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Kyll-Radweg: Der Beste im Land

Gerolstein. Der Kyll-Radweg ist vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit vier von fünf Sternen ausgezeichnet worden. Er zählt damit am besten bewertete Weg in Rheinland-Pfalz. Gestern hat der ADFC dem Land die Qualitätsurkunde in Gerolstein übergeben. Alexander Schumitz

Gerolstein. Viel Politprominenz aus der Region hat sich vor dem Gerolsteiner Rathaus versammelt. Landtagsmitglieder, die Landräte des Vulkaneifelkreises und des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Verbandsgemeindebürgermeister aus acht Verbandsgemeinden oder deren Vertreter sowie etliche Ortsbürgermeister sind zur Übergabe des Zertifikats vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) für den Kyll-Radweg gekommen.
"Mit der Übergabe dieses Qualitätssiegels endet ein Projekt, mit dessen Planung wir vor mehr als 30 Jahren begonnen haben", sagt Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein. Seit 1998 seien 13 Bauprojekte vom LBM realisiert worden, um die Quelle der Kyll mit deren Ende bei Trier-Ehrang für Radler erfahrbar zu machen.
Der Kyll-Radweg verbindet mehr als 30 Orte entlang des Flusses. "Eines der Merkmale des Weges ist, dass die Radfahrer durch die Orte radeln und so die Region entdecken können", betont Enders.
Herausragend ist der Kyll-Radweg laut Bertram Giebeler, stellvertretender Bundesvorsitzender des ADFC, in drei Bereichen: "Er ist fantastisch gut ausgeschildert, sehr gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden und bietet eine tolle touristische Infrastruktur für die Radfahrer." Deshalb habe der Radweg von den Zertifizierern schließlich auch als einer von Zwölfen in Deutschland vier Sterne bekommen. Fünf-Sterne-Radwege gebe es bundesweit nur für zwei Strecken, nämlich im Taubertal und am Main.
Giebeler ist sich sicher, dass der Kyll-Radweg eine große Zukunft hat. "Die meisten Radler wollen entweder lange Strecken von Ort zu Ort zurücklegen, oder sie wählen sich einen Ort aus, von dem aus sie verschiedene Wege entdecken können", erklärt Giebeler. Deshalb biete er mit seinen Passagen am Fluss und auf ehemaligen Bahntrassen für 80 Prozent aller Radler ideale Urlaubsbedingungen.
Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz gibt zu, dass er bei dem Stichwort Eifel nicht zuerst ans Radfahren denkt. Aber die zunehmende Zahl der Radtouristen im Land beweise, dass es richtig sei, hier zu investieren. 2011 waren auf den Radwegen im Land 18 Millionen Radler unterwegs, 11,4 Millionen wurden in dem Jahr für Fernradwege ausgegeben. "Das Zertifikat ist für das Land ein wichtiger Baustein beim Ausbau des Radwegenetzes", sagt Lewentz, der sich darüber freut, dass mit dem Kyll-Radweg erstmals eine Strecke für Radler im Land vom ADFC mit vier Sternen zertifiziert wurde.
Enders schaut schon mal weiter. "Als Nächstes wollen wir den Kyll-Radweg mit dem Radweg zwischen Aachen und dem belgischen Ort St. Vith, dem sogenannten Venn-Radweg, verbinden", verrät er während der offiziellen Übergabe der Urkunde. Voraussichtlich werde der Venn-Radweg im kommenden Jahr eingeweiht.Extra

Der Kyll-Radweg ist 130 Kilometer lang. Er verbindet die Kyllquelle bei Losheimergraben an der deutsch-belgischen Grenze mit der Einmündung in die Mosel bei Trier-Ehrang. Die Route ist auf 118 Kilometern asphaltiert. Der andere Teil verläuft auf befestigten Wegen. Der Radweg ist empfehlenswert für Familien und Freizeitradler. Denn er verläuft größtenteils eben bis hügelig. Einen starken Anstieg gibt es lediglich zwischen Kyllburg und Bitburg-Erdorf. Besonders beliebt bei Familien ist die Strecke zwischen Gerolstein-Bewingen und Densborn: Dort gibt es einen fast ebenen, etwa 20 Kilometer langen Kinderradweg. Die Radfahrer begleiten dort vier verschiedene Figuren: Willi Basalt, Biggi Biene, Elli Eule und Freddi Fledermaus. Die Figuren weisen auf Schildern auf Sehens- und Wissenswertes hin. Ein weiterer Pluspunkt des Radwegs: Von Jünkerath bis Trier verläuft der Weg an der Bahnlinie lang, weshalb viele Radfahrer den Zug zur Überbrückung einzelner Streckenteile oder zur Anreise nutzen. Auch bei Kulturinteressierten ist die Route beliebt: Sie bietet viele Burgen und Mühlen an der Strecke. Zu sehen sind unter anderem die historische Wassermühle in Birgel, die Kasselburg bei Pelm, die Burg Lissingen die Bertradaburg in Mürlenbach, das Schloss Malberg. utz eifel.info