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Milan fliegt, Windkraftgegner jubeln

Hillesheim. Die Windkraftpläne in der Verbandsgemeinde Hillesheim stehen vor dem Aus: Die Gutachter sprechen von einer "unüberbrückbaren Rotmilan-Problematik". Betroffen ist das Großgebiet zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen, wo rund ein Dutzend Anlagen geplant waren. Andere Areale waren bereits verworfen worden. Die Windkraftgegner sind hocherfreut. Mario Hübner

Hillesheim. "Der Plan, im Areal zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen, einen Windpark zu errichten, ist gestorben." Dies sagt Hillesheims Bürgermeisterin Heike Bohn (parteilos), nachdem das beauftragte Gutachterbüro einen Zwischenbericht vorgelegt hat. Es sollte untersucht werden, ob in dem Gebiet - wie von den Windkraftgegnern des Vereins Sturm im Wald seit Langem behauptet - Rotmilane und andere "windkraftsensible" Vogelarten leben (siehe Hintergrund).
Windkraftgegner Martin Kleppe von der Wählergruppe Sturm im Wald, die mit vier Vertretern in den Verbandsgemeinderat eingezogen ist, sagt: "Das Ergebnis ist wunderbar und bestätigt, was wir seit Jahren sagen: In dem Bereich gibt es große Rotmilan-Vorkommen." Bestätigt sich zudem, dass auch ein Schwarzstorch dort lebt, würde das auch die Windkraft-Planung Wiesbaums betreffen - und höchstwahrscheinlich zunichtemachen. Dort will man gemeinsam mit der Gemeinde Blankenheim (NRW) einen grenzüberschreitenden Windpark realisieren - mit einem oder zwei Windkraftanlagen (WKA) auf Wiesbaumer Seite. Eine Absichtserklärung ist bereits von beiden Seiten unterzeichnet worden, "einen Vertrag gibt es aber nicht", sagt Bohn.
Da die Flächen bei Nohn und im Hillesheimer Stadtwald aus Naturschutzgründen bereits verworfen wurden, sieht es so aus, als ob von den anfangs angedachten Standorten für drei Dutzend Anlagen keiner mehr übrigbleibt.
Doch das birgt auch ein Problem in sich, wie es Planer Reinhold Hierlmeier vom Büro BGH Plan aus Trier, das die Windkraftplanung für die VG Hillesheim macht, bereits mehrfach sagte: "Die Landesregierung will die Energiewende, daher ist der Windenergie substanziell Platz zu schaffen."
"Daher werden wir weiter planen müssen und eventuell einige Kriterien nochmals überdenken", sagt Bohn nach einem Gespräch mit der Kreisverwaltung, die Genehmigungsbehörde ist.
Sie denkt dabei daran, die Mindestgröße der Areale von 40 auf 20 Hektar zu reduzieren. Die ist angelegt worden, um die Landschaft nicht zu verspargeln. Die Mindestanzahl von drei Anlagen soll laut Bohn aber bestehen bleiben. An einem anderen Kriterium will die Bürgermeisterin nicht rütteln: dem Mindestabstand von 1000 Metern zum nächsten Dorf. "Das mache ich nicht mit", sagt sie.
Wichtigstes Ziel sei, einen rechtssicheren Flächennutzungsplan aufzustellen, der Ausschluss- und Vorrangflächen benennt. "Wenn wir aber nach intensiver Prüfung zu dem Ergebnis kommen, dass wir keine Vorrangflächen für die Windkraft haben, dann ist das auch okay", sagt Bohn. Sie meint aber auch, dass irgendwann mit dem Untersuchen Schluss sein müsse, denn "wir haben schon jetzt einen hohen sechsstelligen Betrag dafür ausgegeben".Meinung

Andernorts suchen
Nach jetzigem Stand wird im Hillesheimer Land zusätzlich zu den drei Anlagen in Zilsdorf keine weitere Windkraftanlage aufgestellt. Und das liegt nicht daran, dass man dort eine Verhinderungsplanung betrieben hat. Im Gegenteil: Rund eine halbe Million Euro hat die Verbandsgemeinde bereits ausgegeben, um untersuchen zu lassen, wo eventuell neue WKA aufgestellt werden könnten. Doch von den fünf potenziellen Standorten, die bis zu drei Dutzend Anlagen ermöglicht hätten, ist keiner übriggeblieben. Überall durchkreuzen Rotmilan und Schwarzstorch die Pläne. Dass die sensiblen Vogelarten so zahlreich im Hillesheimer Land vorkommen, ist ein Beleg dafür, dass die Natur dort noch weitgehend intakt ist. Ein Pfund, mit dem die Tourismussparte wuchert - und jährlich Zuwächse erzielt. Nicht zuletzt aus diesem Grund wäre es unsinnig, die anerkannten Kriterien der Windkraftplanung (Mindestabstand zur Wohnbebauung 1000 Meter; nur Konzentrationsflächen für zumindest drei Anlagen, um eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern) über den Haufen zu werfen. Wenn aus zwingenden Gründen kein Platz für WKA ist, dann können dort eben auch keine aufgestellt werden. Dann muss andernorts gesucht werden. m.huebner@volksfreund.deExtra

Die Experten des Gutachterbüros für faunistische Fachfragen aus Linden kommen nach mehreren Monaten Beobachtung und neun Kontrolluntersuchungen zu folgendem Schluss: "Um die geplanten Windkraftflächen herum brüten acht bis zehn Rotmilan-Paare. Darüber hinaus wird mit 90-prozentiger Sicherheit ein Schwarzstorch vermutet. Es wurden bisher 120 Flugbewegungen der Vögel beobachtet - davon zwei Drittel über dem Waldgebiet." Und sie raten wegen der "unüberbrückbaren Rotmilan-Problematik" von der Fortsetzung der Windpark-Planung in diesem Gebiet ab. Gutachter Matthias Korn: "An diesem Standort sind Windkraftanlagen nicht möglich. Wir würden empfehlen, diese Untersuchungen abzubrechen." Denn um Rotmilan-Horste muss ein Schutzabstand von 1,5 Kilometern, um die von Schwarzstörchen von drei Kilometern gezogen werden. Das heißt, dass innerhalb dieser Entfernung keine WKA aufgestellt werden darf. mhExtra

Die Stadtwerke Trier hatten mit dem Windkraftunternehmen juwi geplant, im Areal zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen zehn bis zwölf WKA aufzustellen und zu betreiben. Mit dem Zwischenergebnis des faunistischen Gutachtens lassen sie diese Pläne fallen. Das bestätigt SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück auf TV-Anfrage: "Wir bestätigen, dass die Windenergieplanungen von juwi und SWT in der VG Hillesheim wegen eines Rotmilan-Vorkommens im Planungsgebiet bis auf Weiteres gestoppt wurden." Zu den angefallenen Kosten möchte man keine Auskunft geben. mh