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Karnevalsdebatte
Rassismus-Vorwürfe gegen Karnevalsverein

Dieser Wagen mit der Aufschrift „Zick Zack Zigeuner...“ hat Torsten Holtz empört. Er wirft dem Verein aus Gönnersdorf Rassismus vor. Ver Besucher des Umzugs in Müllenborn hat dem TV daraufhin einen Leserbrief geschrieben.
Dieser Wagen mit der Aufschrift „Zick Zack Zigeuner...“ hat Torsten Holtz empört. Er wirft dem Verein aus Gönnersdorf Rassismus vor. Ver Besucher des Umzugs in Müllenborn hat dem TV daraufhin einen Leserbrief geschrieben. FOTO: Mario Hübner
Gerolstein-Müllenborn/Gönnersdorf. Am Wagen der Gönnersdorfer Jecken prangte die Aufschrift „Zick Zack Zigeuner...“. Ein Zuschauer dachte dabei sofort an Nazi-Parolen. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Ausschreitungen. Dabei beleidigen rechtsextreme Fans die Spieler anderer Mannschaften und grölen Parolen wie „Zick, Zack, Zigeunerpack“.

An den verbreiteten Hassgesang musste Torsten Holtz denken, als er den Fastnachtsumzug in Müllenborn besucht hat. Denn durch die Straßen schlängelte sich auch der Wagen der Gönnersdorfer Hippelsteinchen, auf dem „Zick Zack Zigeuner...“ zu lesen war. „Krasser, eindeutiger Antiziganismus“ (Zigeunerfeindlichkeit), schießt es ihm sofort in den Kopf. „Die meinen doch wohl nicht ‚... pack.“

Holtz, der sich für die Linke in Siegburg engagiert, aber aus der Eifel stammt, unterstellt den Jecken keine böse Absicht. „Ich glaube, dass sie gedankenlos gehandelt haben“, sagt er. „Es wäre zu wünschen, dass sich die Karnevalsvereine deutlich kritischer mit ihren Leitsprüchen auseinandersetzen würden.“ Bestimmte Sachen dürfe man nicht sagen. Gerade in Verbindung mit der auf den Wagen gedruckten Zeile „Bin kaum da, muss ich fort“ würden Auschwitz-Assoziationen geweckt.

Dass der Spruch „Zick, Zack, Zigeunerpack“ bereits existiert hat und politisch nicht ganz korrekt ist, wissen die Gönnersdorfer. „Deswegen haben wir das auch geändert“, erklärt Vereinspräsidentin Angelika Fasen. Das Wort „Pack“ haben die Jecken gestrichen und durch drei Pünktchen ersetzt. Die Zeile „Bin kaum da, muss ich fort“ sollte an ein bekanntes Lied (“Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader aus dem Jahr 1972) erinnern, dessen Text gut zum Aufzug passe.

„Als Karnevalsthema finden wir das nicht abstoßend.“ Schließlich gebe es Zigeunerkostüme in jedem Karnevalskatalog. Eine kurze Recherche auf der Seite des Online-Versandhandels amazon bestätigt, dass es sich um eine gängige Verkleidung handelt, die hier neben Spanier-, Cowboy- oder Schwarzwaldtrachten verkauft wird. Für Holtz ist die bloße Verfügbarkeit eines Kleidungsstücks kein Grund, ein bestimmtes Motto zu wählen. Er findet, dass es viele Kostüme gibt, die „vielleicht noch in den 20er Jahren als vertretbar galten, im 21. Jahrhundert aber auf keinen Umzug mehr gehören.“

„Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Fasen. Das Ganze hätte nichts mit Diskriminierung zu tun und man wolle niemanden beileidigen. „Dann dürfte man viele andere Themen auch nicht bringen.“ Holtz stört sich auch an diesen. Egal ob „Kannibalen-Witze über Afrikaner“ oder „rassistisches Blackfacing“, bei dem weiße Karnevalisten ihre Gesichter dunkel schminken, um Schwarze darzustellen – der Linken-Politiker hält viele Karnevalsmottos für ausländerfeindlich.

Die Reaktion der Gönnersdorfer Narren, die sich keiner Schuld bewusst sind,  verwundere ihn nicht. Man dürfe sich ruhig mehr Gedanken machen. „Das ist ganz normaler deutscher Alltagsrassismus.“

Wo hört der Karnevalsspaß auf, und wo fängt Rassismus an? Diese Frage wird vermutlich auch in der kommenden Session die Gemüter spalten.

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