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Drei Meter Tabuzone rund um den Brunnen

Eis essen, Kaffee trinken oder einfach nur in der Sonne sitzen – das wird dank einer neuen Sondernutzung auf dem Rondellplatz rund um den Bürgerbrunnen ab April wieder möglich sein.
Eis essen, Kaffee trinken oder einfach nur in der Sonne sitzen – das wird dank einer neuen Sondernutzung auf dem Rondellplatz rund um den Bürgerbrunnen ab April wieder möglich sein. FOTO: Mario Hübner
Gerolstein. Der Bauausschuss der Stadt hat für den Rondellplatz eine Sondernutzung beschlossen. Ab sofort dürfen die Gastronomen mit ihren Tischen und Stühlen den Bürgerbrunnen nicht mehr zustellen und müssen eine drei Meter breite Gasse zum Eingang des Rondells freihalten - als Rettungsweg. Mario Hübner

Gerolstein. Nach dem jahrelangen Streit um den Bürgerbrunnen, der im Winter 2013 fertiggestellt worden war, gärte seit geraumer Zeit in Bauausschuss und Stadtrat ein Streit darüber, wie der Brunnen gut zur Geltung kommen kann - und damit zusammenhängend, wie verhindert werden kann, dass die beiden Gastronomen auf dem Rondellvorplatz (Eiscafé La Piazza und Bistro Im Flecken) ihn mit Tischen und Stühlen zustellen.
"An dem Brunnen soll jeder verweilen können, auch ohne ein Eis essen oder einen Kaffee trinken zu müssen. Das muss geregelt werden", hatte Tim Steen von den Grünen bereits kurz nach der Fertigstellung des Brunnens angemahnt. Passiert ist in der Saison 2014 aber nichts, da niemand im Bauausschuss und im Stadtrat das Thema so richtig anpacken wollte. Doch Steen ließ nicht locker. Ende 2014 hatte er seine Forderung erneuert: "Spätestens zur Freiluftsaison ab 1. April 2015 muss eine Regelung her." Nun gibt es sie.

Der Beschluss:
Der Bauausschuss hat im Rahmen einer Sondernutzungssatzung für den Rondellplatz zwei Punkte beschlossen: Erstens dürfen die Gastronomen mit ihren Tischen und Stühlen den Bürgerbrunnen nicht mehr zustellen, sondern müssen einen Abstand von Beckenaußenrand von drei Metern einhalten. Von den Steinquadern aus gemessen, die als Sitzbänke dienen, müsste demnach noch gut ein Meter frei bleiben. Zweitens muss eine drei Meter breite Gasse zum Eingang des Rondells freigehalten werden - als Rettungsweg.

Das sagen die Fraktionen:
Der Initiator der neuen Regelung, Tim Steen (Bündnis 90/Die Grünen), sagt nun: "Wir glauben dass damit für alle Besucher ein angenehmer Aufenthalt am Brunnen und in der Gastronomie möglich ist: Wer etwas konsumieren möchte, kann dies tun und wer einfach so ein paar Minuten am Brunnen verweilen will, hat hierzu dann auch Gelegenheit. Zum Brunnen, der ja von den Bürgern bezahlt wurde, sollen alle freien Zugang haben."
In die gleiche Kerbe schlägt SPD-Sprecher Uwe Schneider: "Wir sind für eine Nutzung des Platzes durch die Gastronomie, aber eben geordnet. Denn es ist wichtig, dass der Brunnen als solcher auch erlebbar und für alle Bürger zugänglich bleibt."
Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmuth Hauth ist die getroffene Lösung gut, müsse eingehalten und auch kontrolliert werden. Dennoch solle "Kleinkrämerei" vermieden werden. Er sagt: "Hier ist bereits ein Gerolsteiner Treffpunkt entstanden, wo fröhliche und zufriedene Gesichter zu sehen sind - und bei jedem Sonnenstrahl werden es mehr. Der Platz bringt Leben in die Stadt."
Heinz Weber (FWG), der als Einziger gegen den Beschluss gestimmt hat, sieht es als oberstes Ziel an, "dass viele Menschen, Jung und Alt, sich möglichst lange dort wohlfühlen und aufhalten." Der Rondellvorplatz "könnte das pulsierende Herz unserer Innenstadt werden". Um dies zu erreichen, reiche es aber nicht, "mit dem Metermaß Laufwege zu vermessen und Stühle hin- und herzurutschen". Anstatt des Bauausschusses sollten sich Leute um die Gestaltung und Belebung des Platzes kümmern, "die hiervon Ahnung haben".

Das sagen die betroffenen Gastronomen:
"Mit der jetzigen Regelung kann ich leben", sagt Eiscafé-Besitzer Fadil Qiku. Nicht akzeptiert hätte er hingegen den ersten Vorschlag vonseiten der Stadt, wonach er den gesamten Mittelbereich zwischen Rondelleingang und Brunnen hätte freiräumen und in Richtung des ehemaligen Modehauses Schildgen umziehen sollen. "Erst haben wir drei Jahre Baustelle vor der Tür, in denen niemand kommt und fragt, wie es geht. Und wenn alles fertig ist, kommen die mit solchen Ideen und wollen einem das Leben schwer machen. Aber zum Glück hat die Vernunft gesiegt", sagt er.
Dennoch glaubt er, dass es schwer werden wird, die neue Regelung exakt einzuhalten, da die Gäste die Tische und Stühle verrücken würden. "Aber wir geben unser Bestes."
Julia Schneider vom Bistro Im Flecken sagt: "Ich habe kein Problem mit der neuen Regelung. Und da unsere Bestuhlung weitgehend so stehen bleiben kann wie bisher, werden wir uns auch einig werden." Was für sie viel wichtiger ist: "Dass wir jetzt Sonne bekommen."Extra

In der Sondernutzungssatzung der Stadt Gerolstein ist in Paragraf 10 (Ordnungswidrigkeiten) dargelegt, wann eine Handlung ordnungswidrig ist und mit welcher Geldbuße diese geahndet wird. Die Überprüfung zur Einhaltung der Sondernutzungssatzung erfolgt vom Ordnungsamt. Grünen-Ratsmitglied Tim Steen ist der Meinung: "Falls die gefundene Lösung nicht beachtet wird, sind Geldbußen zu verhängen oder als letztes Mittel die Erlaubnis zur Sondernutzung zu widerrufen." Ordnungsamtsleiter Bernd Schmitz sagt zu der Angelegenheit: "Ich bin froh, dass wir jetzt endlich eine klare Regelung haben. Wir werden uns aber definitiv nicht darum kümmern können, wenn hier und da die Stühle verrückt werden und die Mindestabstände nicht mehr stimmen." mh