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Literatur
Gut verwahrt, niemals vergessen und nun veröffentlicht

Druckfrische Übergabe an Nikolaus Rätz (links): Tim Becker hat die Herausgabe des Buchs mit den Gedichten von Johann Rätz wissenschaftlich begleitet.
Druckfrische Übergabe an Nikolaus Rätz (links): Tim Becker hat die Herausgabe des Buchs mit den Gedichten von Johann Rätz wissenschaftlich begleitet. FOTO: Brigitte Bettscheider
Kerpen-Loogh/Daun. Der Landwirt Johann Rätz (1877 bis 1959) hat Gedichte geschrieben. Als „Schatz einzigartiger Eifeler Dichtkunst“ werden sie nun veröffentlicht.

Eine Erinnerung an den Vater Johann Rätz, der auf dem elterlichen Bauernhof in Leudersdorf am Küchentisch saß und Gedichte schrieb, hat Nikolaus Rätz nicht. „Er wird wohl nachts gedichtet haben“, meint er.

Doch dass es wegen des eigenen Interesses an allem Geschriebenen in der Familie oft geheißen habe, dass er nach seinem Vater komme, weiß Nikolaus Rätz noch gut. Und dass es literarische und religiöse Bücher im Elternhaus gab – „wie in einer Schatztruhe fest verschlossen und ungewöhnlich für einen armen Mann“, erzählt er.

Als Johann Rätz 1959 starb, nahm Nikolaus Rätz - Jüngster von acht Geschwistern und inzwischen nach Loogh verheiratet - die in feiner Handschrift verfassten Gedichte, Gedanken und Erzählungen an sich. Sie waren gut verwahrt, während der dreifache Familienvater als Landwirtschaftsmeister im eigenen Betrieb tätig war und auf der kommunalpolitischen Bühne stand, allein 30 Jahre als Ortsbürgermeister, und während er außerdem im Bauernverband, im Aufsichtsrat der Eifelperle, als Schöffe beim Landgericht Trier wirkte.

„Gut verwahrt, aber niemals vergessen“, sagt Nikolaus Rätz, der immer wieder mit dem Gedanken spielte, den literarischen Nachlass seines Vaters zu veröffentlichen, zumindest für die Familie und den Freundeskreis. Doch da waren ja im Ruhestand noch federführend die Loogher Chronik (2004) zu verfassen, seine Erfahrungen und Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend im Dritten Reich in dem Buch „Eine andere Sicht der Dinge“ (2010) niederzuschreiben und an dem Bildband „He jet ett nix se knipse“ (2015) mitzuwirken (der Trierische Volksfreund berichtete).

Ein glücklicher Umstand sei es gewesen, meint Nikolaus Rätz heute, dass ihn die ehemalige Bürgermeisterin Heike Bohn (Verbandsgemeinde Hillesheim) vor etwa zwei Jahren mit dem Inhaber des Dauner Eifelbildverlags, Sven Nieder, und dessen Lektor Tim Becker zusammenführte. „Ich war vom ersten Lesen an fasziniert und begeistert von der Qualität der Gedichte“, erklärt Becker dem TV mit Blick auf den philosophischen Tiefgang, die humanistische Haltung, den Pazifismus als Grundsatz und die große Heimat- und Naturverbundenheit in den Texten von Johann Rätz. Und meint: „Wenn man von Peter Zirbes als Eifeldichter spricht, sollte man Johann Rätz an seine Seite stellen.“

Was den heute 90-jährigen Nikolaus Rätz besonders bewegt, wenn er nun das druckfrische Buch mit einem Foto seines Vaters und dem Appell „Lass nie die Eifel dir verpönen“ (siehe Extra) auf der Titelseite und mit Hunderten von dessen Gedichten und Gedanken in die Hand nimmt? „Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Vater glücklich über die Veröffentlichung wäre“, sagt der „Benjamin“ von Johann Rätz.