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Es war einmal eine Dorfschmiede ...

Johann Gödert, Ludwig Haubrich und Markus Theis (von links) sowie weitere Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Hedelischgippcha Greverath kümmern sich um das neue Schmiedemuseum.
Johann Gödert, Ludwig Haubrich und Markus Theis (von links) sowie weitere Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Hedelischgippcha Greverath kümmern sich um das neue Schmiedemuseum. FOTO: Winfried Simon
Niersbach-Greverath. In vielen Dörfern der Eifel gab es früher eine Schmiede - auch in dem kleinen Ort Greverath, der zur Gemeinde Niersbach gehört. Der Heimat- und Verkehrsverein will die alte Schmiede als Museum für spätere Generationen erhalten. Winfried Simon

Niersbach-Greverath. Johann Gödert kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als der Schmied und Hufbeschlagmeister Johann Huberty in seiner Werkstatt stand, das Feuer schürte und glühende Eisen mit dem schweren Hammer bearbeitete. "Der war immer ganz ruhig und gut gelaunt, sonst hätte er das alles gar nicht fertiggebracht", sagt der 77-jährige ehemalige Landwirt.
Von 1950 bis 1975 betrieb Johann Huberty in Greverath die kleine Schmiede, er schärfte Pflüge, spitzte Eggen, fertigte Eisenketten an und er beschlug Pferde sowie Kühe, die einen Wagen ziehen mussten, mit neuen Hufeisen. Wenn der Schmied unüberhörbar im Dorf seinem schweren Handwerk nachging, traf man sich beim Johann, hielt ein Schwätzchen und tauschte Neuigkeiten aus.
In den 1950er und 1960er Jahren wurden die Arbeitspferde von Traktoren abgelöst - für viele der kleinen Dorfschmieden bedeutete dies das Ende.
Die Greverather Dorfschmiede, ein kleines hübsches Häuschen mitten im Ort, wird nun als Museum eingerichtet. Die Gemeinde Niersbach kaufte im Jahr 2010 das Haus und sanierte es. Einen wesentlichen Teil der Kosten finanzierte die Stiftung Niersbach-Greverath. Die Gemeinde verkaufte vor über zehn Jahren für 550 000 Euro die Kiesabbaurechte an ein Unternehmen und gründete eine Stiftung. Aus den Zinseinnahmen werden unter anderem Dorferneuerungsprojekte gefördert.
Der Heimat- und Verkehrsverein "Hedelischgippscha Greverath" - 46 Bürger aus dem 160-Einwohner-Ortsteil sind Mitglied - kümmert sich jetzt um die Einrichtung des Museums. Die meisten Gerätschaften wie Zangen, Hämmer, Amboss, Werkbank, eine handbetriebene Bohrmaschine, stammen noch von Schmied Johann Huberty, erklärt Vereinsvorsitzender und erster Beigeordneter der Gemeinde Niersbach, Ludwig Haubrich.
Das Schmiedefeuer mit dem Sandsteintrog zum Kühlen des Eisens befindet sich rechts vom Eingang.
Unter dem Dach der Schmiede gibt es noch einen Raum, den der Verein als kleines Heimatmuseum einrichten wird. Der Verein will demnächst eine Holztreppe bauen, damit man von der Schmiede in den oberen Bereich gelangen kann.
Das Haus liegt unmittelbar am Eifelsteig. Ebenfalls direkt am Eifelsteig, rund 150 Meter von der Schmiede entfernt, hat der Heimat- und Verkehrsverein aus Sandsteinen eine kleine Wassertretanlage mit Sitzbänken gebaut. Dort können sich die vielen Wanderfreunde die Füße kühlen und sich ausruhen.
Extra

Hedelischgippscha nennt sich der 1987 gegründete Heimat- und Verkehrsverein Greverath. Den Namen hat der Verein von den Garben des Buchweizens, die früher nach dem Mähen zu kleinen Kasten aufgestellt wurden. Buchweizen heißt in Eifeler Mundart "Hedelisch", ein Gippschen ist umgangssprachlich der kleine Kasten. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die örtlichen kulturellen Bräuche zu pflegen und weiterzuführen, damit sie nicht vergessen werden. simExtra

Beim Schmieden wird Eisen geformt. Dafür muss es glühend heiß gemacht werden. Mehr als 1200 Grad muss die Temperatur des Schmiedefeuers betragen, damit das stahlharte Werkstück zum Glühen gebracht und weich wird. Dann hält der Schmied das glühende Eisen auf seinen Amboss, einen gewaltigen Metallblock, und formt es durch Hammerschläge oder biegt es mit Zangen. Danach wird das Werkstück in kaltes Wasser getaucht, um es abkühlen und wieder aushärten zu lassen. sim