| 06:42 Uhr

Infrastruktur
Die Bagger rücken an: Marode Bahnbrücke verschwindet

Der Abzweig nach Müllenborn ist seit Jahren eine gefährliche Stelle. Sie soll im Zuge des Brückenabrisses entschärft werden.
Der Abzweig nach Müllenborn ist seit Jahren eine gefährliche Stelle. Sie soll im Zuge des Brückenabrisses entschärft werden. FOTO: TV / Mario Hübner
Gerolstein-Lissingen . Das Bauwerk über die Bundesstraße 410 an der Einmündung nach Gerolstein-Müllenborn wird abgerissen. Die Eigentümer wollen nun die Umwandlung der stillgelegten Bahnstrecke in einen Radweg forcieren. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Schon lange ist das Vorhaben im Gespräch, nun wird es in die Tat umgesetzt: Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein kündigt an, dass die marode Eisenbahnbrücke über die B 410 bei Lissingen (an der Einmündung der Straße nach Müllenborn) am kommenden Wochenende abgerissen wird. Mit den Vorarbeiten soll bereits am heutigen Mittwoch begonnen werden, weshalb auch eine Baustellenampel aufgestellt wird – der Verkehr aber mit Unterbrechungen weiter fließen kann. Während des eigentlichen Abrisses wird die Bundesstraße zwischen Gerolstein und Lissingen am Samstag und Sonntag komplett gesperrt. Eine Umleitungsstrecke wird ab Gerolstein über die Raderstraße und die Lissinger Straße bis nach Lissingen, und umgekehrt, ausgeschildert.

Der Gehweg unter der Brücke muss am Wochenende auch gesperrt werden. Für die Fußgänger wird eine Ausweichroute entlang der Lissinger Straße, der Straße „Vor der Hardt“, über den Kyllradweg bis zur Sarresdorfer Straße beim Hagebaumarkt, und umgekehrt, ausgeschildert.

Den Auftrag für den Abbruch der Bahnbrücke hat die Firma Backes aus Stadtkyll zum Angebotspreis von rund 74 000 Euro erhalten. Eigentlich hätte der Abriss bereits vergangenes Jahr erfolgen sollen. Doch der LBM hat zunächst gewartet, bis der Prozess in Sachen Betriebsgenehmigung der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm abgeschlossen war.

Das war aber erst im Frühjahr 2018 der Fall, als die Rhein-Sieg-Eisenbahn ihre Klage am Verwaltungsgericht Trier zurückgezogen hat, mit der sie sich dagegen wehren wollte, dass ihr die  Betriebserlaubnis entzogen worden war (der TV berichtete). Danach wurde das Vorhaben ausgeschrieben. Dass es mit dem Abriss aber erst jetzt etwas wird, hat mit weiteren Verzögerungen zu tun. Bruno von Landenberg, stellvertretender Leiter des LBM Gerolstein, erklärt: „Es mussten noch Abstimmungen mit der Bahn erfolgen, da die  Stromversorgung für einen Funkmast, der für die Strecke Gerolstein-Trier erforderlich ist, erneuert werden musste. Die bisherige Stromversorgung wäre  durch den Abriss unterbrochen worden.“

Dass der Abriss auf ein Wochenende gelegt wurde, hat einen speziellen Grund.

Der LBM-Mann erklärt: „So müssen wir keine separate Umleitung für LKW einrichten.“

Im Anschluss an die eigentlichen Abbrucharbeiten unter Vollsperrung kommt es aber zu weiteren Verkehrsbehinderungen. Denn: Für Restarbeiten wird ab der Einmündung L 24/B 410 zwei Wochen lang auf der Bundesstraße eine Ampel aufgestellt.

Der Brückenabriss ist nur ein Teil des Gesamtvorhabens an dieser Stelle, das aber noch nicht komplett in die Tat umgesetzt wird: Erstens soll der Einmündungsbereich übersichtlicher gestaltet, zweitens soll eine Linksabbiegespur nach Müllenborn geschaffen und drittens der Rad- und Fußweg entlang der Bundesstraße im Bereich der Brücke verbreitert werden. Die Gesamtkosten werden auf gut 1,8 Millionen Euro geschätzt.

Die angrenzende Brücke über die Kyll, die noch deutlich älter, ebenfalls marode und im Eigentum der Stadt ist, wird noch nicht abgerissen. Denn anders als bei dem Bauwerk über die B 410, gibt es keinen Planfeststellungsbeschluss, auch diese Brücke abreißen zu dürfen.

Bei den Eigentümern der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm (die Stadt Gerolstein und die Verbandsgemeinde Prüm haben diese 2005 für 430 000 Euro gekauft, um dort einen Radweg zu bauen) herrscht Freude über den bevorstehenden Brückenabriss. Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) sagt: „Endlich!“ Damit werde ein Gefahrenpunkt, die unübersichtliche Einmündung der L 24 in die B 410, beseitigt. Bongartz blickt nach vorne: „Jetzt können wir auch am Thema Radweg arbeiten.“

Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, hatte sich schon mehrfach zum Vorhaben geäußert, zuletzt so: „Meines Erachtens ist dies nur konsequent, denn der Abriss ist planfestgestellt. Ich hoffe, dass dies ein kleiner weiterer Schritt in Richtung des angestrebten Radwegbaus zwischen Gerolstein und Prüm sein wird.“

Die Vulkan-Eifel-Bahn (VEB) aus Gerolstein, die zu Jahresbeginn einen Antrag auf Betriebsgenehmigung für die Bahnstrecke Gerolstein-Prüm eingereicht hat, äußerte sich auf TV-Anfrage nicht zum bevorstehenden Brückenabriss.

Die Bahnbrücke über die B 410 am Abzweig nach Müllenborn soll am Wochenende abgerissen werden. Die Straße wird dann gesperrt.
Die Bahnbrücke über die B 410 am Abzweig nach Müllenborn soll am Wochenende abgerissen werden. Die Straße wird dann gesperrt. FOTO: TV / Mario Hübner