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300.000 Euro Investition
Mordsmäßiger Lärm in Hillesheim - Krimihotel wird modernisiert

 Schaurig-schön: das Krimihotel in Hillesheim.
Schaurig-schön: das Krimihotel in Hillesheim. FOTO: TV / Norbert Bermond
Hillesheim. Das Krimihotel in Hillesheim wird aufwändig saniert. Verantwortlich dafür ist die 89-jährige Eigentümerin, die Hillesheim so „etwas Gutes“ tun möchte. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Wo ansonsten Krimifans im gleichen Zimmer wie das goldige Bondgirl aus Goldfinger schlafen, man direkt unter den Tränensäcken von Derrick oder dem Portrait von Hitchcock nächtigt, sich in die Obhut von Miss Marple, James Bond, Sherlock Holmes & Co. begibt und inmitten rustikaler Chesterfieldmöbel die Mordsstimmung beim Original Five o‘clock Tea genießt, herrscht derzeit mordmäßiger Lärm: Denn Deutschlands einziges Krimihotel im Herzen Hillesheims ist derzeit wegen umfangreicher Umbauarbeiten geschlossen.

Drinnen bauen Arbeiter die alte Küche und Toilettenanlage ab, meißeln mit der Hilti alte Fliesen von den Wänden oder klopfen Schlitze für die neue Verkabelung. Ein Lärm und Staub sondergleichen.

Das alleine wäre vielleicht eine Meldung, aber keine große Geschichte Wert. Wohl aber der Umstand, dass die Eigentümerin des Hotels, Gisela Daniels, die dafür verantwortlich zeichnet und bezahlt, bereits 89 Jahre alt ist. Wie leicht könnte sie die  Modernisierung ihren Nachkommen und Erben überantworten. Doch die resolute Dame sagt voller Überzeugung:  „Ich mache das auch, weil Hillesheim doch so sehr von den Hotels profitiert, wie mir Stadtbürgermeister Stein immer wieder sagt. Ich will etwas Gutes für die Stadt tun.“ Außerdem sei das Haus ja schon alt (Baujahr 1909), solle aber erhalten bleiben. Und zudem verstehe sie sich gut mit den Pächtern. Das ist die Alemannia-Gruppe, die neben dem Krimihotel auch das Augustiner-Kloster betreibt. 

Ruud Zillig, Direktor beider Hotels, schwärmt angesichts des außergewöhnlichen Engagements seiner betagten Geschäftspartnerin, zu der er offenkundig einen guten Draht hat: „Da muss eine Dame von 89 Jahren kommen, um zu zeigen, wie es geht. Die Stadt kann heilfroh sein, dass es Frau Daniels gibt.“ Und während sie gar nicht so gerne über Geld sprechen möchte, redet der Hoteldirektor Klartext: „Wir sprechen hier über eine Gesamtinvestition von rund 300 000 Euro.“ Den größten Posten macht die komplette Erneuerung der Großküche samt Spülstraße sowie Abflüssen aus, die mit rund 200 000 Euro zubuche schlägt. „Dafür haben wir dann aber auch alles auf dem neuesten Stand, was eine Gastroküche angeht“, sagt Zillig. Zudem gibt es eine neue Elektroinstallation, und auch die komplette Toilettenanlage wird erneuert – „und mit Sicherheit mit dem ein oder anderen Gimmick aus dem Krimigenre versehen“, kündigt Zillig an. Was genau, wird noch nicht verraten.

Auch ein neues Themenzimmer entsteht: aus der beliebten Serie Mord mit Aussicht, die ja in der Eifel (wenn auch Vordereifel) spielt. „Da haben wir alle Requisiten aufgekauft, die zu haben waren“, berichtet der Manager und freut sich diebisch über den gelungenen Coup. Denn schon jetzt hätten sich unzählige Fans gemeldet, die das Zimmer – obwohl noch gar nicht fertig – bereits buchen wollen. „Da haben wir, ohne es zu ahnen, einen Volltreffer gelandet. Wir wussten gar nicht, dass es da so eine große Fangemeinde gibt“, sagt Zillig – und verrät auch gleich, wer für die neuen Ermittler weichen muss: Toto und Harry, aber deren Zeit sei auch vorbei.

Apropos Zeit: „Am 10. Februar eröffnen wir wieder“, gibt Hoteldirektor Zillig ein nach eigenem Bekunden „ambitioniertes Ziel“ vor.  Schließlich bedeutet jeder Tag mit verschlossenen Türen Umsatzverlust. Und den Angstschweiß (wegen zu langer Fehlzeiten) solle es nicht ihm auf die Stirn treibe, sondern den Gästen  – wegen des kriminell guten Programms und dem dann noch schöneren Interieur des Hauses.

Der Hoteldirektor indes darf sich neben der Leitung des Augustiner-Klosters und der Überwachung des Baufortschritts im Krimihotel noch auf eine weitere Aufgabe einstellen, denn Eigentümerin Daniels meint: „Zur Eröffnung müssen wir aber auch ein Fest feiern.“ Und das war nicht als Frage formuliert.

Auf die Frage, welche Krimis sie am liebsten mag, sagt Krimihotel- Eigentümerin Daniels dann aber überraschend: „Ehrlich gesagt, mag ich gar keine Krimis. Vor allem keine, wo so viel geschossen wird. Am ehesten noch milde Krimis wie Der Alte.“