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Stolpersteine erinnern an Gerolsteiner Nazi-Opfer

Künstler Gunter Demnig verlegt neue Stolpersteine. Tv-Foto: alwin Ixfeld
Künstler Gunter Demnig verlegt neue Stolpersteine. Tv-Foto: alwin Ixfeld
Gerolstein. Neun weitere Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig in Gerolstein verlegt. Sie erinnern wie die bereits vier im Vorjahr verlegten Steine an die Ermordung jüdischer Bürger aus der Brunnenstadt durch die Nazis. 40 Gäste begleiteten die Aktion des Forums Eine Welt vor drei Häusern.

Gerolstein. "Da, wo es angefangen hat, das Grauen - das waren die Wohnungen", erklärt Gunter Demnig. Der Kölner Künstler spricht vom Holocaust und seiner Idee, vor den Wohnhäusern der Opfer Gedenksteine anzubringen. Rund 38 000 Stolpersteine hat er in den vergangenen zwölf Jahren europaweit verlegt. Jeder der zehn Zentimeter großen Betonquader erinnert auf einer Messingplakette an einen Menschen und daran, was die Nazis ihm angetan haben. "Hier wohnte Fritz Mansbach, Jahrgang 1897, deportiert 1943, Auschwitz, ermordet 3. 3. 1943" steht auf einem der Steine vor einem Haus in der Bahnhofstraße. Daneben liegen die Stolpersteine seiner Frau Rosa und die ihrer Kinder Ingeborg und Horst. Alle wurden am gleichen Tag umgebracht. "Das ist für mich ein persönlicher und bewegender Moment, weil meine Eltern das Haus hier damals gekauft haben", sagt eine Teilnehmerin und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
"Die mehr als 60 Gerolsteiner Juden haben ja nicht in einem Ghetto gelebt, sie waren voll integrierte Bürger", betont Karl-Heinz Böffgen. Er hat gemeinsam mit dem Forum Eine Welt für das Buch "Gegen das Vergessen" die Schicksale jüdischer Gerolsteiner recherchiert.
"Es muss heißen: Nie Wieder!", betont Hans-Martin Stüber, ehemaliger evangelischer Pfarrer in Gerolstein. AIX
Extra

Künstler Gunter Demnig hat in zwölf europäischen Ländern in 811 Orten seine Stolpersteine verlegt. Was Mitte der 1990er Jahre in Berlin als illegale Kunstaktion begann, stößt mittlerweile auf breite Zustimmung bei Kommunen und Hausbesitzern. So hätten die Gerolsteiner Stadtarbeiter gute Vorarbeit geleistet, lobt Demnig. AIX