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Verkehr
Strom statt Diesel: Die Eifelstrecke wartet auf das neue Zeitalter

Dilemma auf den zweiten Blick: Am Bahonhof Jünkerath erscheint alles modern. Doch die Stromkabel über den Gleisen fehlen, so wie auf der gesamten Eifelstrecke bis nach Trier.
Dilemma auf den zweiten Blick: Am Bahonhof Jünkerath erscheint alles modern. Doch die Stromkabel über den Gleisen fehlen, so wie auf der gesamten Eifelstrecke bis nach Trier. FOTO: Fritz-Peter Linden
Gerolstein. Die Bundesregierung hat zwar eine Initiative für die Elektrifizierung von Bahnstrecken angekündigt. Die Region könnte dabei allerdings leer ausgehen. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

In einigen Jahren könnte für Bahnkunden die Fahrt von der Eifel nach Köln beschwerlicher werden. Wenn die elektrisch betriebene S-Bahn, wie geplant, von der Metropole in Nordrhein-Westfalen bis nach Kall weitergeführt wird, ist dort Umsteigen angesagt. Denn auf den folgenden 164 Kilometern der Eifelstrecke fahren die Loks noch mit Diesel. Für Landrat Heinz-Peter Thiel ist dieses Szenario ein Schreckgespenst. „Ohne die Elektrifizierung der Eifelstrecke gerät der ländliche Raum in eine noch größere Schieflage zum Ballungszentrum“, ist er überzeugt.

Der Landrat Natürlich stören den Verwaltungschef auch die Abgase der Dieselloks, die technisch in etwa den Motoren der Abgasnorm 2 bei Autos entsprechen. „Das erfüllt mich mit Sorge. Vor allem aber ist die umfassende Modernisierung der Bahnstrecke wichtig, um die Strukturentwicklung nicht zu gefährden. Die Mobilität auf der Schiene ist wichtig für unsere Wirtschaft und auch für den Tourismus.“ Nicht zuletzt sei es auch für Berufspendler wichtig, von Gerolstein bis Köln eine schnelle und saubere Zugverbindung zu bekommen.

Der Verband Mit diesem Plädoyer für eine möglichst rasche Elektrifizierung zumindest eines Teils der Eifelstrecke steht Thiel nicht allein. Auch der für den Schienennahverkehr zuständige Zweckverband SPNV Nord hat sich in seiner letzten Versammlung klar dafür ausgesprochen, mittelfristig die Dieselloks durch Züge zu ersetzen, die mit Strom betrieben werden (TV vom 8. August). Der Ende Januar aus dem Amt scheidende Verbandsdirektor Thomas Geyer warnte in dieser Sitzung, es bestehe die Gefahr, dass künftig keine oder weniger durchgängige Züge von Trier nach Köln fahren. Eine Machbarkeitsstudie soll nun drei Varianten untersuchen: die vollständige Elektrifizierung der Eifelstrecke, eine teilweise Elektrifizierung von Köln bis Gerolstein und die kleine Variante von Köln bis Kall.

Der Bund Angesicht der hohen Kosten von bis zu drei Millionen Euro pro Kilometer Schiene kann jeder größere Ausbau nur mit Unterstützung des Bundes erfolgen. Maßgeblich ist dabei der Bundesverkehrswegeplan. So hat die Bundesregierung zwar angesichts des Dieselskandals das Ziel formuliert, den Anteil der elektrifizierten Bahnstrecken von derzeit 60 auf 70 Prozent zu erhöhen. In der Liste der als vorrangig bewerteten Projekte ist Rheinland-Pfalz derzeit allerdings nicht. Ob die Eifelstrecke aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums in die Riege der Projekte mit potenziellem Bedarf aufgenommen wird, ist noch nicht abschließend bewertet.

Das Land Die Landesregierung in Mainz beantwortet Fragen des Trierischen Volksfreunds zu einem Ausbau der Verbindung zwischen Trier-Ehrang und Landesgrenze mit Verweis auf Berlin: „Die Landesregierung sieht die weitere Elektrifizierung von Bahnstrecken als sehr wichtig und sinnvoll an“, sagt die Sprecherin von Verkehrsminister Volker Wissing. „Größere Infrastrukturmaßnahmen wie die Elektrifizierung von Bahnstrecken sind jedoch in allen Bundesländern ohne ein Bundesprogramm nicht möglich.“ Hinweise zur zeitlichen und inhaltlichen Ausgestaltung des Elektrifizierungsprogramms gebe es von Seiten des Bundes allerdings noch nicht.

Wie Pressesprecherin Nicola Diehl bestätigt, sieht die Landesregierung die Eifelstrecke grundsätzlich als Kandidaten für einen Ausbau. Darüber gebe es einen intensiven Austausch mit den politischen Gremien in Nordrhein-Westfalen. „Wir wollen hier zu einem gemeinsamen ländergrenzüberschreitenden Vorgehen kommen.“ Anhand von Gutachten lasse das Land die Möglichkeiten und Potentiale zur Elektrifizierung rheinland-pfälzischer Strecken prüfen. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2019 vorliegen. Wichtig sei es, dabei die gesamte Eifelstrecke zu betrachten. „Eine isolierte Lösung für einzelne Abschnitte würde keinen Sinn ergeben.“

Die Diskussion Landrat Heinz-Peter Thiel treibt derweil die Sorge, dass die Zeit davonläuft. „Es ist wichtig, dass alle Akteure aus unserer Region ein deutliches Signal senden: Wir stehen geschlossen für die Elektrifizierung der Eifelstrecke.“ Bei einer Diskussionsveranstaltung am Freitag, 19 Uhr, im Lokschuppen Gerolstein (siehe Info-Kasten oben rechts) sollen deshalb alle Argumente intensiv abgewogen werden, die für oder auch gegen einen Ausbau sprechen.

Zumindest die Podiumsgäste werden dann schon einmal gehörig unter Strom stehen.