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Menschen
Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude

 Haben sich gegenseitig ins Herz geschlossen: die FSJ-lerin Jeannine Poda (Mitte) aus Burkina Faso und ihre Hillesheimer Gast- und Pateneltern Marita (links) und Josef (rechts) Reetz.
Haben sich gegenseitig ins Herz geschlossen: die FSJ-lerin Jeannine Poda (Mitte) aus Burkina Faso und ihre Hillesheimer Gast- und Pateneltern Marita (links) und Josef (rechts) Reetz. FOTO: Brigitte Bettscheider
Hillesheim. Ein Jahr hat Jeannine Poda ein  Freiwilliges Soziales Jahr an der Integrativen Kindertagesstätte Hillesheim absolviert. Gewohnt hat sie bei ihrer Gastfamilie Reetz. Jetzt kehrt sie in ihr Heimatland Burkina Faso zurück. Von Brigitte Bettscheider

Wenn Jeannine Poda am 23. Januar in Luxemburg in das Flugzeug nach Paris steigt, um von dort weiter in ihr afrikanisches Heimatland Burkina Faso zu fliegen, wird sie gemischte Gefühle haben. Liegt doch einerseits ein Jahr hinter ihr, in dem sie viel Neues erlebt und erfahren hat und in dem ihr viel Gastfreundschaft und Unterstützung zuteil wurden. Andererseits fiebert die 20-Jährige dem Wiedersehen mit ihrer Mutter und ihrer 13-jährigen Schwester, mit Verwandten und Freunden entgegen. „Ja, ein weinendes und ein lachendes Auge werde ich haben“, sagt sie, als der Trierische Volksfreund sie bei ihren Gasteltern Marita und Josef Reetz besucht.

   Oder sind das 72 und 69 Jahre alte Ehepaar - sie pensionierte Lehrerin, er Elektroingenieur - doch eher Gast-Großeltern? „Wir dachten zunächst, dass Jeannine sich in einer Familie mit Kindern, die ungefähr in ihrem Alter sind, wohler fühlen würde“, erinnert sich Marita Reetz an den Herbst 2017. Damals hatten sie erfahren, dass Jeannine Poda ab Januar 2018  ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Integrativen Kindertagesstätte (Kita) Hillesheim absolvieren wird. Der Verein „SoFiA – Soziale Friedensdienste im Ausland“ (siehe Info) macht dies im Bistum Trier möglich. Da kannte das Ehepaar Reetz Jeannine bereits, wenn auch nur von Fotos und aus Briefen und E-Mails. Denn sie waren seit 2012 über den von Hillesheim aus tätigen „Solidaritätskreis Westafrika“ Jeannines Paten und unterstützten die Halbwaise finanziell.

   Heute sind sich Marita und Josef Reetz einig: „Wir sind froh, dass wir Jeannine für ein Jahr ein Zuhause gegeben haben. Sie hat unser Leben bereichert.“ Umgekehrt ist es genauso. „Ich werde in meiner Heimat von der schönen Landschaft und von den vielen lieben Menschen berichten, allen voran von Marita und Josef“, erklärt Jeannine Poda. Nicht nur, dass die Abiturientin aus Burkina Faso in Marita Reetz ihre ganz persönliche Deutschlehrerin hatte. Sie erhielt Klavierunterricht und lernte stricken. Sie machten gemeinsam Urlaub in Bayern und im Elsass. Das Ehepaar Reetz besuchte mit Jeannine die eigenen Töchter und ihre Familien mit je zwei Enkelkindern in Frankfurt am Main und Berlin. Mit Jugendlichen aus der Pfarrei Niederehe nahm Jeannine an einer Fahrt nach Taizé teil. Sie besuchte eine Freundin in Paris. Sie war bei Mitgliedern des Solidaritätskreises zu Gast. Sie traf sich vier Mal zu einwöchigen Seminaren mit den anderen 14 FSJ-lern, die zurzeit aus der ganzen Welt im Bistum Trier sind.

   Und nicht zuletzt hatte sie ja ihren Dienst in der Kita zu leisten. „Am Anfang war es schwierig, weil ich kaum Deutsch konnte und es häufig Missverständnisse gab“, räumt Jeannine ein. „Doch dann machte es mir immer mehr Spaß, in dem tollen Team und mit den Kindern zu arbeiten“, betont sie. Das Basteln zu den unterschiedlichen Jahreszeiten, der Besuch auf einem Bauernhof, die Spaziergänge durchs Bolsdorfer Tälchen, zählt sie unter anderem als besondere Erlebnisse auf.

   „Wir werden dich vermissen“, sagen Marita und Josef Reetz. „Ich euch auch“, sagt Jeannine Poda. Mit dem ‚weinenden Auge’ sagt sie es.