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Gutachten: Nur gute Luft in Gerolstein

Von der Löwenburg aus hat man nicht nur einen Blick über die Dächer der Stadt – auch die Luft ist hier besonders rein. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner
Von der Löwenburg aus hat man nicht nur einen Blick über die Dächer der Stadt – auch die Luft ist hier besonders rein. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner
Gerolstein. Prädikat erneuert: Gerolstein darf sich auch die nächsten zehn Jahre Luftkurort nennen. Das hat eine Überprüfung der Luftqualität ergeben. Die Touristiker freut es. Mario Hübner

Gerolstein. Die Schilder sind heruntergekommen, und ob sich die Stadt neue leistet, ist angesichts der schlechten Finanzlage völlig unklar. Doch das Aussehen der Hinweistafeln steht im Gegensatz zur Qualität der Luft im "Luftkurort Gerolstein". Die ist so gut, dass sich die Brunnenstadt auch die nächsten zehn Jahre mit dem Prädikat schmücken und damit werben darf. Zwei repräsentative Standorte

Das hat eine Überprüfung der Luftqualität durch den Deutschen Wetterdienst ergeben. Gut ein Jahr lang (vom Juli 2012 bis zum August 2011) wurden Messungen auf der Löwenburg und in der Lissinger Straße vorgenommen. Diese beiden Orte wurden ausgewählt, um sowohl eine stark vom Verkehr frequentierte als auch eine schwach belastete Stelle zu untersuchen. Somit sollte laut Deutschem Wetterdienst die Luftqualität "im gesamten Aufenthaltsbereich der Kurgäste und Erholung suchender Urlauber erfasst werden".Seit Dezember 1976, also bereits 35 Jahre, ist Gerolstein staatlich anerkannter Luftkurort. Die Untersuchung samt Gutachten kostet die Stadt bis zu 11 000 Euro. Da die Schlussabrechnung noch nicht erfolgt ist, ist laut Verwaltung aber noch nicht klar, ob es auch so teuer werden wird.Werbung setzt auf ErholungswertFür Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) ist das gut angelegtes Geld. Er zeigt sich erfreut über das Ergebnis des Gutachtens und sagt: "Es ist für die Stadt Gerolstein wichtig, sich aus der Vielzahl der touristischen Anbieter in Mittelgebirgslagen durch das Prädikat Luftkurort hervorzuheben."In die gleiche Kerbe schlägt Hans-Peter Böffgen, Geschäftsführer der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land. Er sagt: "Wir freuen uns über das Prädikat Luftkurort sehr. Reine Luft, einwandfreie Trinkwasserqualität und eine gepflegte Landschaft bilden die Grundlage für naturnahe Erholung. Und gerade in diesem Bereich wirbt das Gerolsteiner Land mit vielfältigen Angeboten."So werde das Prädikat "Luftkurort" in Verbindung mit der Stadt Gerolstein regelmäßig in Werbetexten und Publikationen erwähnt, um den positiven Erholungswert der Region hervorzuheben und zu belegen.Der Touristiker Böffgen sagt aber auch: "Das Prädikat Luftkurort allein ist kein urlaubsauslösender Faktor, jedoch im Zusammenspiel mit dem touristischen Gesamtangebot der Stadt und der Region ein positiver Faktor."Extra

Folgende Ergebnisse hat die Untersuchung der Luftqualität in Gerolstein ergeben: Grobstaub (Abrieb Autoreifen, Abrieb Fahrbahn, Sandkörner, Partikel beim Heizen mit Holz und Kohle). Lissinger Straße: 10,9 Mikrogramm (ein Mikro gramm = ein tausendstel Milligramm) jeweils pro Kubikmeter Luft; erlaubt sind 28 Mikrogramm; Löwenburg: 6,4 Mikrogramm. Feinstaub (KFZ-Abgase, Ruß, Blütenpollen). Lissinger Straße: 11 Mikrogramm, erlaubt sind 20 Mikrogramm, Löwenburg: deutlich niedriger. Stickstoffdioxid. Lissinger Straße: 12 Mikrogramm (Grenzwert: 34 Mikrogramm), Löwenburg: 9 Mikrogramm (Grenzwert: 18 Mikrogramm). mh