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Neue Ortschefin setzt auf Kooperation im Rat

Der erste Beigeordnete Helmut Stuck gratuliert Karin Pinn, der neuen Ortsbürgermeisterin von Wiesbaum-Mirbach. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Der erste Beigeordnete Helmut Stuck gratuliert Karin Pinn, der neuen Ortsbürgermeisterin von Wiesbaum-Mirbach. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Mirbach. Nun ist es amtlich: Karin Pinn ist im Gemeindehaus Mirbach zur Ortsbürgermeisterin ernannt und vereidigt worden. Die Gewinnerin der Wahl vom 21. August richtet den Blick nach vorne - und signalisiert ihren bisherigen Gegnern Gesprächsbereitschaft. Vladi Nowakowski

Mirbach. Lange hat es im Gebälk geknirscht, doch nun ist in Wiesbaum-Mirbach erst einmal Ruhe eingekehrt. Die Amtsgeschäfte führten seit dem Frühjahr 2011 die Beigeordneten Helmut Stuck, Werner Zens und Alfred Mastiaux, nachdem der CDU-Bürgermeister Lothar Schütz damals überraschend zurückgetreten war. Das ändert sich nun: Karin Pinn (FWG), die bislang erste Bürgermeisterin in der Geschichte der Ortsgemeinde, übernimmt die Geschäfte.
Den relativ knappen Wahlausgang der ersten Direktwahl in Wiesbaum will sie nicht thematisieren. Bei einer Wahlbeteiligung von 68 Prozent erreichte sie 193 Ja- und 139 Neinstimmen. Das, was der erste Beigeordnete Stuck in seiner kurzen Ansprache "unangenehme Nebengeräusche" nennt, und Pinn als "unerfreulichen Wahlkampf" bezeichnet, soll nun der Vergangenheit angehören. "Meine Gegner haben sich mir bis heute nicht zu erkennen gegeben", sagt Pinn. "Das bedauere ich. Aber ich bin für konstruktive Kritik immer offen, dankbar und erreichbar."
Der Sorge, sie sei mit ihrem Beruf und ihren politischen Ämtern als Fraktionssprecherin der FWG im Kreistag und Vorsitzende des FWG-Kreisverbandes mehr als ausgelastet und deshalb als Bürgermeisterin nicht geeignet, begegnet sie mit einem Angebot: "Ich werde meine Handynummer veröffentlichen. Und wenn mein Auto vor der Tür steht, bin ich auch da. Dann kann man auch klingeln."
VG-Bürgermeisterin Heike Bohn erinnert an die Bürgerversammlung zu den geplanten Windkraftanlagen im Mai. Damals warb sie vehement dafür, schnell einen Kandidaten für den verlassenen Bürgermeister-Posten zu finden: "Dass eine so große Gemeinde ohne Bürgermeister da steht und vom Kreis zwangsverwaltet wird, geht einfach nicht. Ich bin froh, dass Karin Pinn sich der Verantwortung stellt."
Auch sie habe die Querelen der letzten Monate verfolgt. "Nun ist Arbeit an der Einigkeit des Gemeinderates angesagt", sagt Heike Bohn. Die Bürgermeisterin von Wiesbaum-Mirbach will sich zunächst um die Dinge kümmern, die in den vergangenen Monaten liegengeblieben sind: "Auf mich wartet ein dicker Ordner", sagt die 48-Jährige. Sie freut sich, dass 50 Bürger zu ihrer Vereidigung gekommen sind. "Ich will die Bürgermeisterin der Menschen sein, die hier leben."
Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, seien regelmäßige Bürgerversammlungen, sagt Pinn. In der verbleibenden Amtszeit von zweieinhalb Jahren werden einige wichtige Entscheidungen fallen: die kommunale Verwaltungsreform, die Neugestaltung der Ortsmitte im Zuge der Dorferneuerungsmaßnahme, der Ausbau erneuerbarer Energien. Dazu kommen die Diskussion um die geplanten Windkraftanlagen und die Idee eines Nahwärmenetzes für die Ortsgemeinde. Die Liste ist lang. Und die Zeit, die wegen der offenen Bürgermeisterfrage in Wiesbaum verloren ging, nicht mehr aufzuholen.
Extra


Auf der Ebene der Ortsbürgermeister ist die Frauenquote im Kreis Vulkaneifel sehr überschaubar. Bei 109 Gemeinden im Kreis ist Karin Pinn erst die fünfte Ortsbürgermeisterin. In den Verbandsgemeinden Gerolstein, Kelberg und Obere Kyll sind die Bürgermeisterposten komplett in Männerhand. In der VG Hillesheim war bislang Petra Himmels als Ortsbürgermeisterin von Basberg allein unter Männern, hat aber nun mit Karin Pinn eine Amtskollegin. In der Verbandsgemeinde Daun gibt es drei Ortsbürgermeisterinnen: Heike Hermes in Gillenfeld, Madlene Steffes in Wallenborn und Hildegard Rebelein in Steineberg. Deutlich besser ist die Frauenquote auf der Ebene der hauptamtlichen Bürgermeister. Zwei der fünf Verbandsgemeinden im Kreis haben eine Verwaltungschefin: Heike Bohn (Hillesheim) und Diane Schmitz (Obere Kyll). sts