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Geschichte
Erinnerung an Nazi-Opfer in Gerolstein in Stein und auf Bronze

 Marcelle Dorr starb am 19. November 1943 als politischer Häftling im Gerolsteiner Krankenhaus und wurde wenige Tage später auf dem Sarresdorfer Friedhof beerdigt. Auf dem Foto ist eine Mitgefangene, die Luxemburgerin Anna Wagner, zu sehen, die das Grab besuchte.
Marcelle Dorr starb am 19. November 1943 als politischer Häftling im Gerolsteiner Krankenhaus und wurde wenige Tage später auf dem Sarresdorfer Friedhof beerdigt. Auf dem Foto ist eine Mitgefangene, die Luxemburgerin Anna Wagner, zu sehen, die das Grab besuchte. FOTO: TV / Thea Merkelbach
Gerolstein/Pelm/Oberbettingen. Ein Arbeitskreis ruft zu Spenden für Gedenktafeln an die in Gerolstein verstorbene französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr und die weiteren 64 ausländischen Toten während des Dritten Reichs auf. Von Brigitte Bettscheider

(bb) „Marcelle ist tot, die Erinnerung lebt“: Unter dieser Überschrift hatte der Trierische Volksfreund Ende November 2017 über die Recherchen des Pelmer Chronisten-Ehepaares Thea und Wolfgang Merkelbach berichtet.

Bei Marcelle handelt es sich um die französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr, deren Lebensweg die Merkelbachs nachzeichneten – von ihrer Geburt am 2. März 1903 in Crémieu (bei Lyon) bis zu ihrem Tod als politischer Häftling im Gerolsteiner Krankenhaus am 19. November 1943, ihrer Beerdigung auf dem Sarresdorfer Friedhof vier Tage später und ihrer Umbettung in das Familiengrab in Nancy im September 1948.

  Marcelle Dorr hatte 1940/41 in Nancy mehr als tausend geflohenen Gefangenen zur Flucht ins freie Frankreich verholfen. Sie wurde verraten, verhaftet, zunächst von einem deutschen Feldgericht zum Tod verurteilt, dann zu lebenslanger Haft begnadigt und in Gefängnissen in Nancy, Saarbrücken und Köln sowie im Frauenstraflager in Flußbach bei Wittlich eingesperrt.

Schließlich bildeten die Flußbacher Außenkommandos Gillenfeld und Gerolstein die Endstationen in Marcelle Dorrs Leben. Im Lager in Gerolstein erkrankte sie schwer und starb nach einem dreimonatigen Aufenthalt im dortigen Krankenhaus.

Laut Zeitzeugen von damals hatte die als kontaktfreudig und hilfsbereit geschilderte Marcelle Dorr im Krankenhaus Freundschaft und Menschlichkeit verbreitet und erfahren. Die Beerdigung durch Dechant Molter erfolgte gegen den Willen der Nazi-Führung im Beisein von französischen Gefangenen und der evangelischen Küsterin Schwester Edmee auf  dem Sarresdorfer Friedhof.

  In ihrem Geburtsort Crémieu erinnert eine Gedenktafel an Marcelle Dorr. Darauf steht: „Ihr Mut und ihre vaterländische Treue sollen allen ein Beispiel sein.“ Nach ihrem Tod war sie mit mehreren Ehrentiteln ausgezeichnet worden. Dass sie auch in Gerolstein nicht vergessen wird – auch nicht die 64 namentlich bekannten Zwangsarbeiter und politischen Kriegsgefangenen, die hier verstorben sind, ist das Anliegen eines Arbeitskreises, dessen Ansprechpartnerinnen Thea Merkelbach (Pelm) und Mireille Vit (Oberbettingen) sind. Sie rufen zu Geldspenden auf für eine Bronzetafel auf einem Gedenkstein für Marcelle Dorr sowie für eine Infotafel, die an die weiteren ausländischen Kriegstoten erinnert. Der Stein und die Tafeln sollen an der Mauer des Sarresdorfer Friedhofs aufgestellt beziehungsweise befestigt werden – dort, wo sich ihre Gräber bis zur Umbettung in die Heimat befanden.

Spenden werden erbeten auf eines der Konten der Verbandsgemeinde Gerolstein unter dem Stichwort „Gedenkstein Marcelle Dorr/Stadt Gerolstein“: IBAN: DE42  5866 0101 0008 002377 oder DE73 5865 1240 0001 0113 37. Steuerlich absetzbare Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.