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Kultur
Als Väter und Söhne nicht zurückkamen

Norbert Brochhausen bei der Recherche zu seinem neuen Buch „Wendepunkte“ mit Luise und Franz Kuhl aus Scheuern, die als Zeitzeugen den Zweiten Weltkrieg als Kinder miterlebt haben.
Norbert Brochhausen bei der Recherche zu seinem neuen Buch „Wendepunkte“ mit Luise und Franz Kuhl aus Scheuern, die als Zeitzeugen den Zweiten Weltkrieg als Kinder miterlebt haben. FOTO: Hermann Dahm
Gerolstein-Roth. Der Hobbyhistoriker Norbert Brockhausen stellt ein neues Buch zur Geschichte der Pfarrgemeinde Gerolstein-Roth vor.

(red) Seit  sechs Jahren beschäftigt sich Norbert Brochhausen aus Gerolstein in seiner Freizeit als Historiker und Buchautor. Jetzt ist sein neues fast 1000 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Wendepunkte“ in zwei Bänden fertiggestellt und wird der Öffentlichkeit präsentiert.

Erzählt wird auf beeindruckende Weise die Zeit von 1918 bis 1949 in der Pfarrgemeinde Gerolstein-Roth.  In geschichtlichen Darstellungen, sozialhistorischen Analysen und mit über 1500 Originalfotos und Textdokumenten wird dem Leser die Zeit um den Zweiten Weltkrieg herum nahe gebracht.

„Bei einem Kirchenbesuch in Roth und dem näheren Betrachten von dort angebrachten Namenskreuzen, die an die Kriege erinnern, beschäftigte mich die Frage, welche Schicksale wohl hinter den einzelnen Namen stehen.“ sagt Norbert Brochhausen.

Die Idee für ein kleines Büchlein war geboren, was sich allerdings im Verlaufe der nachfolgenden  Recherchen anders entwickeln sollte als geplant. „Schnell wurde mir deutlich, dass nicht nur viele Originaldokumente aus den Kriegszeiten noch vorhanden waren, sondern bei vielen Menschen überdies ein großes Mitteilungsbedürfnis bestand.“ berichtet Brochhausen.

Es folgten unzählige Gespräche mit über 30 Zeitzeugen, die als Kriegsteilnehmer, Ehefrauen, Geschwister oder als Kinder und Jugendliche die Zeit miterlebt haben.Und mehr noch: „Mittlerweile hatte sich herum gesprochen, dass ich ein Buch schreibe, und oft brachten mir Leute von sich aus umfängliche Bildersammlungen, Feldpostbriefe, Totenzettel oder andere Dokumente vorbei.“ erinnert sich der Autor.

Aus dem Büchlein wurde also ein Buch, das die geschichtlichen Zusammenhänge in der Pfarrgemeinde und weit darüber hinaus beschreibt. Es geht um die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den 2. Weltkrieg und die Besatzungszeit. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit sozialhistorischen Zusammenhängen wie zum Beispiel der Situation in Kirche und Beruf, der Schulen, der medizinischen Versorgung und Kindersterblichkeit, der Vereine und des Fremdenverkehrs.

Zentrales Thema aber sind die Familiengeschichten und die Schicksale, die dahinter stehen. Davon erzählen können auch Luise und Franz Kuhl aus Scheuern, die den Krieg als acht- und elfjährige Kinder erlebt haben. „Ich kann mich noch an viele Ereignisse erinnern und vor allem an die Todesangst, die wir so manches Mal hatten, als die Flieger über unser Dorf donnerten.“ sagt Luise Kuhl.

 Ihr Mann Franz dagegen entpuppt sich als wahres Lexikon.

Fast alle Personen erkennt er auf Bildern, kann die Namen den Familien und Geschichten zuordnen und kennt überdies genaue geografische Lagen. Es fanden mehr als zehn Treffen und unzählige Telefonate zwischen Familie Kuhl und Dr. Brochhausen statt, aber auch einige Spaziergänge und Streifzüge durch die nahegelegenen Wälder. Im „Ammelsbüsch“ zum Beispiel kann Franz Kuhl noch heute die einzelnen Stellungen und Gräben zeigen, die damals hart umkämpft waren und mittlerweile nur als Mulden erkennbar sind.

Luise Kuhl berichtet derweil, dass zur Trauer der Familien oft noch die wirtschaftliche Not hinzukam. „Versicherungen gab es meist keine. Wenn die Väter oder Söhne dann nicht wieder zurückkamen, waren die Frauen auf sich alleine gestellt.“ sagt sie.

Dass die Emotionen von damals auch heute noch sehr präsent sind, weiß Autor Brochhausen allzu gut.

„Meistens kommen beim Erzählen und Durchstöbern der Fotoalben die Ereignisse wieder sehr nah, oft aber auch eine tiefe Trauer“, sagt er und erläutert dabei, dass er den Titel des Buches deshalb so gewählt habe, weil solche einschneidenden Kriegserlebnisse eben wirkliche „Wendepunkte“ im Leben der Menschen waren.

Die Buchpräsentation findet am Sonntag, 25. März, um 15 Uhr im Gemeindehaus in Müllenborn statt. Es lädt ein der „Arbeitskreis für Geschichte und Heimatpflege im Eifelverein Müllenborn“. Der Eintritt ist frei.