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Interview
Heike Bohn schließt Rückkehr nicht aus

Heike Bohn, Buergermeisterin Verbandsgemeinde Hillesheim. TV-Foto: Klaus Kimmling
Heike Bohn, Buergermeisterin Verbandsgemeinde Hillesheim. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling / TV
Gerolstein. Nach 14 Jahren im Amt hat Hillesheims Bürgermeisterin Heike Bohn (50/parteilos) angekündigt, mit Ende ihrer Amtszeit Ende 2017 abzutreten und den Posten der Beauftragten für die VG Hillesheim nicht anzunehmen. Im TV-Interview legt sie ihre Gründe dar, lehnt aber eine Kandidatur um das künftige Bürgermeisteramt der neuen VG nicht kategorisch ab. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Heute ist nach 14 Jahren die letzte Sitzung des Verbandsgemeinderats Hillesheim (ab 17 Uhr im Rathaus) unter ihrer Leitung. Wehmut?

Heike Bohn: Schon. 14 Jahre sind ja nicht nichts. Und natürlich ist das Thema für mich auch ein emotionales.

Was hat konkret den Ausschlag für ihre Entscheidung gegeben?

Bohn: Ich entscheide gerne selbst und mag es nicht, wenn über mich entschieden wird. Ich hätte das eine Jahr gerne weitergemacht, aber mit den Rahmenbedingungen konnte ich mich nicht anfreunden. Landrat Thiel habe ich gesagt, dass ich als Beauftragte zur Verfügung stehe, und auch unser Personalrat hat diesen Wunsch an ihn herangetragen. Er hat mir schriftlich geantwortet, dass ich eventuell in die Überlegungen einbezogen werde. Ich will aber nicht darauf warten, dass irgendjemand irgendwann entscheidet. Wir haben bereits Nikolaus hinter uns und in keiner der drei VG-Verwaltungen weiß man bis jetzt, wie es ab 1. Januar 2018 weitergeht. Eine solche Handlungsweise kann ich nicht guten Gewissens unterstützen, das muss doch früher geklärt sein.

Der Landrat hat zur Bedingung gemacht, dass Sie sich aktiv in den Ortsgemeinderäten für die freiwillige Fusion einsetzen, somit den Beschluss Ihres VG-Rats auch dort umsetzen und Ihr eigenes Votum gegen die Fusion hintanstellen. Das ist doch Ihre Pflicht!

Heike Bohn: Natürlich muss ich den Beschluss des VG-Rats umsetzen. Das heißt aber nicht, dass ich selbstständige Ortsgemeinden, Ortsbürgermeister und Gemeinderäte überreden muss. Ich muss auch meine Meinung kommunizieren dürfen. Fakt ist auch: Selbst wenn einstimmig für die Fusion abgestimmt wurde, alle haben mit Bauchweh abgestimmt, Euphorie herrscht nirgends.

Sie und auch Stadtbürgermeister Matthias Stein haben behauptet, in den letzten Wochen seien sowohl Sie als auch andere Mandatsträger und Bürgermeister des Hillesheimer Landes massiv unter Druck gesetzt worden.

Bohn: Ich fühle mich in Vielem an meinen ersten Wahlkampf erinnert, wenn ich mitbekomme, wie Ortsbürgermeister beackert, wie Mails versendet werden, wie kreuz und quer telefoniert wird, wie aus anderen und in andere Verbandsgemeinden angerufen wird, wie kurz vor Sitzungen Mandatsträger gebrievt, wie noch schnell „positive“ Argumente kommuniziert werden. Da wurde ein Schreckensszenario aufgebaut. Der Umgang miteinander hat in den letzten Wochen extrem gelitten.

Von wem und in welcher Form ist Druck ausgeübt worden?

Bohn: Mir haben Ortsbürgermeister und Mandatsträger gesagt: Mal hat der Landrat angerufen, mal ein Landtagsabgeordneter, mal ein anderer Ortsbürgermeister oder ein VG-Ratsmitglied. Auch innerhalb der VG haben ja viele appelliert: Jetzt keine Querschüsse mehr.

CDU und FWG haben sich für die freiwillige Fusion ausgesprochen.

Bohn: Ja, genau.

Wäre es rückblickend nicht besser gewesen, Sie hätten, wenn auch aus primär taktischen Erwägungen, der Fusion zugestimmt?

Bohn: Bei einer solch wichtigen Entscheidung kann ich nicht taktisch abstimmen, sondern muss abwägen und meine eigene Meinung zur Grundlage für meine Abstimmung machen

Ihre Begründung, weshalb sie nicht zugestimmt haben, lautete: Das Ergebnis war für Hillesheim zu schlecht. Weshalb hat die Hillesheimer Delegation unter ihrer Leitung kein besseres Ergebnis erzielt?

Bohn: Die Lenkungsgruppe hat es mehrheitlich so beschlossen, wie es nun im Vertrag formuliert ist. In der Hillesheimer Delegation haben die meisten die Fusion zu diesen Bedingungen gewollt. Ich nicht!

Sie sagen, dass Hillesheim der große Verlierer dieser Fusion ist!

