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Kampf gegen den Teer

Setzt sich vehement für die Reaktivierung der Bahnstrecke ein: Vulkaneifelbahn-ChefJörg Petry. TV-Foto: Mario Hübner
Setzt sich vehement für die Reaktivierung der Bahnstrecke ein: Vulkaneifelbahn-ChefJörg Petry. TV-Foto: Mario Hübner
Nach dem Streit zwischen Stadt und Verbandsgemeinde in Sachen Bahnstrecke Gerolstein-Prüm: Jörg Petry, Chef der Vulkaneifelbahn (VEB), wünscht sich rasch eine Rückkehr zur Sachdiskussion - und eben die Reaktivierung der Strecke für Freizeitverkehre mit der Bahn für eine Probezeit von drei Jahren. Von unserem Redakteur Mario Hübner

Gerolstein. Wenn man irgendetwas über die möglichen Vorteile einer Reaktivierung der stillgelegten Bahnstrecke Gerolstein-Prüm erfahren will, muss man nur Jörg Petry fragen. Der Chef der Vulkaneifelbahn (VEB), die seit Jahren erfolgreich die reaktivierte Eifelquerbahn zwischen Gerolstein und Kaisersesch betreibt, hat gleich reihenweise Antworten parat. Sie reichen von der historischen Bedeutung der Bahn für Gerolstein über die vielfältigen touristischen Möglichkeiten ("mehr Gäste" weil: "Alleinstellungsmerkmal", "einziges Eisenbahnkreuz in der Eifel", "einzigartige Verbindung von Bahn- und Radwegen" sowie "Prüm als begehrtes Ziel für Tagesausflügler") bis hin zu klimatischen und auch demografischen Aspekten ("generationsübergreifendes Angebot für Senioren wie auch Familien"). Die Überlegungen waren schon weit fortgeschritten

Das ist nicht verwunderlich, schließlich war es Petry, der vor wenigen Monaten das Thema auf den Tisch und in die Räte gebracht hatte. Den Anstoß dazu hatte er erhalten, nach dem der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) mit seiner Zusage von 1,8 Millionen Euro die Zukunft der Eifelquerbahn gesichert hatte. "Und da musste ich ja rasch reagieren, denn solange dies nicht klar war, konnte ich ja schlecht mit der Strecke Gerolstein-Prüm ein zweites Fass aufmachen. Aber in den Köpfen vieler Räte in Gerolstein und Prüm war der Teer ja schon angemischt", sagt Petry und spricht damit die "bereits fortgeschrittenen" Überlegungen an, die Gleise abzubauen und die Bahntrasse in einen Radweg umzufunktionieren. Daher sein vordringlichster Appell: "Keine Infrastruktur wegreißen, die noch da ist!" Denn das wird in seinen Augen das unwiederbringliche Aus für eine Bahnreaktivierung nach sich ziehen."Wir schlagen einen dreijährigen Probebetrieb vor und wollen und werden auch beweisen, dass es funktioniert", sagt Petry im Brustton der Überzeugung. "Und falls es nicht geklappt hat, kann dann ja immer noch der Radweg realisiert werden." Schon vor der Minister-Entscheidung hatte der VEB-Chef vorgearbeitet und die Gerolsteiner Ratsherren und -damen im März dieses Jahres zu einer Schienenbusfahrt auf der stillgelegten Strecke eingeladen. "Damit sich jeder einmal ein Bild machen kann, worüber entschieden werden soll", begründet der VEB-Geschäftsführer, der sich aber ansonsten komplett aus der kommunalpolitischen Diskussion heraushalten will. Hintergrund: Zwischen der Stadt und der Verbandsgemeinde Gerolstein hat sich ein Streit über die Bahn-Frage entfacht. Während die Stadt, die zuständig ist, weil die Gleisanlagen in ihrem Besitz sind, noch mehr Zeit für die Entscheidungsfindung einforderte, traf der VG-Rat auf Initiative von Bürgermeister Matthias Pauly (CDU) schon einmal mehrheitlich einen Beschluss. Bausubstanz der Brücken ist in Ordnung

Der sieht vor, dass die VG den städtischen Anteil an den Sanierungskosten für die Strecke von 52 000 Euro übernimmt, falls sich die Stadt dazu nicht in der Lage sieht. Das hatte Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz (CDU) als Bevormundung gewertet.Die gesamten Investitionskosten für die Reaktivierung der Bahnstrecken sollen bei 400 000 Euro liegen. Davon werden 200 000 Euro an Landesmitteln erwartet, die restlichen 200 000 Euro sollen der Betreiber Vulkaneifelbahn (50 000 Euro) sowie entsprechend ihres Streckenbesitzes die Verbandsgemeinde Prüm (15 Kilometer/98 000 Euro) und eben die Stadt Gerolstein (7,8 Kilometer/52 000 Euro) übernehmen. Anders als jedoch von einigen Ratsherren angeführt, ist laut Petry keines der Brückenbauwerke sanierungsbedürftig. "Wir haben für 14 000 Euro ein Gutachten erstellen lassen, und das sagt eindeutig aus, dass die Bausubstanz der Brücken in Ordnung ist." Nach seiner Einschätzung könnte der Fahrbetrieb auf der Strecke nach nur zwei Monaten Sanierungsarbeit aufgenommen werden, "aber das alles ist nur realistisch, wenn die Kommunen an einem Strang ziehen und ein eindeutiges Votum nach Mainz geht".