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Bahnfreunde wollen Fakten schaffen

Gerolstein/Prüm. Die Interessengemeinschaft (IG) Westeifelbahn will bald mit der Instandsetzung der ehemaligen Bahnstrecke Gerolstein-Prüm beginnen. Daran soll sie auch nicht das erwartete Veto der Eigner hindern - der Verbandsgemeinde Prüm und der Stadt Gerolstein. Vladi Nowakowski

Gerolstein/Prüm. Wenn es nach dem Willen des potenziellen Betreibers, der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) geht, sollen ab Frühjahr 2015 wieder Züge auf der Bahnstrecke zwischen Gerolstein und Prüm rollen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht zu Jahresbeginn ein Urteil zu Gunsten der Eisenbahner fällte, erteilte das Land Rheinland-Pfalz Anfang März eine Betriebsgenehmigung für zehn Jahre.
Damit ist der Weg für eine Inbetriebnahme des Schienenwegs laut Daniel Preis, Geschäftsführer der RSE, frei. Die Gleise sind es allerdings noch nicht: "Ich wünsche mir einen regen Schienenverkehr zwischen Gerolstein und Prüm", sagt Preis während der Jahreshauptversammlung der IG Westeifelbahn.
Doch bevor es dazu kommt, gilt es, eine Liste abzuarbeiten, die die RSE dem Verein überreicht hat. Auf der 23 Kilometer langen Strecke müssen Schwellen erneuert oder getauscht, Signalmasten aufgestellt und Tafeln errichtet werden.
Unterstützung signalisiert


Weiterhin wird verlangt, Bahnsteige auszubessern, Übergänge frei zu machen und die Strecke von Bewuchs zu befreien.
Die IG will damit zügig beginnen. Unterstützung signalisiert die in Gerolstein ansässige Vulkan-Eifel-Bahn (VEB), deren Schienenbusse laut Preis die Strecke eigenwirtschaftlich befahren werden. Bernd Kruse, Vorsitzender der IG Westeifelbahn, rechnet mit Widerstand aus Prüm und Gerolstein: "Ich glaube, dass die Kommunen sich erst an das Urteil gewöhnen müssen. Wahrscheinlich werden alle noch verbleibenden rechtlichen Mittel ausgeschöpft."
Die VG Prüm und die Stadt Gerolstein hatten die Strecke 2005 für 430 000 Euro gekauft. Danach reifte der Entschluss, einen Radweg auf der Trasse anzulegen. Allerdings wurde der Schienenweg nie entwidmet. "Allgemeines Eisenbahnrecht hat Vorrang", sagt RSE-Geschäftsführer Daniel Preis. "Der Antrag auf Betriebsgenehmigung der RSE und das Urteil des Oberverwaltungsgerichts bestätigen ein öffentliches Verkehrsbedürfnis - eine Umwandlung in einen Radweg ist damit ausgeschlossen." Damit sei die Bahn frei für die Instandsetzung. Prüms VG-Chef Aloysius Söhngen widerspricht: Voraussetzung für Arbeiten an der Strecke sei ein Pachtvertrag, "und der liegt noch nicht vor. Auch ein Schienenverkehr kann nur nach Abschluss eines Pachtvertrags erfolgen.". Das habe das Infrastrukturministerium in Mainz der VG auf Anfrage bestätigt.
Um keinen allzu harten Konfrontationskurs einzuschlagen, wollen die Eisenbahner auf die Kommunen zugehen und eine höhere Pacht in Aussicht stellen. "Etwa 3000 Euro im Jahr", sagt Bernd Kruse.Extra

Die Arbeiten am bisher stillgelegten Schienenweg sollen laut einem Gutachten des Koblenzer Unternehmens für Beratung und Projektmanagment im Verkehr (BPV) rund 300 000 Euro kosten. Den Freischnitt der Strecke will die IG Westeifelbahn erst nach Absprache mit Vogelschutzverbänden und der Unteren Naturschutzbehörde beginnen. Ab Ostern 2015 sollen am Wochenende vor allem Touristen zwischen Prüm und Gerolstein befördert werden. Wochentags soll Linien- und Güterverkehr stattfinden. Gespräche mit interessierten Unternehmen hat die RSE laut eigenem Bekunden dazu bereits geführt. now