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Wirtschaft
„Konnten uns über viele Punkte nicht einigen“

 Zwei der sechs Gesellschafter steigen zum Monatsende aus Hotel Löwenstein aus. Grund ist ein Streit über Führung und Ausrichtung des Hauses.
Zwei der sechs Gesellschafter steigen zum Monatsende aus Hotel Löwenstein aus. Grund ist ein Streit über Führung und Ausrichtung des Hauses. FOTO: TV / Mario Hübner
Gerolstein. Gesellschafter erklärt Ausstieg aus Hotel Löwenstein. Unterschiedliche Auffassung über Führung und Ausrichtung des Hauses. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Bis Ende Februar soll der Ausstieg der beiden Gesellschafter Thomas Klever und Dieter Stolz aus dem Projekt Hotel Löwenstein notariell besiegelt sein. Das ließ der Gerolsteiner Thomas Klever den TV auf Anfrage wissen. Neben den jeweils 5000 Euro Gesellschafteranteilen geht es dabei auch um die Gesellschafterdarlehen der beiden Geldgeber.

Zur genauen Höhe des Invests wollte Klever nichts sagen, er meinte lediglich: „Dabei geht es um deutlich mehr Geld.“ Nach TV-Informationen handelt es sich alleine bei Dieter Stolz um 250 000 Euro. Doch auch der Rechtsbeistand der beiden Investoren, der Dauner Rechtsanwalt Albrecht Thielen, hält sich bezüglich der Gesamtsumme bedeckt.

Dafür legt Klever auf den Umstand Wert, dass ihnen Andreas Kießling, Teilhaber, Geschäftsführer und Initiator des Hotelprojekts, angeboten habe „unsere Gesellschaftsanteile in Verbindung mit den Gesellschafterdarlehen vollumfänglich zu übernehmen und ... auszuzahlen. Dieses Angebot haben wir dann angenommen – obwohl wir viel Arbeit und Zeit in die Verwirklichung des Projektes gesteckt haben“.

Auf die Frage, ob er nicht befürchtet, dass die Trennung für das noch junge Hotel existenzbedrohend sein könne, antwortete Klever: „Wenn er (Kießling, Anmerkung der Redaktion) anbietet, uns auszuzahlen, dann muss er das Geld ja auch haben.“ Auf jeden Fall gehe es nicht um eine Scheidung auf Raten, die sich lange hinziehe, sondern um eine „komplette Trennung. Alles andere macht ja keinen Sinn.“ Daher betont Klever, dem noch zwei Zimmer im Hotel gehören, auch: „Ich habe zugesagt, der Hotelgesellschaft die Zimmer zum marktüblichen Preis zu verkaufen, und dazu stehe ich auch.“

Grund für die Trennung war laut Klever, dass es „Unstimmigkeiten darüber gegeben hat, wie das Hotel geführt wird und wie die weitere Ausrichtung aussehen soll. Und über viele Punkte konnten wir uns nicht einigen“, berichtet der Banker. Konkreter wird er nicht, meint jedoch: „Wir als Mitgesellschafter sehen nach Rücksprache von Hotelexperten unter diesen Bedingungen keine Zukunft.“ Dennoch wünscht er dem Haus eine gute Zukunft, denn es könne zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für Gerolstein werden. Er sagt: „Wir hoffen, dass jetzt Ruhe einkehrt und das Hotel trotzdem Erfolg hat.“

Nicht verstehen kann er die Kritik von Geschäftsführer Kießling an Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz. Vielmehr sei „ohne dessen Unterstützung das Projekt nicht zu Stande gekommen“. Auch Bongartz selbst meint: „Mehr an Unterstützung geht gar nicht.“ Während der Insolvenz des Vorgängerhotels Calluna habe er „pro Woche zwei mal mit der Gläubigerbank gesprochen“ und den Beschluss auf Umnutzung des Hauses so lange es ging hinausgezögert, „denn ich wollte unbedingt an der Hotelidee festhalten“.

Denn: In der Stadt gab es auch Strömungen, das über Jahre leerstehende Haus für eine andere Nutzung freizumachen. Gerüchte über ein Bordell machten die Runde, und ein Gerolsteiner Investor versuchte intensiv, dort betreutes Wohnen anzubieten. Er scheiterte aber an der Blockade der Stadt (der TV berichtete mehrmals).

Dass es Stadtbürgermeister Bongartz nicht gelungen sei, die neuen Eigentümer von den Altlasten (aufgelaufene Grundsteuer, Müllgebühren etc.) in Höhe von insgesamt 75 000 Euro zu befreien oder zumindest einen Teilerlass auszuhandeln, gefalle ihm auch nicht. „Aber das hat die Kommunalaufsicht abgelehnt“, sagt Bongartz und betont: „Ich hoffe sehr, dass das Hotel bestehen bleibt und gut geführt wird, denn wir brauchen dort ein gutes Hotel.“