| 16:18 Uhr

TV-Podiumsdiskussion
Bald alles unter Strom?

Am Bahnhof Gerolstein sollen auch nach dem Dieselverbot die Züge rollen.
Am Bahnhof Gerolstein sollen auch nach dem Dieselverbot die Züge rollen. FOTO: TV / Angelika Koch
GEROLSTEIN. TV-Podiumsdiskussion: Der Dieselantrieb hat ausgedient, auch bei der Bahn. Doch vor einer durchgehenden Elektrifizierung der Eifelstrecke müssen viele Details geklärt werden.

 Wer in Kall wohnt, hat es gut: In ein paar Jahren ist er an das elektrifizierte Köln-Bonner S-Bahn-Netz angeschlossen. Wer ein paar Kilometer weiter südlich in der Vulkaneifel lebt, könnte nach dem absehbaren Aus für Dieselmotoren als Antrieb für Lokomotiven noch mehr ins Abseits geraten. Es gibt hier keine Oberleitungen, die Ausstattung für eine modernere Technik fehlt. Während im Bereich des Nahverkehrs Rheinland die Zahl der Fahrgäste   bis zu sechs Prozent jährlich steigt, sieht es in Richtung Vulkaneifel schlechter aus. Thomas Geyer vom Zweckverband SPNV Nord, der jenseits der Landesgrenze beginnt, warf die Frage in den Raum, wie weit man aufs Land müsse mit der S-Bahn. Dass man nicht bis in die Vulkaneifel muss, darüber herrschte, wie auch bei den meisten anderen Fragen, Einigkeit auf dem Podium.   Die Wirtschaftlichkeit ist – auch für die Anmeldung im Bundesverkehrswegeplan – ausschlaggebend für die Realisierung einer Elektrifizierung der Eifelbahn. Kosten von bis zu 500 Millionen Euro könnten nach derzeitigen Schätzungen anfallen, so Klaus Brocker vom DB-Regionalnetz Mitte.

Die Bahnexperten sowie Landrat Heinz-Peter Thiel und MdB Patrick Schnieder als Vertreter der Politik und die fünf Kandidaten um das Amt des neuen VG-Bürgermeisters waren sich dennoch einig: Angesichts der Bedeutung der Eifelbahnstrecke für die gesamte Großregion, die auch Trier und Luxemburg mit einschließt, muss sie attraktiv sein.

„Mit kürzeren Fahrtzeiten kommen auch mehr Fahrgäste“, prognostizierte NahVerkehr-Rheinland-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek, „gerade die junge Generation verzichtet gern auf ein eigenes Auto, wenn es irgend geht.“

Ein weiterer Faktor, um eine modernere Eifelbahn rentabel zu machen: der Güterverkehr. Die Route ist als eine der Ausweichstrecken für die überlastete Rheinschiene im Gespräch. „Wir müssen ehrlich sein“, sagte Patrick Schnieder, „die Ertüchtigung würde auch ein Mehr an Güterzügen mit sich bringen.“

In rund 15 Jahren laufen die Verträge auf der Eifelstrecke aus und die neue Lösung muss da sein. „Es ist nicht zu früh, jetzt mit den Planungen anzufangen“, verwies Schnieder auf langwierige Verfahren.

Technische Alternativen zu einer komplizierten durchgehenden Oberleitung gibt es: Brennstoffzellen oder batteriegetriebene Loks, die auch Lücken in der Elektrifizierung überbrücken können. Beide Lösungen sind mit geringen Reichweiten oder hohen Sicherheitsauflagen noch nicht vollends ausgereift. Ganz gleich, wie die Strecke modernisiert wird: Zunächst werden detaillierte Machbarkeitsstudien erstellt. Erst in den 2030er Jahren ist mit einem Ergebnis zu rechnen.

Bis dahin bleibt  wie der grüne Bürgermeisterkandidat Dietmar Johnen unterstrich, die Aufgabe, auch den restlichen ÖPNV so auszustatten, dass ein ganzheitliches Mobilitätskonzept mit Busverbindungen zwischen den Orten die Bahnroute Trier-Köln einbezieht. Auch die Verknüpfung mit einer reaktivierten Eifelquerbahn von Gerolstein über Daun bis Koblenz dürfe nicht vergessen werden.

Das Publikum der Diskussionsveranstaltung jedenfalls konnte mit Zuversicht nach Hause gehen: Die Bahn kommt, auch nach Gerolstein und auch dann, wenn keine Dieselloks mehr die Luft verschmutzen. Das ist politisch gewollt. Und nach dem Ende der Mehdorn’schen Börsengangträume passe das auch zu den Prioritäten der Bahn, so deren Vertreter auf dem Podium.

Um diese Strecke geht es bei der Diskussion.
Um diese Strecke geht es bei der Diskussion. FOTO: TV / Angelika Koch
TV-Redakteur Rainer Neubert moderiert die Diskussionsrunde um die Weiterentwicklung der Bahn.
TV-Redakteur Rainer Neubert moderiert die Diskussionsrunde um die Weiterentwicklung der Bahn. FOTO: TV / Angelika Koch