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Kein Kulturprogramm 2018 im Lokschuppen Gerolstein

Aus und vorbei: Dass Bands wie die Bläck Fööss im Lokschuppen spielen, ist bald Vergangenheit. TV-Foto/Archiv: Sarah Stieren
Aus und vorbei: Dass Bands wie die Bläck Fööss im Lokschuppen spielen, ist bald Vergangenheit. TV-Foto/Archiv: Sarah Stieren FOTO: Sarah Stieren
Gerolstein. Nächstes Jahr wird es kein Kulturprogramm mehr im Lokschuppen Gerolstein geben. Das kündigt Betreiber Jörg Petry an. Er ist sauer – weil er von der Stadt keine Unterstützung erhält und sie zudem eine Bahnbrücke abreißen lassen will. Mario Hübner

Bap, Klaus Lage, Brings, Bläck Fööss, Kasalla, Carolin Kebekus, Heinz Rudolf Kunze, Jan Josef Liefers und viele mehr sind in den vergangenen Jahren aufgetreten und haben Tausende Besucher mitten in die Eifel gelockt. Und am gestrigen Freitag hat Torsten Sträter 700 Leute angelockt. Nach Gerolstein. In den Lokschuppen. Damit ist bald Schluss. Nachdem bereits zwei Veranstaltungen waren, stehen in diesem Jahr nur noch vier weitere auf dem Programm. "Im Mai kommt Major Heuser mit Band, im September ist Kölsche Nacht mit Kasalla und Cat Ballou, und den Abschluss macht im November Atze Schröder. Danach schließen wir ab", sagt Jörg Petry, geschäftsführender Gesellschafter der gemeinnützigen Bahnbetriebswerk GmbH, die die Kulturevents in der Eifel veranstaltet.

Ehrenamtlich, aus eigener Tasche - und ohne jegliche Unterstützung. Petry fragt: "In Daun, Prüm und Bitburg leisten sich die Kommunen ein Kulturprogramm, warum unterstützt Gerolstein nicht wenigstens ein vor Ort vorhandenes und weit umfangreicheres Programm?" Nach der Renovierung des historischen Lokschuppens 2010 waren dies in der Spitze bis zu 50 öffentliche Veranstaltungen im Jahr.

Grund für seine Entscheidung ist ein Streit mit der Stadt. "Wir haben mehrfach zusammengesessen, weil ich mehr Unterstützung erwarte. Aber Stadtbürgermeister Bongartz hat dafür weder Verständnis noch offenbar überhaupt einen Bezug zur Kultur", sagt Petry.

Vor allem aber ärgert er sich über den vom Landesbetrieb Mobilität für dieses Jahr angekündigten und von der Stadt ebenfalls befürworteten Abriss der Bahnbrücke an der Kreuzung nach Müllenborn.

Petry sagt: "Ich habe der Stadt unser Kulturkonzept vorgestellt, das drei Standbeine hat: Veranstaltungen im Lokschuppen, Wiederaufbau des restlichen Lokschuppens samt Schaffung eines interaktiven Eisenbahnmuseums inklusive großer Modelleisenbahnausstellung sowie Tourismusfahrten auf der Strecke Gerolstein-Müllenborn." Derzeit werden die Schienenbusse, die vor Jahren noch regelmäßig zwischen Kaisersesch und Gerolstein (Eifelquerbahn) verkehrt sind, nur dazu genutzt, die Kulturfreunde zwischen dem Bahnhof Gerolstein und dem Lokschuppen zu befördern - kostenlos. Und davon machen auch viele Gäste Gebrauch, da die Zufahrt zum Lokschuppen eng ist und nur begrenzt Parkplätze zur Verfügung stehen.

Wenn nun aber die Brücke auf der Westeifelbahnstrecke Gerolstein-Prüm an der Kreuzung nach Müllenborn abgerissen wird, würden Fakten geschaffen. Und Petry ist nicht gewillt, diese hinzunehmen.

"Die können sich schon einmal auf einen langen Rechtsstreit gefasst machen und werden merken, dass sie einen harten Gegner haben. Man kann nicht einfach Infrastruktur von 1883 wegen einer temporären Laune infrage stellen", sagt er und betont zudem: "Wir sind nicht gegen die Entschärfung der Straßenkreuzung. Nur gegen den Brückenabriss."

