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Gerolstein pocht auf Vorkaufsrecht

Die Stadt Gerolstein will ihr Vorkaufsrecht für das Postgebäude samt Durchfahrtsstraße ausüben, für das ein Eletrohändler aus der Eifel einen Vorvertrag besitzt. Sie will so sicherstellen, auch künftig an das dahinter liegende Areal zu gelangen. Heute Abend entscheidet der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung. Von unserem Redakteur Mario Hübner

Gerolstein. Die Richtung scheint vorgegeben. Heute Abend wird der Stadtrat (im nichtöffentlichen Teil) vermutlich zu einem seiner mächtigsten Instrumente greifen, um die Stadtentwicklung in seinem Sinn voranzutreiben: dem Vorkaufsrecht. Das ist in Paragraf 24 des Baugesetzbuches verankert. Es besagt, dass eine Gemeinde beim Kauf von Grundstücken unter bestimmten Bedingungen zuerst zum Zuge kommen muss - unter anderem im städtebaulichen Entwicklungsgebiet und bei Flächen, für die eine Nutzung für öffentliche Zwecke festgelegt ist.

Konkret geht es um das Postgebäude, beziehungsweise das dahinter liegende Areal. Dahin gelangt man nur über die Durchfahrtsstraße zwischen Postgebäude und Kyll.

Die Stadt will die Straße rechts neben dem Gebäude übernehmen und als öffentlichen Weg deklarieren, damit das Gelände dahinter erschlossen wird. "Alles andere wäre zu heikel. Das Durchfahrtsrecht, das momentan gilt, reicht uns nicht aus. Wer weiß, was künftig passiert", sagte Stadtbürgermeister Bernd May.

Die Mehrheit des Bauausschusses sah das genauso und beschloss daher (ebenfalls in nichtöffentlicher Sitzung), vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Da es sich dabei um einen Empfehlungsbeschluss handelte, liegt das letzte Wort beim Stadtrat.

Interesse am Postgebäude hat die Stadt eigentlich nicht. In Maklerkreisen wird das Postgebäude samt dazugehörigem Grundstück von rund 2000 Quadratmetern mit rund 400 000 Euro bewertet.

Das Augenmerk der Stadt liegt ausschließlich auf der Straße. Aber die wollte der Fast-Eigentümer, der Eletrohändler Armin Gillenkirch aus Rommersheim, der in Gerolstein eine Filiale eröffnen wollte, nicht verkaufen. Er hatte bereits vor geraumer Zeit gesagt: "Jahrelang hätte die Stadt das Gebäude kaufen können, hat es aber nicht gemacht.

Jetzt, wo es ein Privater erworben hat und etwas aufbauen will, kommt sie mit ihrem Vorkaufsrecht." Stadtbürgermeister May argumentierte so: "Das Areal hinter dem Gebäude muss erreichbar bleiben." Es handelt sich um einem rund 6000 Quadratmeter großen Bereich, der dem Gerolsteiner Brunnen gehört.

Die Stadt hat bereits zweierlei Pläne: Erstens sollen dort Park&Ride-Parkplätze für Bahnreisende angelegt werden, zweitens soll von dort das Brunnengelände auf der anderen Kyllseite per Fußgängerbrücke über die Kyll erschlossen werden. Das wird bis 2013 vom Gerolsteiner Brunnen geräumt.

Es gibt bereits Überlegungen, dort ein Museum zu installieren sowie Gastronomie und Spielmöglichkeiten an der Kyll zu schaffen. Für May ist daher der Kauf der Straße samt des Postgebäudes eine "wichtige stadtplanerische Entscheidung".