Bohn: Ich sehe das auch so. Das Geld geht an die Obere Kyll, die Infrastruktur nach Gerolstein, und Hillesheim … na ja. Monetär haben wir nichts davon.

War die Hillesheimer Delegation ein Spiegelbild der politischen Kultur ihrer beiden Amtszeiten: Hier eine parteilose Bürgermeisterin, dort die CDU-Mehrheitsfraktion mit Bernhard Jüngling an der Spitze, der selbst Bürgermeister werden wollte, aber gegen Sie unterlag. Und dann noch eine FWG, die anfangs eng an Ihrer Seite war und inzwischen weit abgerückt ist?

Bohn: Könnte man so sehen.

In der Bevölkerung hingegen sind Sie beliebt. Das zeigt das Ergebnis ihrer Wiederwahl mit fast 83 Prozent. Hätten Sie allein deswegen nicht nochmals antreten sollen, ja müssen?

Bohn: Es geht hier und jetzt nicht ums Antreten, das steht erst im kommenden Sommer oder Herbst an. Fakt ist: Aktuell entscheidet ein Landrat, wer jeweils den drei Verbandsgemeinden im nächsten Jahr vorsteht. Dabei sind wir alle drei von der Bevölkerung gewählt worden. Deswegen meine ich, dass die Bevölkerung das Recht hätte haben müssen, darüber zu entscheiden. So etwas fördert die Politikverdrossenheit.

Daraus höre ich: Auch wenn Sie sich nun erst einmal zurückziehen, schließen Sie eine Kandidatur für das Amt der Bürgermeisterin der neuen VG Gerolstein nicht aus?

Bohn: Darüber habe ich mir noch nicht ernsthaft Gedanken gemacht.

Aber Sie lehnen es nicht kategorisch ab?

Bohn: Ich war 14 Jahre Bürgermeisterin: ein tolles Amt, eine tolle Aufgabe. Ich bin jetzt 50 Jahre alt. Ich bin neugierig. Ich habe auch andere Dinge gelernt. Ich habe alle Möglichkeiten.

Nochmal deutlicher: Sie haben nicht so sehr die Schnauze voll, dass Sie sagen: Eine Kandidatur ist absolut keine Option für mich?

Bohn: Nein, ich lehne es nicht kategorisch ab.

Wo sehen Sie das Hillesheimer Land in zehn Jahren?

Bohn: Das Hillesheimer Land, die Stadt, die Dörfer sind gut aufgestellt. Das Breitbandthema haben wir früh angepackt, den Investitionsstau bei der Feuerwehr haben wir aufgelöst, die Grundschule sind auf einem super Stand, die Realschule wird nächstes Jahr angepackt, eine neue Sporthalle wird gebaut…

… aber nur bei freiwilliger Fusion.

Bohn: Das muss man sich mal überlegen. Sie wird nicht gebaut, weil es als notwendig erachtet wird, dabei ist sie es, sondern sie ist ein Zückerchen für die Fusion.

Okay, zurück zum Thema!

Bohn: Die Kindergärten sind gut aufgestellt, der Industrie- und Gewerbepark läuft, die Wasser- und Abwassernetze sind in Ordnung. Also: Das Fundament des Hillesheimer Landes ist gut, die Leute sind top. Ich bin zuversichtlich.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Bohn: Ich bin stolz, dass alle unsere öffentliche Gebäude inzwischen mit regenerativer Energie versorgt werden, und dass alle unsere Schulen Ganztagsschulen sind. Der Kulturzirkus war immer ein besonderes Ereignis für Jung und Alt und mit Karla Kirsche haben wir in den Schulen, Kindergärten und vielen Vereinen richtig punkten können. Aber so richtig habe ich mir über meinen persönlichen Rückblick noch keine Gedanken gemacht.

Und worüber ärgern Sie sich?

Bohn: Ich finde schade, dass Kommunalpolitik immer noch Männerwirtschaft ist.

Welche Reaktionen haben Sie erfahren, als Sie ihren Rückzug angekündigt haben?

Bohn: Ich habe einige Dutzend Anrufe, Mails, Post oder Whatsapp-Nachrichten bekommen. Viele haben ihr Bedauern und zugleich ihren Respekt ausgedrückt , und alle haben  vollstes Verständnis für meine Entscheidung.

Was werden Sie künftig tun?

Bohn: Am 2. Januar werde ich erstmal ausschlafen. Ich kann jetzt mal wieder regelmäßig Sport treiben, was ich die ganze letzte Zeit nicht mehr richtig hinbekommen habe.

Wann wird Ihr letzter Arbeitstag im Rathaus Hillesheim sein?

Bohn: Ich arbeite bis zum Ende meiner Wahlzeit, Ende Dezember, denn ich will noch eine solide Übergabe machen. Vielleicht nehme ich mir noch ein paar halbe Tage für Weihnachtseinkäufe frei.

Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Bohn (emotional): Die Kollegen hier im Rathaus. Die werden mir sehr fehlen. Das ist ein super Team.

Die Fragen stellte

TV-Redakteur Mario Hübner

... gelöst und lachend ...
... gelöst und lachend ... FOTO: Klaus Kimmling / TV
... und zuversichtlich.
... und zuversichtlich. FOTO: Klaus Kimmling / TV