| 21:34 Uhr

200 Schleifen und ein rotes Herz voll Luft

Im Schaltjahr greifen die Mädels zur Säge, denn sie stellen ihren Liebsten den Maibaum. Sandra Blasen, Melanie Funk-Haas, Michaela Kunz, Christina Hoffmann und Pia Verboket fanden wahre Prachtexemplare im Birgeler Wald. TV-Foto: Gabi Vogelsberg
Im Schaltjahr greifen die Mädels zur Säge, denn sie stellen ihren Liebsten den Maibaum. Sandra Blasen, Melanie Funk-Haas, Michaela Kunz, Christina Hoffmann und Pia Verboket fanden wahre Prachtexemplare im Birgeler Wald. TV-Foto: Gabi Vogelsberg
Eine Männerbastion bröckelt: Im Schaltjahr stellen die Mädchen ihren Liebsten den Maibaum auf - wie im nördlichen Teil des Landeskreises Vulkaneifel. Im südlichen Areal scheint diese Regelung noch nicht angekommen zu sein. Für die Polizei spielt das alles keine Rolle. Sie sind - wie jedes Jahr - mit mehr Streifen in der Hexennacht unterwegs. Von unserer Mitarbeiterin Gabi Vogelsberg

Daun/Birgel. Aufregende Tage liegen hinter einer fünfköpfigen Mädchenclique. Das Aufstellen der Maibäume in der Hexennacht hat viel Organisation erfordert. Pia Verboket aus Birgel berichtet lachend: "Drei Treffen und Rund-um-die-Uhr telefonieren." Die 19-Jährige stellt ihrem Freund Daniel Eich zum zweiten Mal einen Maibaum. Für Melanie Funk-Haas aus Kopp-Eigelbach ist es eine Premiere. Die 21-Jährige ist seit drei Jahren mit Patrick Schmitz aus Birgel befreundet. Die Geheimniskrämerei im Vorfeld hat ihr Spaß gemacht. Sie sagt: "Das war Märchenerzählen pur."

Zum Telefonieren auf den Speicher

Michaela Kunz aus Gönnersdorf, die ebenfalls seit drei Jahren mit Christian Demary aus Birgel befreundet ist, ergänzt lachend: "Vorgestern bin ich zum Telefonieren auf den Speicher gegangen."

Sandra Blasen und Christina Hoffmann helfen dem Trio. Im Birgeler Wald haben sie die schönsten Birken ausgemacht. Die 23-jährige Michaela weist fragend auf eine acht Meter hohe Birke: "Ist die gerade?" Klaro. Doch Pias Wahl liegt näher. Also ran an die Sägen.

Mit vereinten Kräften legen die jungen Frauen los. Als die Säge zwei Zentimeter im Baumstamm stecken bleibt, kommt die erschrockene Frage: "Wohin fällt der Baum denn?"

Neue Strategien werden überlegt. Die Mädels sind erfinderisch. Ebenso wie beim "Verstecken ihrer Pläne". Melanie ist angeblich auf einem Techno-Festival in Dortmund, die anderen ins Eiscafé gegangen. Doch immer wieder tauchen die Jungs unverhofft auf. Pia erzählt: "Gerade als wir zum Baum-Absägen fahren wollten, kamen Daniel und Christian, um eine Feuertonne zu holen." Sie wurden angeflunkert. Nur zu ihrem Wohl natürlich. Denn sicherlich wären sie enttäuscht, flatterten heute Morgen keine bunten Bänder an "ihrem" Maibaum.

200 Schleifen aus Kreppband und ein roter Herzluftballon binden die Mädchen an jeden Maibaum. Beim Transport helfen Pias Papa und Michaelas Schwiegerpapa in spe. Angst vor Konkurrentinnen hat das Trio nicht. Auch nicht vor horrenden Wegezoll-Forderungen, denn sie sind ausschließlich in Birgel unterwegs. Im nördlichen Teil des Kreises werden in der Mainacht verstärkt die Mädels unterwegs sein.

Nicht so im südlichen Teil. Günter Schenk aus Gillenfeld kennt sich bestens mit Brauchtum aus. Er sagt: "Bei uns stellen natürlich die die Jungs die Maibäume auf. Da gibt es keine Unterschiede, ob Schaltjahr oder nicht." Schenk nimmt die männliche Jugend in Schutz: "Das hat nichts mit Machotum zu tun. Bräuche werden oft schon von Ort zu Ort unterschiedlich gepflegt."

Für die Polizei spielt die Jahreszahl ebenfalls keine Rolle. Werner Müllen, Vize-Chef der Dauner Polizei, erklärt: "Wir sind für die Hexennacht mit mehr Personal gut gewappnet." Mehr Streifen sind unterwegs, um Sachbeschädigungen oder Trunkenheitsfahrten zu verhindern.