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Bus-Irrfahrt: Sechsjähriger bleibt allein zurück

Am ersten Schultag des sechs Jahre alten Leo kommt die Busverbindung von Oberbettingen nach Duppach nicht zustande. Die Haltestelle liegt weitab vom nächsten Haus an einer stark befahrenen Straße. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Am ersten Schultag des sechs Jahre alten Leo kommt die Busverbindung von Oberbettingen nach Duppach nicht zustande. Die Haltestelle liegt weitab vom nächsten Haus an einer stark befahrenen Straße. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Duppach/Oberbettingen. Ausgerechnet am ersten Schultag des sechsjährigen Leo scheitert die Busverbindung nach Hause. Der Fahrer des beauftragten Busunternehmens kannte den neuen Fahrplan nicht. Vladi Nowakowski

Duppach/Oberbettingen. Am Ende geht alles gut aus: Der sechsjährige Leo, der allein und verlassen an der Bushaltestelle Oberbettingen-Bahnhof steht, wird von einem Bekannten der Familie, der selbst Busfahrer ist, nach Hause gebracht. Bereits am Vortag, zum offiziellen Schulbeginn, hatte die Verbindung von Oberbettingen nach Duppach nicht funktioniert, erzählt die Mutter des Erstklässlers. Ein 16-jähriger Schüler sei an diesem Tag in Oberbettingen gestrandet und dann zu Fuß nach Hause gelaufen. "Doch einem sechs Jahre alten Jungen kann man nicht zumuten, dass er über viel befahrene Straßen nach Hause geht", sagt die Mutter, der die Wut über den Vorfall auch etliche Tage später noch anzumerken ist.
Ursache: Neuer Fahrplan


Der Grund für das Versagen des im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) fahrenden Busunternehmens ist lapidar: Für die Linie gilt seit dem 15. August ein neuer Fahrplan, den der betroffene Busfahrer nicht kannte. Leo, der die Grundschule Waldstraße in Gerolstein besucht, muss in Basberg und in Oberbettingen umsteigen.
In Oberbettingen wechseln auch die Busunternehmen: bis dorthin fährt die Firma Niesen, ab der Haltestelle Bahnhof Oberbettingen übernimmt das Unternehmen Tücks die Schüler. Leos Mutter übt am Verhalten beider an diesem Tag eingesetzten Busfahrer Kritik: "Der eine kommt erst gar nicht, und der andere lässt Leo, der als einziges Kind nach Duppach weiterfahren soll, auf weiter Flur alleine stehen und fährt weiter", ärgert sie sich. Es sei doch ein Leichtes, sich über Handy zu verständigen: "Auf dem Schulranzen stehen unsere Telefonnummer und Adresse - ich fasse es nicht, dass der Fahrer nicht auf die Idee kam, anzurufen."
Als Leo an seinem ersten Schultag nicht nach Hause kommt, begeben sich die besorgten Eltern auf die Suche.
Leos Vater begegnet auf der Straße nach Oberbettingen dem Busfahrer Peter Bernardy, der zwar auf einer anderen Linie unterwegs ist, Leo aber einsteigen lässt, um ihn nach Duppach zu bringen. "Ihm sind wir sehr dankbar", sagt die Mutter. "es ist nicht auszudenken, was alles hätte geschehen können."
Auf Anfrage des TV erklärt die für Schülerbeförderung zuständige Kreisverwaltung Daun: "Es ist richtig, dass es in diesem Fall Probleme gab." Ein Busfahrer sei nach dem alten Fahrplan gefahren, weshalb der Umstieg in Oberbettingen nicht funktioniert hätte. "Der Fahrer wurde von der RMV, die die Buslinie eigenverantwortlich betreibt, nochmals genauestens auf den neuen Fahrplan hingewiesen."