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Gänsehaut im Spukhaus

Bei der literarischen Gruselnacht in Kerpen waren auch die Autoren nicht vor Gespenstern gefeit. Schriftsteller Ralf Kramp wurde vom Kettenmann Rainer Laufeld bedrängt und umzingelt von "düsteren Gestalten" wie (von links) Michaela Müller, Hermann-Josef Niebrügge und Heidi Te Baay. Foto: Gabi Vogelsberg
Bei der literarischen Gruselnacht in Kerpen waren auch die Autoren nicht vor Gespenstern gefeit. Schriftsteller Ralf Kramp wurde vom Kettenmann Rainer Laufeld bedrängt und umzingelt von "düsteren Gestalten" wie (von links) Michaela Müller, Hermann-Josef Niebrügge und Heidi Te Baay. Foto: Gabi Vogelsberg
KERPEN. (vog) "Abendgrauen" – die lange Gruselnacht in Kerpen zieht immer weitere Kreise. Viele der 200 Gäste sind hundert Kilometer und mehr angereist, um die "Eifeler Horror Geschichten" der fünf Autoren zu hören. Das Ambiente ist durchweg als einzigartig bezeichnet worden.

"Hier ist eine super Stimmung", bilanzierte Sabine Kroll aus Oelde. Ihre vierköpfige Riege sei eigens aus dem Münsterland angereist, mit zwei weiteren Bekannten aus dem Kreis Borken im Schlepptau. Das Sextett suchte nach den Lesungen in der Alten Mühle und auf der Burg die alte Schmiede im Kerpener Ortskern. Kroll meinte: "Ralf Kramp ist der beste Erzähler, direkt danach kommt Manfred Lang." Kaum ausgesprochen, zuckte die junge Frau zusammen. Lautlos hatte sich ein Gespenst angeschlichen und klopfte ihr auf die Schulter. Just im gleichen Moment kam der Sensenmann hoch zu Ross um die Ecke geritten. Die Dunkelheit der Nacht und die Schatten der Laternen rundeten das gespenstische Szenario ab. Birgit Wolgarten aus Troisdorf meinte: "Alles ist wunderbar inszeniert." Schriftstellerin Carola Clasen baute Schreckensbilder in einem Ehedrama auf der Burg Reiferscheid, Michael Siefener zwischen einem Mönch der Niederburg Manderscheid und einer Hexe sowie Autor Carsten Sebastian Henn während der Entführung einer Schulklasse auf. Während der Lesungen gaben die Gruselgestalten ihr Bestes. Da ein grellender Schrei von der Stiege aus, dort Kettengerassel und ein heftiger Schlag gegen die Fensterläden - jeweils völlig unerwartet. Auf die Schreckmomente folgte erleichtertes Gelächter der Zuhörer. Carlo Wolgarten meinte: "Die haben es drauf. Man zuckt zusammen, obwohl man es nicht will." Auch einer fünfköpfigen Riege aus Hillesheim gefiel die literarische Gruselnacht. Thomas van Nerven sagte: "Wir sind zum ersten Mal da, aber bestimmt nicht zum letzten Mal." Beschriftete Grabmäler

Einige Besucher monierten allerdings, dass einige der vier Lese-Stätten zu klein waren, um alle Zuhörer aufzunehmen. Organisatorin Monika Kramp von der Buchhandlung Lesezeichen erklärte: "Wir planen akribisch und verkaufen nicht mehr Karten als Sitzplätze da sind. Leider wechseln einige Gruppen nicht die Orte, sondern lassen die Autoren an sich vorbeiziehen." Herlinde Siegmund aus Bornheim ließ das Gemurre um die Plätze kalt. Sie wartete derweil auf die nächste Runde vor dem angeblichen Spukhaus "A Widuasch". Anwohner Paul Frings gesellte sich auf einen Plausch zu ihr und erzählte: "Da soll es tatsächlich gespukt haben. Meine Mutter hatte auch als Schulmädchen gesehen, wie ein Feuereisen aus dem Kohlekasten in die Wanduhr geflogen war. Das hat sie immer wieder beteuert." Alles andere als liebevolle Beteuerungen hatten einige Hinterbliebene ihren Verstorbenen aufs Grabmal geschrieben. "Wirklich schräge Inschriften von Grabsteinen" boten die fünf Autoren als Mitternachtsspektakel auf dem Burghof.