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Rohstoff
Es läuft nicht rund am Runden Tisch

Bei einem Rundlug im Juni ist Resi Schmitz auch über den Kalkabbau bei Berndorf geflogen, der laut IG Eifelvulkane um 90 Hektar erweitert werden soll und bis auf vierzig Meter an die Häuser heranreichen würde.
Bei einem Rundlug im Juni ist Resi Schmitz auch über den Kalkabbau bei Berndorf geflogen, der laut IG Eifelvulkane um 90 Hektar erweitert werden soll und bis auf vierzig Meter an die Häuser heranreichen würde. FOTO: TV / IG Eifelvulkane
Gerolstein/Daun. Diskussion um Gesteinsabbau-Flächen: IG Eifelvulkane sieht Einwände nicht berücksichtigt, Planungsgemeinschaft nennt andere Zahlen. Von Angelika Koch

„Rohstoffsicherung in der Region Trier“ heißt das Projekt des Saarbrücker Raumplanungsbüros agl, das nach einer Zeit relativer Ruhe an der Lavafront nun erneut die Gemüter in Wallung bringt.

Vor allem die der Interessengemeinschaft (IG) Eifelvulkane. Sie ist Mitakteurin des Runden Tisches „Lösungsdialog Rohstoffsicherung Vulkaneifel“ und sieht sich übergangen. „Zu einem Dialog gehört hören und gehört werden“, moniert IG-Sprecherin Resi Schmitz in einem Schreiben an die Planungsgemeinschaft Region Trier ((PLG), die das Gutachten in Auftrag gegeben hat. „Wir müssen allerdings feststellen, dass die bisherigen Einwendungen nicht entsprechend berücksichtigt wurden. Diese Vorgehensweise kann nicht akzeptiert werden.“

Das neue Gutachten geht auf den ersten Blick über die alte, bereits auf das entschiedene Nein der Naturschützer treffende Verfünffachung der möglichen Abbauflächen hinaus.

Aus ursprünglich 400 Hektar Landschaft als Rohstofflager sollten 2000 Hektar werden, nun steht eine Fläche auf 3750 Hektar Im Raum. „Damit wäre die Vulkaneifel als Lebens- und Erholungsort am Ende“, sagt Schmitz. Sie spricht von „katastrophalen Auswirkungen“, die nicht nur das Landschaftsbild betreffen, sondern auch die Trinkwasser- und Mineralquellen, den Tourismus, die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht.

Dieser Darstellung widerspricht die PLG, erklärt unter anderem, eine Ausweitung der Flächen auf diese 3700 Hektar „war zu keinem Zeitpunkt und ist auch aktuell nicht vorgesehen“ (siehe Infokasten).

Die IG legt nach. Von „Rohstoffsicherung“ könne sowieso keine Rede sein: „Sicher sind diese natürlichen Ressourcen dann, wenn sie dort bleiben, wo sie sind. Denn da sie nicht nachwachsen, kann es einen nachhaltigen Abbau in noch größerem Stil gar nicht geben.“

Die IG fürchtet einen Ausverkauf des vulkanischen Charakters der Eifel, denn das industrielle Ausmaß des Abbaus gehe weit über den regionalen Bedarf etwa für Baumaterialien hinaus.

Höchstens 300 Arbeitsplätzen in der Abbauindustrie stehen, wie IG-Vertreterin Gisela Kannenberg das Statistische Landesamt zitiert, 1200 Arbeitsplätze in der Mineralwasserwirtschaft und 4000 Arbeitsplätze im Tourismus gegenüber, noch nicht eingerechnet die indirekten Beschäftigungseffekte des Tourismus auf Handwerk und Handel.

Hans Erkert, Biologe und Vertreter des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, will die Eifelvulkane, die einzigartig in Mitteleuropa seien, als nationales Naturerbe geschützt sehen.  „Das Problem mit unseren Vulkanen ist, dass ihre Lava sehr leicht abbaubar ist. Das verführt dazu, sie wie Sand zu behandeln.“

Die nächste Sitzung „Lösungsdialog Rohstoffsicherung Vulkaneifel“ ist für Dienstag, 14. August,  anberaumt.