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Energie
Fusionspläne: RWE-Mitarbeiter in der Region bangen um ihre Jobs

FOTO: klaus kimmling
Trier. Der geplante Zusammenschluss mit dem Energieversorger Eon könnte auch Auswirkungen auf hiesige Standorte haben. Die Trierer Stadtwerke sollen Anteile abstoßen, fordert die SPD.

Kostet die geplante Fusion der Energieversorger RWE und Eon möglicherweise Hunderte von Jobs in der Region und in Rheinland-Pfalz? Die Gewerkschaft Verdi jedenfalls ist alarmiert. „Die Beschäftigten sind enorm verunsichert“, sagt Fabian Gödecke, zuständiger Gewerkschaftssekretär. Nachdem die beiden Energieriesen im März bekanntgegeben hatten, dass sie zusammengehen und den deutschen Energiemarkt neu ordnen wollen, hieß es zunächst, dass bis zu 5000 der 70 000 Stellen bei RWE abgebaut werden sollen. Das entspräche gut sieben Prozent.

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Gödeke ist jedoch misstrauisch. Noch lasse sich zwar nicht sagen, was der geplante Zusammenschluss für die rund 1200 Mitarbeiter der RWE-Töchter Westnetz in Trier, Idar-Oberstein, Bad Kreuznach und Bernkastel-Kues bedeute. Doch in Nordrhein-Westfalen befürchten die Betriebsräte der RWE-Tochter Innogy, dass der Stellenabbau weitaus größer sein wird als bisher bekannt. Die derzeit von Innogy betriebenen Strom- und Gasnetze gehen nach der Fusion in die Hände des Rivalen Eon.

Das könnte, so vermuten die Arbeitnehmervertreter, vor allem im Ruhrgebiet, wo der Stammsitz von RWE ist, dazu führen, dass etliche Standorte geschlossen werden. Ohne die vielen Regionalgesellschaften, Firmenbeteiligungen und Auslandsbeteiligungen von RWE betrage die Beschäftigtenzahl des Energieversorgers nur 20 000 Mitarbeiter. Dann entspreche aber der angekündigte Wegfall von 5000 Stellen 25 Prozent der Belegschaft, so die Befürchtung der Betriebsräte.

Beteiligt ist RWE mit einem Anteil von 19 Prozent auch an den Trierer Stadtwerken (SWT), was einem Eigenkapital von rund 36 Millionen Euro entspricht. Auf Antrag der SPD hat der Trierer Stadtrat kürzlich beschlossen, dass die Stadt prüfen soll, ob sie die RWE-Anteile kauft, um damit die Stadtwerke zu rekommunalisieren. Diese könnten dann wieder komplett in den Besitz der Stadt übergehen. Dem Vorsitzenden der Trierer SPD-Stadtratsfraktion und Landtagsabgeordneten Sven Teuber schwebt ein Zusammenschluss mehrerer Stadtwerke zu einem regionalen Energieverbund vor. Vorbild dafür könnten die Kommunalen Netze Eifel (KNE) sein. An dem Versorger, der derzeit unter anderem eine Trinkwasserleitung quer durch die Eifel bis kurz vor Trier baut, sind neben dem Eifelkreis Bitburg-Prüm auch die Trierer Stadtwerke beteiligt. Mit der Rekommunalisierung der SWT mache man sich unabhängiger von den Entwicklungen auf dem Energiemarkt, sagt Teuber.

RWE ist an gut 100 regionalen Energieversorgern beteiligt. Derzeit prüfen einige Kommunen, die RWE-Anteile an ihren Stadtwerken zurückzukaufen. Möglich macht das eine Ausstiegsklausel bei einem Gesellschafterwechsel, wie er durch die Fusion kommen würde.  Saarlouis im Saarland hat das bereits beschlossen.

Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) warnt die Kommunen jedoch, „voreilig“ ihre Anteile zu verkaufen. „Das bringt zwar schnell einen Mittelzufluss, RWE bietet jetzt aber auch wieder Aussicht auf langfristig stabile Dividenen“, zitiert das Handelsblatt Schartz, der im Aufsichtsrat von RWE sitzt und Vorsitzender des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre ist.

Die vier Landkreise in der Region sind an dem Versorger beteiligt und bekommen Geld aus den Ausschüttungen des Konzerns. Kurz nach Bekanntwerden der Fusionspläne sagte Schartz unserer Zeitung, dass damit auch die Versorgungssicherheit der Bürger und der Wirtschaft gewährleistet werde.

Ob allerdings Schartz nach dem Zusammenschluss weiter als Vertreter der Kommunen im Aufsichtsrat von RWE bleiben wird, halten Branchenkenner zumindest für zweifelhaft, weil der Essener Konzern seine Sonderstellung in den Kommunen verlieren könnte.