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Bald ist eine Lücke in der Bahnstrecke

Gerolstein/Prüm. Die Bahnbrücke der stillgelegten Strecke Gerolstein-Prüm über die B 410 an der Abfahrt nach Müllenborn wird wegen massiver Baumängel im nächsten Jahr abgerissen. Das hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) nach Analyse eines aktuellen TÜV-Gutachtens entschieden. Vor einem Neubau will der LBM die damit verbundene Wertsteigerung von 140 000 Euro von der Rhein-Sieg-Eisenbahn haben, die für die Strecke Gerolstein-Prüm eine Betriebsgenehmigung bis 2024 hat (der TV berichtete). Mario Hübner

Gerolstein/Prüm. "Die 140 000 Euro Wertsteigerung müssen vorher bei uns auf dem Tisch liegen. Ich fange doch nicht an, einen Neubau zu planen, wenn ich nicht weiß, ob ich das Geld bekomme." Mit diesen Worten bezieht Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein, eindeutig Stellung zur aktuellen Entwicklung um die seit Jahren stillgelegte Bahnstrecke Gerolstein-Prüm - genauer gesagt zum Zustand der Eisenbahnbrücke über die B 410 an der Abfahrt nach Müllenborn. Die ist im Auftrag der Stadt Gerolstein wegen offenkundiger Baumängel untersucht worden - mit eindeutigem Ergebnis: Das Brückenbauwerk aus dem Jahr 1948 ist marode, es muss generalsaniert oder abgerissen werden, damit der darunter fließende Verkehr auf der viel befahrenen B 410 nicht durch Teile, die herabzufallen drohen, gefährdet wird. Enders drückt das so aus: "Wir haben für die B 410 die Verkehrssicherungspflicht.

Und wegen des schlechten Zustands der Brücke haben wir uns nun entschieden, das Bauwerk 2017 abzureißen." Die Gesamtkosten für Abriss und Neubau bezifferte er auf rund 600 000 Euro. Mit weiteren 430 000 Euro würden Abriss und Neubau des sich anschließenden Brückenteils über die Kyll zubuche schlagen. Für den Abriss wäre dort die Stadt Gerolstein zuständig. Deren Gremien wollen bis Ende dieses Jahres entscheiden, was mit dem Brückenteil passiert.
Die Stadt Gerolstein, die zusammen mit der Verbandsgemeinde Prüm seit 2005 Eigentümerin der Bahnstrecke ist und sie so schnell wie möglich zu einem Radweg umbauen möchte, steht hinter der LBM-Entscheidung. So sagt Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU): "Ich hoffe, dass nun die Vernunft obsiegt und die Eisenbahnfreunde mit uns über eine Entwidmung der Strecke sprechen, die wirtschaftlich absolut keinen und touristisch nur einen minimalen Nutzen hat." Im Gegenzug wolle er sie bei den Bestrebungen, die Bahnstrecke Gerolstein-Daun zu reaktivieren, unterstützen.

Und der Erste Stadtbeigeordnete Klaus Jansen betont nochmals: "Es ist klar, dass derjenige, der die Strecke pachten will, um dort Züge fahren zu lassen, auch die Kosten für die Sanierung und Unterhaltung zu tragen hat."
Angesichts von 20 weiteren Brücken, fünf Kreuzungen mit Straßen und laut LBM streckenweise maroden Gleisen sagt Enders: "Hier geht es nicht um 350 000 Euro, sondern um einen Sanierungsbedarf von etlichen Millionen Euro."
Damit spielt er auf die Sanierungssumme an, die das Oberlandesgericht mit Verweis auf ein Gutachten angesetzt hatte, als es der RSE 2014 die Betriebsgenehmigung für die Strecke über zehn Jahre ausgesprochen hatte. Dazu meint LBM-Mann Enders: "Der Gutachter kennt sich beim Öffentlichen Personennahverkehr aus, aber nicht beim Brückenbau. Wir schon."

Lothar Wenzel, Geschäftsführer der RSE, will sich zu der aktuellen Entwicklung und den Fragen des TV (Ist die RSE willens und finanziell in der Lage, die Strecke Gerolstein-Prüm zu sanieren? Ist die RSE aktuell bereit, ihre Pläne zur Reaktivierung der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm aufzugeben?) momentan nicht äußeren. Er sagt: "Ich kann Ihre Fragen derzeit nicht beantworten, werde sie aber anlässlich der Gesellschafterversammlung dort vorlegen."Extra

Die Stadt Gerolstein und die Verbandsgemeinde Prüm hatten die Bahnstrecke Gerolstein-Prüm 2005 für 430 000 Euro von der Bahn AG gekauft, da sie dort einen Radweg bauen wollen. Entwidmet wurde sie aber nicht. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn und die sie unterstützende Interessengemeinschaft Westeifelbahn hatten den beiden Kommunen angeboten, die Strecke für den symbolischen Betrag von einem Euro zu pachten und sie für rund 320 000 Euro instand zu setzen, um vor allem einen touristischen Betrieb zu ermöglichen. Das lehnen die Eigentümerkommunen ab und lassen die RSE nicht auf die Strecke. Seit März 2014 hat die RSE eine Betriebsgenehmigung - bis März 2024. Züge fahren lassen kann sie dort aber vorerst nicht: Zunächst bedarf es dafür weiterer Genehmigungen, für die die Streckensanierung erforderlich ist. Und die Eigentümerkommunen müssen sie auf die Strecke lassen, was bislang wegen erfolgloser Pachtverhandlungen nicht der Fall ist. mh/now

FOTO: (e_gero )