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Hightech-Schmiede zieht aufs Dorf

Viel Spaß haben Premosys-Chef Matthias Kuhl (5.v.r.) und seine Helfer beim symbolischen Spatenstich für das neue Firmengebäude in Kalenborn-Scheuern. TV-Foto: Mario Hübner
Viel Spaß haben Premosys-Chef Matthias Kuhl (5.v.r.) und seine Helfer beim symbolischen Spatenstich für das neue Firmengebäude in Kalenborn-Scheuern. TV-Foto: Mario Hübner FOTO: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"
Kalenborn-Scheuern. Die Firma Premosys will im Juli kommenden Jahres vom Existenzgründerzentrum in Wiesbaum in ihren neuen Unternehmenssitz in Kalenborn-Scheuern umziehen. Dieser Tage war Spatenstich für das Zwei-Millionen-Euro-Projekt.

Kalenborn-Scheuern. Am Ende seiner Rede, in der er den von Höhen und auch existenzgefährdenden Tiefen charakterisierten Werdegang seiner Firma skizzierte, wurde Premosys-Firmenchef Matthias Kuhl noch mal kurz bewusst, wie viele Belastungen und Entbehrungen seine Familie und er in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten haben schultern müssen. Und welch wegweisenden und positiven Einschnitt der Firmenneubau und Umzug in ihre Heimatgemeinde letztlich bedeutet. Plötzlich übermannt von seinen Gefühlen rang Tüftler und Macher Kuhl, der in seinem Arbeitsleben ansonsten auf Fragen immer eine Antwort parat hat, mit den Worten: "Ich danke meiner Familie. Ohne sie wäre das hier alles nicht möglich gewesen."
Premosys hat sich von einer kleinen Tüftler-Schmiede zu einem der weltweit führenden Anbieter für Farberkennungssysteme entwickelt. Die werden vor allem in der Automobil- und Lebensmittelindustrie benötigt, denn Verbraucher wollen auf Displays exakt den gleichen Blauton und Nudeln in stets dem gleichen Gelb haben. Das kann Premosys und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet (der TV berichtete).
Auf der grünen Wiese am Ortsrand von Kalenborn-Scheuern - rund 300 Meter vom Wohnhaus der Kuhls entfernt - soll in den kommenden neun Monaten ein moderner zweigeschossiger, durch eine Fotovoltaikanlage weitgehend energieautarker Neubau entstehen. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Die Aufträge dafür gehen laut Kuhl "mindestens zu zwei Dritteln" an Firmen in der Region.
Auf den 1300 Quadratmetern Nutzfläche finden deutlich mehr als die derzeit 13 Beschäftigten Platz. Ziel sei es schließlich, mittelfristig die Belegschaft zu verdoppeln. "Mit dem Neubau wollen wir nicht nur unsere Arbeits- und Produktionsbedingungen verbessern, sondern auch ein Zeichen für junge Leute setzen: dass es auch auf dem Land hoch qualifizierte Jobs gibt. Wir hoffen, damit den ein oder anderen dazu zu bewegen, in der Region zu bleiben", sagt der Firmenchef.
Gerade dieser Punkt ist es auch, der die regionalen Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitiker beeindruckt. Stellvertretend für alle sagte Landrat Heinz-Peter Thiel: "Sie könnten dank ihres Know-Hows ihren Job überall machen. Aber sie tun es in der Heimat. Bravo! Dafür sind wir dankbar, darauf sind wir stolz." Und er versprach Kuhl auf dessen Bitte: "Wir kümmern uns um das Breitbandthema." Schließlich ist für eine weltweit agierende Firma eine schnelle Datenautobahn existenziell.
Lothar Streicher, Ortsbürgermeister von Kalenborn-Scheuern, kam angesichts der Entscheidung aus dem Grinsen gar nicht mehr raus: "Wunderbar, besser geht es nicht. Welches Dorf hat sonst schon eine Hightech-Schmiede. Es kann so viel Positives nach sich ziehen." Das fängt bei Jobs (auch für junge Menschen) an, führt weiter über Wohnraumbedarf für Mitarbeiter bis hin zu einer tollen Werbung fürs Dorf. mh