Den Kulturveranstaltungen trauert er zwar einerseits ein wenig nach, "da es mir immer viel Spaß gemacht hat", aber andererseits sei er auch froh, künftig mehr Zeit zu haben. Schließlich habe er als Chef der Vulkan-Eifel-Bahn-Betriebsgesellschaft und der AKE-Eisenbahntouristik mit mehr als 30 Beschäftigten auch so noch genug zu tun. So soll noch dieses Jahr ein neues Verwaltungsgebäude auf dem Bahnareal zwischen Gerolstein und Pelm errichtet werden. Petry: "Wir warten nur noch auf die Baugenehmigung."Stellungnahme der Stadt

Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) sagt zum Streit mit Petry: "Das Aus für die Kulturveranstaltungen ist bedauerlich. Wir kommen aber wegen der Frage der Eisenbahnbrücke nicht überein. Für mich hat jedoch das Eine nichts mit dem Anderen zu tun." Bongartz glaubt, dass auf der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm so gut wie keiner mehr einen Zug fahren sehen will, und schätzt: "90 bis 95 Prozent der Bevölkerung wollen dort einen Radweg." Und der werde auch kommen: "Die Strecke wird entwidmet werden, eventuell aber erst 2024." An eine gütliche Einigung glaubt Bongartz nicht mehr.Tourismus mit Schienenbussen

Die Bahnstrecke Gerolstein-Prüm (Westeifelbahn) gehört der Stadt Gerolstein und der VG Prüm. Sie haben sie 2005 für 430 000 Euro von der Bahn AG gekauft.Die Strecke ist zwar seit Jahren stillgelegt, aber nicht entwidmet. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) hat für sie vor Gericht eine Betriebsgenehmigung erstritten. Jörg Petry gehört der Interessengemeinschaft Westeifelbahn an, die die RSE bei ihren Reaktivierungsbemühungen unterstützt.
Und er plant selbst, mit seiner Firma Vulkaneifelbahn auf der Strecke Gerolstein-Müllenborn mit seinen roten Schienenbussen Tourismusfahrten anzubieten.

Er glaubt, dass Touristen das Angebot gut annehmen würden und meint: "Schienenbusse können nicht nur für den kostenlosen Transfer zu den Events im Lokschuppen vorgehalten werden, es werden auch Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen zum Betrieb benötigt.

Hierzu ist die Westeifelbahn in Richtung Prüm die letzte Gelegenheit, da es in Sachen Reaktivierung der Eifelquerbahn seit über vier Jahren nur Stillstand gibt. Wenn es dazu keine Chance mehr gibt, wird die Vulkan-Eifel-Bahn die Fahrzeuge an einen anderen Standort verlegen müssen."Meinung

Verdammt schade!

Große Anerkennung! Was Jörg Petry mit seinem Team an Ehrenamtlern alles an Musik- und Kulturveranstaltungen in den gut 20 letzten Jahren auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Ohne seine Musikevents wären die Sprudelfestabende nicht halb so schön und nicht halb so gut besucht gewesen. Doch was er im und am Lokschuppen für Größen der Musik-, Comedy- und Kabarettszene präsentiert hat, hat das noch einmal getoppt. An die tollen Abende mit Bap, Brings, Klaus Lage, Guildo Horn sowie Urban Priol & Co. werden sich Tausende immer noch gerne erinnern. Allesamt Konzerte und Kulturveranstaltungen, für die man ansonsten 150 bis 200 Kilometer hätte fahren müssen.

Verdient hat Petry mit seiner gemeinnützigen GmbH dabei - nach eigenen Angaben - nichts. Unterstützung - anders als bei der Lokschuppensanierung - ebenfalls weitgehend Fehlanzeige.

Dass er 2018 mit Musik und Comedy Schluss machen will, ist ein schwerer Schlag für die Eifel, die damit kulturell wieder ins Mittelmaß abrutscht. Dass der Bahnunternehmer Petry es tut, weil er sauer auf die Stadt wegen ihrer Verkehrspolitik (geplante Entwidmung der Westeifelbahnstrecke) ist, ist nur schwer nachvollziehbar. Die Entscheidung hinterlässt neben Enttäuschung über das Kultur-Aus einen faden Beigeschmack. Auf jeden Fall ist es verdammt schade! m.huebner@volksfreund.de