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Kultur
Mit dem Zug und drei Mark Verzehrgeld zum Auftritt

Zwei von 22: Horst Wirtz (links) und Alois Reinarz (rechts) mit einem von Sebastian Müsseler gemalten Bild des MGV Concordia Niederehe.
Zwei von 22: Horst Wirtz (links) und Alois Reinarz (rechts) mit einem von Sebastian Müsseler gemalten Bild des MGV Concordia Niederehe. FOTO: Brigitte Bettscheider
Niederehe/Leudersdorf. Der Männergesangverein Concordia Niederehe-Leudersdorf lädt am 11. August zum zweiten Mal zum Chorsommer ein. Und hat mit Alois Reinarz einen Sänger in seinen Reihen, der aus 60 Jahren Vereinsgeschichte viel erzählen kann. Von Brigitte Bettscheider

„Das war nicht nur wegen dem Gesang“, räumt Alois Reinarz ein, als er dem Trierischen Volksfreund von seinem Eintritt in den MGV Niederehe im Jahr 1958 erzählt. „Es war auch eine Abwechslung in einer Zeit, in der es auf dem Dorf noch nicht viele Möglichkeiten gab, seine Freizeit zu gestalten“, sagt er. Drei aus der Familie seien sie seinerzeit Mitglied gewesen – auch Vater Hanni und Bruder Oswald waren mit von der Partie.

   Geprobt wurde im Gasthaus. Zu den Auftritten, die wegen der damaligen Zugehörigkeit des MGV Niederehe zum Chorverband Oberahr meist im Kreis Ahrweiler stattfanden, fuhren die Sänger mit dem Zug.

Drei Mark Verzehrgeld pro Person gab es dann. Als der Vorsitzende einmal dem Vater Reinarz auch das Geld für die beiden Jungen aushändigte, habe er zu bedenken gegeben, dass der Vater möglicherweise eine Kuh davon kaufe, erinnert sich der heute 76-jährige Alois Reinarz schmunzelnd.

   Später gab es schon mal Terminüberschneidungen, wenn der Sänger und Fußballer Alois Reinarz gleichzeitig einen Chorauftritt und ein Spiel hatte. „Da fiel die Entscheidung meistens zu Gunsten des Fußballs aus“, erzählt der gelernte Schlosser. Hätten doch die damals mehr als 40 Sänger eher auf ihn verzichten können als die Elf des Niedereher Sportvereins.

   Von 1983 bis 2000 war Alois Reinarz der Vorsitzende des MGV. Sein Nachfolger wurde Horst Wirtz (bis heute). Im Jahr 2009 schlossen sich die MGVs Niederehe und Leudersdorf zu einer Chorgemeinschaft zusammen.

Die heutige Dirigentin Ute Betten (Dockweiler) ist für Alois Reinarz die Fünfte in diesem Amt. Es war auch eine Frau, die den Taktstock führte, als er vor 60 Jahren in den Verein eintrat: Hella Schröder, Tochter des Gründungs-Dirigenten Albert Fasen. Es folgten Helmut Gogrewe, Bernd Loch und Alois Reif. Leider habe er mehr Sänger gehen als kommen sehen, bedauert Reinarz mit Blick auf die derzeit nur noch 22 Aktiven. Sein größter Wunsch sei, dass der MGV bestehen bleibe. Zurzeit sieht es ganz danach aus. Denn eine Werbekampagne des Vorsitzenden Horst Wirtz hat immerhin vier neue Mitglieder in die Reihen des MGV und somit freitags abends um 20 Uhr zur Probe, abwechselnd in Niederehe und Leudersdorf, geführt.

Der MGV gehört zu meinem Leben“, erklärt Alois Reinarz. Selbst seine Urlaubsplanung richte er nach dem Chor aus. So wie jetzt beim Liederabend unter dem Titel „Niedereher Chorsommer“ (siehe Info).