. Die Flughöhe betrug dabei rund 4200 Meter.

Nach Angaben des Luftfahrtbundesamts war es der bundesweit vierte gemeldete Fall von Fuel dumping innerhalb von gut zwei Wochen. Drei Mal war dabei rheinland-pfälzisches Gebiet von den Treibstoffablässen betroffen.

Die Deutsche Flugsicherung spricht von einer zufälligen Häufung. Wegen der Nähe zu zivilen und militärischen Flugplätzen sind besonders die Bürger in der Eifel, Pfalz und auf dem Hunsrück öfter von den Treibstoffablässen betroffen. In vielen Fällen träten die Probleme unmittelbar nach dem Start auf, und dann müsse rasch gehandelt werden, so die Sprecherin der Flugsicherung.

Nach Einschätzung des Umweltbundesamts sind die Kerosinablässe für Menschen und Umwelt unkritisch. „Nach derzeitigem Wissensstand“ gebe es „keine kritischen Umweltauswirkungen von Treibstoffschnellablässen auf Boden, Grundwasser, Luft und menschliche Gesundheit“, lautete das Ergebnis eines im Mai veröffentlichten Forschungsberichts. Allerdings sollten die Fuel dumpings nicht immer über denselben Gebieten erfolgen, lautete die Empfehlung des Umweltbundesamts.

Ein frommer Wunsch: Von den laut Luftfahrtbundesamt in diesem Jahr gemeldeten 19 Vorfällen war allein sieben Mal rheinland-pfälzisches Gebiet betroffen. Der Mainzer Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte deshalb erst Mitte September mehr Informationen zu solchen Fällen gefordert. Noch immer stehe eine „aktive Unterrichtung“ der betroffenen Länder durch den Bund aus, sagte Wissing im Mainzer Landtag. So lange es keine vollständige Transparenz gebe, könne er verstehen, dass bei Bürgern das Gefühl entstehe, dass bestimmte Gebiete verstärkt für Notablässe genutzt würden. Ähnliche wie der FDP-Politiker äußerten sich auch Politiker anderer Parteien.

Das Mainzer Umweltministerium hatte im Frühjahr angekündigt, in möglichen Ablassgebieten weitere Messstation mit Detektoren nachzurüsten, um Kohlenwasserstoffverbindungen in der Luft messen zu können. Eine Sprecherin der Initiative  Pro Pfälzerwald äußerte sich daraufhin skeptisch: Die Stationen würden allenfalls zufällig einen Kerosinvorfall messen können. „Dafür bräuchte es mobile Messwagen.“

Die Kaiserslauterer Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung kommentierte nach dem jüngsten Fall von Fuel dumping auf ihrer Internetseite wenig freundlich, die Umweltvergiftung und Körperverletzung an wehrlosen Menschen sei kosten- und straffrei. Dafür sorge weiterhin die beste Politik, die man für Geld kaufen könne.

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