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Unfall
Durchatmen, aufräumen, beruhigen

FOTO: TV / Mario Hübner
Gerolstein. Am Tag nach dem Deckeneinsturz der Grundschulturnhalle in Gerolstein rückt bereits ein Sanierungstrupp an. Ein Erstklässler hat sich bei der Evakuierung doch schwerer verletzt als zunächst angenommen: Schlüsselbeinbruch. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Am Tag nach dem Deckeneinsturz der Grundschulturnhalle in Gerolstein wird zwar wieder unterrichtet, Alltag will aber noch nicht so recht einkehren. Zu tief sitzen bei der Lehrerschaft und den Schülern noch die Erlebnisse des Vortages. Schulleiter Stefan Gerber berief daher eine Schulversammlung ein, um das Erlebte nochmal gemeinsam aufzuarbeiten. Auch eine Sozialarbeiterin und eine Schulpsychologin stehen bereit und führen Gespräche in den Klassen.

Gegenüber dem TV sagt Gerber im Anschluss: „Wir haben nochmals über den gesamten Vorfall informiert und auch besonders das Verhalten der Einsatzkräfte, der Kolleginnen und auch der Schüler gelobt, die alle besonnen reagiert haben.“ Zu einem Gespräch mit dem TV sind die fünf Lehrerinnen, die die rund 70 Erst- und 20 Viertklässler zügig aus der einsturzgefährdeten Halle gebracht haben, am Tag nach dem Vorfall noch nicht bereit.

Schulleiter Gerber, der mit ihnen am Vormittag nochmals gesondert gesprochen hatte, erklärt: „Die Kolleginnen wollen das erst einmal intern aufarbeiten. Und ich habe gespürt: Gestern waren sie alle noch sehr taff und haben das ganz toll gemacht. Doch bereits am Nachmittag und heute Morgen habe ich dann schon gemerkt, dass bei ihnen jetzt die Nerven durchkommen. Einige haben auch geweint – was auch verständlich ist. Den meisten ist erst jetzt richtig bewusst geworden, was alles hätte passieren können.“

Bei dem Einsturz der Hallendecke auf einer Fläche von rund zehn Quadratmetern ist zwar keines der 90 Kinder verletzt worden, beim Evakuieren aus der Halle sind aber zwei Kinder gestürzt. Anders als gestern bekannt und von der Polizei vermeldet, hat sich ein Kind dabei aber doch schwerer verletzt als zunächst vermutet. Wie Schulleiter Gerber nun mitteilt, hat sich der Erstklässler bei einem Sturz das Schlüsselbein gebrochen. Der Viertklässler erlitt leichte Schürfwunden.

Während in der Schule noch über den Deckeneinsturz gesprochen wird, wird in der Halle kräftig Hand angelegt. Hausmeister Helmut Dahm, der bereits seit 24 Jahren in der Grundschule Dienst tut und in einem halben Jahr in Ruhestand geht, räumt mit Unterstützung von Kollegen Sportgeräte und sonstiges Mobiliar aus der Halle, damit es trocknen kann. Er sagt: „Gottseidank ist keines der Kinder von den herabgestürzten Teilen getroffen worden.“

Im abgetrennten Bereich, in dem die Deckenteile heruntergekracht sind, machen sich bereits am Morgen nach dem Unglück Arbeiter daran, ein Gerüst aufzubauen, damit das Dach zumindest provisorisch geschlossen werden kann. Für den Vormittag hat sich auch ein Gutachter angekündigt, der die genaue Unfallursache klären will. Es wird davon ausgegangen, dass die Wassermassen der vergangenen Tage, die sich auf dem Flachdach der 1979 erbauten Halle gesammelt haben, zum Einsturz geführt haben. Wie und weshalb genau, soll nun geklärt werden.

Noch unklar ist allerdings, wo die Grundschulklassen nun ihren Sportunterricht machen und wo sowohl die Abschlussfeier für die Viertklässler als auch die Einschulungsfeier für die neuen i-Dötzchen im August veranstaltet werden soll.