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"Jeheschnis" statt Gewinnstreben

Da ist was los: Überraschend viele Menschen aus Gillenfeld und Umgebung sind zum Spatenstich gekommen. TV-Foto: Lydia Vasiliou
Da ist was los: Überraschend viele Menschen aus Gillenfeld und Umgebung sind zum Spatenstich gekommen. TV-Foto: Lydia Vasiliou FOTO: (e_daun )
Gillenfeld. In Gillenfeld tut sich was. Die Bauarbeiten zum "Florinshof" sind in vollem Gange. Im Sommer des kommenden Jahres können die ersten Bewohner einziehen - voraussichtlich. Lydia Vasiliou

Gillenfeld "Wir fiebern dem Ganzen aufgeregt entgegen und freuen uns auf unser neues Heim", sagen Adolf Bläser (74) und Ehefrau Anneliese (69) aus Gillenfeld. Sie waren die Ersten, die sich eine Wohnung im Florinshof sicherten, der nun bald Gestalt annehmen wird. Der Bagger ist seit einigen Tagen vor Ort in der Holzmaarstraße, die ersten Löcher sind gebuddelt, und mit dem offiziellen Spatenstich steht dem Bau von zwei gegenüberliegenden Häusern mit 13 barrierefreien Wohnungen, verteilt auf drei Stockwerken, nichts mehr im Wege (der TV berichtete). Ein "Jeheschnis" soll es werden, ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und gut aufgehoben ist.
Zu dem Zweck habe man sich für die Gründung einer Genossenschaft entschieden, "damit die Entscheidungen auf möglichst viele Leute verteilt werden", sagt Ortsbürgermeister und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Schlifter, "jedes Mitglied hat Mitspracherecht". Die Idee: Einerseits sollen die Mitglieder mit gutem und barrierefreiem Wohnraum versorgt werden und zum anderen soll eine "sorgende Gemeinschaft" aufgebaut werden. Gewinne zu erzielen, stehe dabei nicht im Vordergrund, denn Überschüsse sollen in der Genossenschaft bleiben und für eventuelle Instandhaltungskosten oder Erweiterungen verwendet werden. Ein Projekt, das ankommt, sind doch schon vor Baubeginn mehr als die Hälfte der Wohnungen vergeben. "Mit zwei Interessenten sind wir zurzeit noch in Gesprächen", sagt Vorstandsmitglied Kurt Becker.
"Heute ist ein großer Tag für unsere Genossenschaft, für Gillenfeld und die Gemeinden rund ums Pulvermaar", sagte Aufsichtsratsvorsitzender und erster Beigeordnete der Gemeinde, Hermann Condné, in seiner Ansprache vor dem Spatenstich, "endlich wird mit dem Bau des Florinshofes begonnen". Und der genieße inzwischen bundesweite Aufmerksamkeit. Dementsprechend war auch alles, was Rang und Namen hat, beim Spatenstich vor Ort: Kommunal- und Landespolitiker, Mitglieder des Finanzministeriums, Architektenkammer, Bankenvorstände bis hin zum Vertreter des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz und Vertretern der Caritas, die im neuen Gebäude ein eigenes Büro einrichten wird.
"Gemeinsam statt einsam", heißt es in Zukunft in Gillenfeld. Denn mit diesem Konzept der "sorgenden Gemeinschaft" sollen Aufgaben übernommen werden, die ansonsten Familienmitglieder, Nachbarn oder öffentliche Institutionen leisteten.
Darauf freut sich auch Birgit Michels (50) aus Darscheid: "Ich finde das Engagement der Leute in Gillenfeld super, und ich freue mich total, dass nach langer Planung das Projekt verwirklicht wird und ich im nächsten Jahr hier einziehen kann".Extra: DIE KOSTEN DES PROJEKTS:


Kosten gesamt: 2 413 000 Euro; davon Zuschuss der ISB Bank: 200 000 Euro; KFW-Darlehen: 1 300 000 Euro Rest: Eigenkapital der Genossenschaft. Quadratmeterpreis für eine Wohnung: 2350 Euro, Einlage der Bewohner: 40 Prozent. 2009: Gründung Arbeitskreis "Dorfinnenentwicklung" 2012: Erster Entwurf Florinshof und Entscheidung im Arbeitskreis, eine Genossenschaft zu gründen. 2014: Teilnahme am Wettbewerb "Mehr Mitte bitte" und Gründung der Genossenschaft am Pulvermaar - Eine sorgende Gemeinschaft eG am 15. Oktober 2014. 2015: Preisverleihung am 13. Mai "Mehr Mitte bitte" durch Finanzministerin Doris Ahnen.

Anneliese und Adolf Bläser aus Gillenfeld haben sich als Erste eine Wohnung im Florinshof gesichert.
Anneliese und Adolf Bläser aus Gillenfeld haben sich als Erste eine Wohnung im Florinshof gesichert. FOTO: (e_daun )