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Engel auf Rädern feiern Jubiläum

Seit 25 Jahren organisiert Eifellicht Hilfsgütertransporte nach Ost- und Mitteleuropa. Zum Jubiläum sind Abordnungen aus Rumänien, Russland und Polen in die Eifel eingeladen. Außen links der Vorsitzende Alfred Cornesse. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Seit 25 Jahren organisiert Eifellicht Hilfsgütertransporte nach Ost- und Mitteleuropa. Zum Jubiläum sind Abordnungen aus Rumänien, Russland und Polen in die Eifel eingeladen. Außen links der Vorsitzende Alfred Cornesse. TV-Foto: Vladi Nowakowski FOTO: Vladi Nowakowski (now) ("TV-Upload Nowakowski"
Gerolstein-Lissingen. Russland, Rumänien und Polen sind seit 25 Jahren Ziele der Hilfsgütertransporte, die von den Mitgliedern des Vereins Eifellicht organisiert und in Eigenregie durchgeführt werden. Am Sonntag feiert der Verein das Jubiläum mit vielen Gästen aus den Zielländern im Gemeindehaus Gerolstein-Lissingen. Vladi Nowakowski

"Niemand hat 1991 bei der Gründung des Vereins geahnt, welche Ausmaße der dringende Wunsch zu helfen annehmen kann", sagt Alfred Cornesse, seit zehn Jahren der Vorsitzende der Eifellichter. "Es ist einfach ein Selbstläufer geworden." Nach dem Fall der Mauer und der Wende seien einige Eifeler, die Mitglieder in privaten Hilfsorganisationen waren, im russischen Smolensk tätig gewesen. Die Not der Menschen vor Ort habe damals den Anstoß dazu gegeben, zu Hause in der Eifel einen Verein zu gründen, der möglichst unbürokratisch und gezielt Hilfe leisten sollte, erinnert sich Cornesse. "Und zwar eine Hilfe, die auch ankommt."
So sei die Idee entstanden, Hilfsgüter aller Art, wie Lebensmittel, medizinisch-technische Geräte oder Bekleidung und Medikamente nicht nur zu sammeln, sondern auch in Eigenregie zu den Bedürftigen in Kinder- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Seniorenheimen in Smolensk zu transportieren.

"Die Menschen dort lebten unter unwürdigen Bedingungen und waren sich selbst überlassen", erzählt Cornesse, Eigentümer eines Transportunternehmens. Da einige der aktuell rund 270 Mitglieder des Vereins in der selben Branche tätig waren oder noch sind, wurde nicht lange gefackelt: am 5. Juli 1991 macht sich der erste der bis heute insgesamt 28 Hilfsgütertransporte auf den Weg - damals noch ein Kleintransporter, der bis unters Dach mit Medikamenten und Verbandsmaterial beladen ist.

Doch schon bald rollen die Lastkraftwagen in Richtung Osteuropa und bringen die dringend benötigten Waren, die von den Eifellichtern in zehntausenden ehrenamtlichen Stunden eingesammelt, verpackt und verladen wurden. "In den vergangenen 25 Jahren sind auf diese Art über 1500 Tonnen Hilfsgüter bei den Einrichtungen angekommen, mit denen wir in Kontakt stehen", sagt Cornesse. "Dabei haben wir weit mehr als eine halbe Million Kilometer zurückgelegt."

Abenteuerlich sei es oft zugegangen, sagt Ewald Hoffmann, der bei insgesamt elf der Transporte als Fahrer dabei war. In der Jubiläumschronik haben die Eifellichter die Vorfälle zusammengetragen, die sie auf ihren Reisen zu bewältigen hatten. Von Getriebeschäden an den LKW, Schikanen an den Grenzen, die sich nur mithilfe von Schmiergeldern lösen ließen, Diebstahl und unfassbar schlechten Straßen wird berichtet - von tagelangen Fahrten in unerträglicher Hitze und von im Schnee festgefahrenen LKW. "Nach 23 Hilfsgütertransporten in den Raum um Smolensk mussten wir die Fahrten leider einstellen", sagt Alfred Cornesse.

Die Schikanen an der lettisch-russischen Grenze führten beim letzten Transport zu Wartezeiten von 72 Stunden bei der Hinfahrt, es musste eine "Bearbeitungsgebühr" von 3000 Euro gezahlt werden. "Das kann kein Ehrenamtlicher mehr leisten", sagt der Vorsitzende. Im Jahre 2013 musste Eifellicht nicht allzuweit fahren, um zu helfen: Vollbeladen mit Renovierungsmaterial im Wert von rund 36 000 Euro fuhren zwei LKW unmittelbar nach dem Elbe-Hochwasser in Sachsen-Anhalt in die von der Flut stark betroffene Region Stendal. Mit Gästen aus Polen, Russland und Litauen feiert der Verein, der in den 25 Jahren seines Bestehens auch an die einhundert Musik- und Theaterveranstaltungen gestemmt hat, um aus den Einnahmen die Hilfsaktionen zu finanzieren, am Sonntag im Gemeindehaus Lissingen das Jubiläum.