| 16:45 Uhr

Soziales
Jugendarbeit aus einem Guss

Manfred Schumacher (rechts) – hier beim Angrillen mit (von links) Andreas Gitschik, Jana Eich, Dieter Bernardy vom Verein Offener Jugendtreff und David Schlösser – ist bereits seit geraumer Zeit nicht mehr Jugendpfleger der VG Hillesheim. Bis Jahresende überbrückt der Verein die Vakanz und hält das Haus der Jugend geöffnet.
Manfred Schumacher (rechts) – hier beim Angrillen mit (von links) Andreas Gitschik, Jana Eich, Dieter Bernardy vom Verein Offener Jugendtreff und David Schlösser – ist bereits seit geraumer Zeit nicht mehr Jugendpfleger der VG Hillesheim. Bis Jahresende überbrückt der Verein die Vakanz und hält das Haus der Jugend geöffnet. FOTO: Mario Hübner (mh)
Hillesheim. Eine einheitliche Jugendpflege wird in der neuen Verbandsgemeinde Gerolstein angestrebt, erste Gespräche dazu laufen. Der Trägerverein überbrückt die erneute Vakanz in Hillesheim bis Jahresende mit eigenen Kräften. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Es war – mal wieder – ein kurzes Gastspiel. Gerade einmal ein Jahr war Manfred Schumacher (61) als Jugendpfleger der Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim tätig. Dann hat Bernhard Jüngling, Beauftragter für die VG Hillesheim, nach Rücksprache mit in der Jugendarbeit Tätigen, mit Vertretern der Fraktionen und eben auch Schumacher selbs dessen Vertrag nicht verlängert. Seither kümmert sich der Verein Offener Jugendtreff Hillesheim darum, dass das Angebot für den Nachwuchs weitgehend aufrechterhalten wird.

Vereinsvorsitzender Dieter Bernardy berichtet: „Wir halten das Haus der Jugend in Hillesheim mit eigenen Leuten zu den üblichen Zeiten offen, also montags und donnerstags von 16 bis 20 Uhr. Das ist zwar ein nicht unerheblicher Aufwand, aber wir wollen definitiv nicht zumachen.“ Denn entstehe erst einmal ein Loch, fange man wieder bei Null an, da sich die Jugendlichen dann nämlich etwas anderes suchen würden, betont er.

Nach Gesprächen mit dem Beauftragten Jüngling seien sie aber beide übereingekommen, dass bis Jahresende die aktuelle Regelung fortgesetzt werden solle, um danach eine große Lösung anzustreben. Oder wie Jüngling es sagt: „Ziel muss es sein, bis Anfang 2019, wenn die neue VG Gerolstein an den Start gegangen ist, auch eine Jugendarbeit für die gesamte VG anzubieten.“ Für Jüngling ist klar, dass dafür „Geld in die Hand genommen werden muss“. Er meint: „Zwei Jugendpfleger für dieses große Gebiet werden nicht reichen.“

Derzeit leistet sich die VG Hillesheim eine halbe Jugendpflegerstelle, was nach Worten des Beauftragten jährlich mit 35 000 Euro plus Sachkosten zu Buche schlage. In der VG Gerolstein kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft Jugend e.V. Gerolstein um die Jugendarbeit und das dortige HdJ, das von zwei Sozialpädagogen geführt wird und täglich von Montag bis Freitag geöffnet ist. Die VG unterstützt dies finanziell erheblich: Sie zahlt die nicht durch Landeszuschuss gedeckten Personalkosten, was rund 80 000 Euro im Jahr entspricht. Darüber hinaus übernimmt sie die Miete samt Nebenkosten für das Haus (jährlich 22 500 Euro) und steuert jährlich rund weitere 5000 Euro für Sonstiges bei. Macht zusammen 107 500 Euro.

Matthias Pauly, Beauftragter für die VG Gerolstein, hält sich mit Aussagen über die künftige Jugendarbeit in der neuen VG Gerolstein, in der er keinen verantwortlichen Posten in der Politik mehr einnehmen wird, zurück. Er sagt: „Das alles liegt in der Entscheidungskompetenz des neuen VG-Rates.“ Dennoch meint er nicht zuletzt wegen der Größe der neuen Gebietskörperschaft, die von Hallschlag bis Denborn, von Üxheim bis Duppach reichen wird „Meines Erachtens kann es nur eine dezentrale Lösung geben, um das gesamte Gebiet der neuen VG abzudecken.“ Das spräche für die Aufrechterhaltung der beiden bestehenden Jugendhäuser in Hillesheim und Gerolstein und eventuell der Schaffung eines neuen Anlaufpunktes an der Oberen Kyll.

Die bisherige Regelung im Gerolsteiner Land, wo die VG das Haus der Jugend finanziert (trotzt der formellen Zuständigkeit des Kreises in Sachen Jugendarbeit), „funktioniert ganz gut“. Daher sieht Pauly auch „keine Notwendigkeit, im Vorfeld der Fusion neue Wege einzuleiten und damit die neue VG zu binden“.

In der VG Obere Kyll liegt die Jugendarbeit weitgehend brach, nachdem die VG wegen massiver finanzieller Nöte zum 1. Januar 2013 das Haus der Jugend in Jünkerath geschlossen hatte. Zuvor war es von Don Bosco geleitet worden und Anlaufpunkt für die Jugend aus der gesamten VG. Arno Fasen, Beauftragter für die VG Obere Kyll, erklärt: „Wir mussten Einsparungen von rund 154 000 Euro vornehmen, damit wir uns an dem Kommunalen Entschuldungsfonds beteiligen können. Deswegen wurden das Freibad Stadtkyll und auch das Haus der Jugend in Jünkerath geschlossen. Das war für die Entschuldung der Verbandsgemeinde Obere Kyll alternativlos.“

In Hillesheim kennt man sich aus mit Vakanzen und deren Überbrückung: Bevor Manfred Schumacher (60) aus Zülpich (NRW) Im März 2017 seinen Job angetreten hat, hat der Verein sieben Monate lang die Jugendarbeit aufrechterhalten. Zuvor (von Sommer 2015 bis Sommer 2016) war Vanessa Lenerz, die davor und danach in Gerolstein tätig war, an Bord. Davor gab es eine lange Zeit der Kontinuität, an die sich viele gerne erinnern: Sechs Jahre lang leitete Rita Blum die Geschicke im HdJ zwischen Grundschule und Sportzentrum, bevor sie eine Vollzeitstelle in Kirn an der Nahe annahm.

Zu den Gründen, warum Schumachers Vertrag nicht verlängert wurde, sagte Beauftragter und Personalchef Jüngling: „Es hat nicht gepasst. Seine Arbeitsweise und die Vorstellungen von Jugendarbeit haben nicht mit unseren Anforderungen übereingestimmt. Das mussten wir feststellen und haben daher einen Schnitt gemacht.“