| 20:35 Uhr

Nun doch Windräder auf dem Mordhügel?

Hillesheim. Der Bauausschuss Hillesheim empfiehlt dem VG-Rat, der heute tagt, weiter nach Windkraft-Vorranggebieten im Hillesheimer Land zu suchen. Um die Chancen zu erhöhen, soll die Mindestgröße der Areale von 40 auf 20 Hektar reduziert werden. Dadurch kommt nun wieder das bislang als zu klein erachtete Gebiet "Mordhügel" zwischen Üxheim und Nohn ins Gespräch. Mario Hübner

Hillesheim. Der erst kürzlich vorgelegte Zwischenbericht des Gutachterbüros für faunistische Fachfragen aus Linden hat die Planungen für den großen Windpark zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen mit bis zu einem Dutzend Windkraftanlagen (WKA) gestoppt. Nach mehrmonatigen Untersuchungen kamen die Gutachter zu folgendem Schluss: "Um die geplanten Windkraftflächen herum brüten acht bis zehn Rotmilan-Paare. Darüber hinaus wird mit 90-prozentiger Sicherheit ein Schwarzstorch vermutet." Wegen der "unüberbrückbaren Rotmilan-Problematik" schlugen sie vor: "An diesem Standort sind Windkraftanlagen nicht möglich. Wir würden empfehlen, diese Untersuchungen abzubrechen." Denn um Rotmilan-Horste muss ein Abstand von anderthalb, um die von Schwarzstörchen von drei Kilometern gezogen werden. Daher sagte auch Hillesheims Bürgermeisterin Heike Bohn (parteilos): "Der Plan, im Areal zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen, einen Windpark zu errichten, ist gestorben." Tangiert davon ist mutmaßlich auch die kleine Wiesbaumer Fläche (der TV berichtete). Und da bereits zuvor Flächen bei Nohn und im Hillesheimer Stadtwald aus Naturschutzgründen verworfen wurden, steht die VG aktuell ohne Windkraftvorrangflächen da.
Rechtssicherheit als Ziel


Das Problem: Das Land will die Energiewende und macht daher die Vorgabe, dass - wenn nur irgendwie möglich - der Windkraft Raum zu geben ist. Oder, wie es Bohn mehrfach betonte: "Wir dürfen uns nicht vorwerfen lassen, eine Verhinderungsplanung zu betreiben, sondern müssen einen rechtssicheren Flächennutzungsplan aufzustellen, der Ausschluss- und Vorrangflächen benennt." Das heißt: Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft und geprüft werden.
Daher hat der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss nun den Beschluss gefasst, dem VG-Rat eine Fortsetzung der Windkraftplanung zu empfehlen - mit gelockerten Kriterien. Kernpunkt: Die Mindestgröße für Windkraftflächen soll von 40 auf 20 Hektar reduziert werden - es müssen aber weiterhin mindestens drei WKA dort aufgestellt werden.
Daher rückt nun wieder das bislang als zu klein erachtete Gebiet "Mordhügel" zwischen Üxheim und Nohn in den Fokus. Ob es als Vorrangfläche taugt, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Denn die Windkraftgegner von "Sturm im Wald", die mit vier Sitzen im VG-Rat vertreten sind, vermuten auch dort "windkraftsensible" Vogelarten.
Eine Mindestgröße für Windkraftvorrangflächen ist gewählt worden, um Standorte für mehrere WKA zu schaffen und somit nicht die Landschaft zu "verspargeln". Bohn sagt: "Die Veränderung von 40 auf 20 Hektar wird dem ursprünglichen Ziel der Konzentration von WKA auch gerecht." An allen anderen Kriterien hat der Ausschuss aber nicht gerüttelt - auch nicht am Mindestabstand von 1000 Metern zum nächsten Dorf.
Nun ist der VG-Rat am Zug, der sich noch vor der Sommerpause mit dem Thema beschäftigt: am heutigen Donnerstag. "Wenn wir aber nach intensiver Prüfung zu dem Ergebnis kommen, dass wir keine Vorrangflächen für die Windkraft haben, dann ist das auch okay", sagt Bohn. Sie meint, dass irgendwann mit dem Untersuchen Schluss sein müsse, denn "wir haben schon jetzt einen hohen sechsstelligen Betrag dafür ausgegeben".Extra

In der Chronik der Pfarrei Nohn berichtet der Pfarrer und Heimatforscher Peter Haubrich (1843 bis 1923) über frühe Siedlungsbelege in der Gemarkung Nohn. Die wohl älteste Begräbnisstätte befindet sich nahe der Einmündung der L 70 in die L 10 zwischen Nohn und Adenau. Dieses alte Hügelgrab, der Mordhügel, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegraben. Dabei kamen kleine Gefäße und eine Aschenurne römischer Herkunft zutage. Beim Straßenbau Nohn-Kelberg stieß man am Ortsausgang zudem auf eine riesige Begräbnisstätte. Anders als üblich lagen die Skelette mit dem Gesicht nach unten. Wieso, wird nicht aufgeführt. Nur der Volksmund spricht seither vom Mordhügel. red