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Infrastruktur
Nein zum Neubau

Gerolstein. Der VG-Rat Gerolstein hat sich mit 14 zu acht Stimmen für die Sanierung der Turnhalle an der Grund- und Realschule plus in Gerolstein ausgesprochen, die 1,6 Millionen Euro kosten soll. Vorausgegangen war eine lange Debatte. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Die Sanierung der in die Jahre gekommenen und relativ kleinen Turnhalle an der Grund- und Realschule plus in Gerolstein ist mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt, der Neubau einer größeren Halle mit 2,5 Millionen Euro. Einer der Gründe, weshalb sich die Mehrheit des Rats der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein für die kostengünstigere Sanierungslösung ausgesprochen hat, war, dass an der Schule insgesamt erheblicher Investitionsstau herrscht. Dessen Auflösung wird wohl noch viel Geld verschlingen. Vor allem die Erneuerung der Heizungsanlage steht im Fokus, zudem ist erst einer von drei Schultrakten generalsaniert worden – für mehrere Millionen Euro.

Die SPD-Fraktion, die stets für einen Neubau war, weil sie die derzeitige Turnhalle unter anderem für deutlich zu klein hält, wartete in der Sitzung des VG-Rats mit einer neuen Idee auf: Es solle die bisherige „Ein-Feld-Halle“ zu einer deutlich größeren Zwei-Feld- Halle ausgebaut werden. Um hohe Investitionskosten zu vermeiden, die den Etat stark belasten, sollte das Vorhaben im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert werden. Vorbild sollte der Kindergarten „Kleine Helden“ sein, den die Stadt Gerolstein vor Jahren im Rahmen einer solchen Kooperation erfolgreich gebaut hatte.

So sagte Georg Linnerth, Vorsitzender der SPD-Fraktion: „Eine Sanierung der bestehenden Halle ist für zukunftsweisenden Sportunterricht weder sinnvoll noch akzeptabel, denn sie bringt keinen Mehrwert. Ich halte es für fahrlässig, so viel Geld in ein marodes System zu stecken. Die Halle ist zu klein. Daher plädieren wir für einen Ausbau des bestehenden Baukörpers zu einer Zwei-Feld-Halle.“

Bernd May, ehemaliger Stadtbürgermeister von Gerolstein, der damals die Realisierung des Kita-Projekts in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft initiiert hatte, fügte hinzu: „So könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens hätten wir eine große und zukunftsfähige Halle, die uns nach Ende der Laufzeit in ordentlichem Zustand übergeben würde, und zweitens würden wir nur relativ kleine monatliche Leasingraten bezahlen, anstatt den Etat mit einer hohen Investitionssumme zu belasten.“

Der Vorschlag wurde jedoch mit acht zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Vor allem CDU, FWG, Grüne, FDP sowie der Beauftragte Matthias Pauly (CDU) waren dagegen. Sie führten unter anderem als Argument ins Feld, dass in der Fusionsvereinbarung mit Hillesheim und der Oberen Kyll entschieden worden sei, dass über große neue Bauvorhaben erst der Rat der neuen Groß-Verbandsgemeinde Gerolstein entscheiden solle, die ab 1. Januar 2019 entsteht. „Und ein solches Vorgehen würde dem Geist der Fusionsvereinbarung klar widersprechen“, sagte Pauly.

FWG-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Peters meinte ebenso wie sein CDU-Kollege Klaus Schildgen, „dass wir einen Neubau nicht hinbekommen werden“. Denn: Das Land gibt für das Turnhallen-Projekt so gut wie keine Zuschüsse, da es weder für eine Generalsanierung noch für einen Neubau eine Notwendigkeit sieht. „Und das ist das eigentliche Politikum“, sagte Peters, wollte die alte Debatte aber nicht wieder lostreten.

Schulleiter Günter Mehles, der von jeher einen Neubau favorisiert hatte, da er die derzeitige Halle für deutlich zu klein hält, zeigte sich enttäuscht: „Ich respektiere, dass sich alle sehr viele Gedanken gemacht haben. Dennoch hatte ich gehofft, dass sich die SPD mit ihrem Vorschlag durchsetzt. Denn die jetzt getroffenen Entscheidung ist die falsche Entscheidung, da die Halle zu klein für angemessenen Sportunterricht ist. Der Realschulsport hat offensichtlich keine allzu große Lobby.“