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Es läuft und läuft und läuft

In der Gruppenkläranlage wird das Abwasser gereinigt. 45 Prozent des Strombedarfs werden vor Ort im Blockheizkraftwerk erzeugt. Foto: Verbandsgemeinde Gerolstein
In der Gruppenkläranlage wird das Abwasser gereinigt. 45 Prozent des Strombedarfs werden vor Ort im Blockheizkraftwerk erzeugt. Foto: Verbandsgemeinde Gerolstein
Gerolstein-Lissingen. Positive Bilanz einer innovativen Investition: Vor zwölf Jahren ist in der Kläranlage Lissingen kreisweit das erste Blockheizkraftwerk installiert worden. Kostenpunkt: umgerechnet 145 000 Euro. Nachdem es bereits 130 000 Euro Strom- und Heizkosten eingespart hat, wird es nun für 36 000 Euro generalsaniert. Und soll weitere zehn Jahre laufen. Mario Hübner

Gerolstein-Lissingen. Es ist ein Dauerläufer: Das Blockheizkraftwerk (BHKW) der Gruppenkläranlage in Lissingen, das 145 000 Euro gekostet hat, ist seit Ende 1999 in Betrieb. Seither hat es 63 000 Betriebsstunden geleistet und durch Strom- und Wärmeerzeugung Kosten von 130 000 Euro eingespart. Wolfgang Bohr, Leiter der Werke der Verbandsgemeinde Gerolstein, sagt: "Umgerechnet auf die Laufleistung für einen LKW entspricht das rund drei Millionen Kilometern. Und die Maschine läuft noch weiter."
Sechs Wochen Stillstand


Dennoch ist laut Bohr die Betriebssicherheit nicht mehr hundertprozentig gegeben. Er sagt: "Da der Kompressionsdruck nachlässt und der Ölverbrauch steigt, ist eine Grundüberholung der Maschine erforderlich."
Die Generalüberholung kostet laut Angebot des Anlagenherstellers knapp 36 000 Euro. Zum Vergleich: Eine Neuanschaffung würde laut Bohr mit rund 175 000 Euro zu Buche schlagen. Bohr sagt daher: "Wir halten das Angebot für angemessen und wirtschaftlich sinnvoll, da die Anlage dann in einem fast neuwertigen Zustand ist. Zehn weitere Jahre sollte sie dann schon laufen."
Wegen der Generalsanierung sowie des Ein- und Ausbaus wird mit einem Stillstand von rund sechs Wochen gerechnet. Bohr sagt: "In dieser Zeit läuft die Kläranlage aber problemlos weiter. Nur das Faulgas muss in dieser Zeit eben wieder abgefackelt werden. Wie früher."
Die Sanierung soll noch in diesem Frühjahr vonstatten gehen.
Bohr erinnert sich zurück: "Als die Kläranlage umgebaut wurde, waren wir uns im Werksausschuss zwar rasch einig, dass wir allein aus ökologischen Gründen den Versuch mit dem Blockheizkraftwerk wagen sollten. Es war aber fraglich, ob sich die Investition auch lohnt. Die Praxis hat uns dann aber alle sehr positiv überrascht."
Regelmäßige Pflege



Dass die Maschine schon so lange so gut läuft, bringt der Werkleiter auch mit der guten Pflege und regelmäßigen Wartung durch seine Mitarbeiter in Verbindung.
Allen voran kümmert sich Wilfred Backes, stellvertretender Leiter der Kläranlage Lissingen, um das BHKW. Er sagt: "Anfangs haben sich Monteure der Herstellerfirma um Wartung und Reparatur der Anlage gekümmert. Irgendwann habe ich gesagt: Was die machen, kann ich auch. Das kriegen wir kostengünstiger hin."
Gesagt, getan. Seither füllt er das Öl nach, wechselt es, stellt die Ventile ein. Kurzum: Es sorgt dafür, dass die Maschine läuft und Strom sowie Wärme produziert.
Und obwohl er schon so lange mit dem kleinen technischen Wunderwerk zu tun hat und es auch immer mal wieder Thema unter den Kollegen ist: Einen Spitznamen hat es nicht. Es ist schlicht das BHKW. Backes sagt: "Hm, daran habe ich noch nie gedacht."

Extra

So funktioniert ein Blockheizkraftwerk (BHKW): Das bei der Faulung des Klärschlamms im Klärturm gewonnene Gas (Methan) treibt einen Motor an. Der sorgt wie in einem Dynamo für eine Drehbewegung in einem Magnetfeld und produziert so Strom. Dieser wird nicht ins Netz eingespeist, sondern direkt in der Kläranlage verbraucht. Von den zurzeit für den Betrieb der Kläranlage benötigten 390 000 Kilowattstunden Strom im Jahr produziert das BHKW 175 000 Kilowattstunden. Das entspricht 45 Prozent. Vor allem für die Sauerstoffzufuhr des Belüftungsbeckens, die Pumpen und sonstige elektrische Geräte wird Strom benötigt. Darüber hinaus deckt das BHKW fast 100 Prozent des Wärmebedarfs der Kläranlage: für das Betriebsgebäude und für die Beheizung des Faulturms auf konstant 36 Grad Celsius. mhExtra

Die Investitionen der Verbandsgemeindewerke ins jeweils rund 250 Kilometer lange Kanal- und Wasserleitungsnetz beschränken sich sowohl 2012 als auch in den folgenden Jahren überwiegend auf Sanierungen. Werkleiter Wolfgang Bohr sagt: "Unsere Erstausstattung haben wir 2010 abgeschlossen: Somit sind alle Haushalte ans Wasserleitungsnetz und mehr als 98 Prozent ans Kanalnetz angeschlossen. Daher geht es künftig nur noch um Instandsetzungen und das ein oder andere Neubaugebiet wie jetzt in Büsch eich." Dort wird im ersten Bauabschnitt für 120 000 Euro ein Kanal- und Wasserleitungsnetz gebaut. Bei den knapp zwei Prozent, die im Gerolsteiner Land noch nicht ans Kanalnetz angeschlossen sind, handelt es sich laut Aussage des Werkleiters um rund 50 Einzelgehöfte im Außenbereich. Da ein Anschluss ans Kanalnetz wegen der langen Leitungen aus Sicht der Werke unwirtschaftlich ist, sollen für diese nach und nach kleine Pflanzenkläranlagen gebaut werden. Das Anlagevermögen der Verbandsgemeindewerke Gerolstein liegt beim Wasserleitungsnetz bei 15 Millionen Euro, beim Kanalsystem bei 40 Millionen Euro. mh