Geplante XXL-Pfarreien: Mehrheit der Katholiken lehnt Trierer Bistumsreform ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Religion : Geplante XXL-Pfarreien: Mehrheit der Katholiken lehnt Trierer Bistumsreform ab

Nach einer aktuellen Umfrage wollen bis zu 60 000 Ehrenamtliche nicht mehr weitermachen.

Keine frohe Botschaft für Triers Bischof Stephan Ackermann: Eine deutliche Mehrheit der knapp 1,4 Millionen Katholiken in Deutschlands ältester Diözese lehnt die geplante Strukturreform ab. Mehr als jeder Dritte der 160 000 ehrenamtlich tätigen Gläubigen will sich in den künftigen Großpfarreien nach eigenen Angaben nicht mehr in der Kirche engagieren.

Das ist das Ergebnis einer von der bistumskritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, die unserer Zeitung in Auszügen vorliegt.

Die Ergebnisse der vom Kölner Marktforschungsinstitut abh Market Research Anfang September gemachten Befragung sollen am Freitag offiziell vorgestellt werden.

Die größten Bedenken haben die Befragten danach wegen der künftig eher zentralistischen Strukturen und dem befürchteten Verlust an Nähe und Gemeinschaft. 63 Prozent der Befragten glauben sogar, dass sich die regionale Kirche durch die Strukturreform letztlich selbst abschaffe.

Nach den Reformplänen sollen die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisierten 887 Kirchengemeinden im Bistum zu 35 XXL-Pfarreien zusammengelegt werden. Die ersten 15 sogenannten Pfarreien der Zukunft gehen am 1. Januar nächsten Jahres an den Start. Erst vor wenigen Tagen hatte das Bistum Trier die personelle Besetzung der ersten Leitungsteams bekanntgegeben. Die künftigen Großpfarreien werden nicht mehr nur von einem Pfarrer allein geführt, sondern von einem Team, bestehend aus drei Hauptamtlichen und zwei Ehrenamtlichen.

Die bistumskritische Initiative Kirchengemeinde vor Ort hatte die Reformpläne in der Vergangenheit bereits mehrfach heftig kritisiert. Die Reform beinhalte deutlich mehr Abbruch als Aufbruch, meint Initiativensprecher Harald Cronauer. Nach Angaben des Juristen und ehemaligen saarländischen FDP-Vorsitzenden hat die sture Haltung des Bistums die Initiative dazu bewogen, eine eigene Umfrage in Auftrag zu geben.

Auch das Bistum selbst hatte in einer Anhörung kirchliche Gremien und Einzelpersonen zu der Strukturreform befragt. Über ein Drittel der knapp 1800 Rückmeldungen waren negativ; 32 Prozent äußerten sich eher positiv zu den Reformplänen. Auffallend bei der Bistumsanhörung: Auf überdurchschnittlich große Abneigung stießen die Umstrukturierungspläne ausgerechnet bei den Priestern. Weiterer Bericht folgt.

Mehr von Volksfreund