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Auszeichnung
„Wir lassen nicht nach“

 Als Lehrer im Ruhestand, aber für ihr Dorf und darüber hinaus aktiv wie eh und je: das Ehepaar Wolfgang und Thea Merkelbach.
Als Lehrer im Ruhestand, aber für ihr Dorf und darüber hinaus aktiv wie eh und je: das Ehepaar Wolfgang und Thea Merkelbach. FOTO: Brigitte Bettscheider
Pelm. Thea und Wolfgang Merkelbach aus Pelm werden am 22. Januar mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Seit Jahrzehnten sind sie für ihre  Heimat tätig. Von Brigitte Bettscheider

„Das Klima hier bekommt Ihnen nicht. Besser wäre es, wenn Sie in die Eifel oder an die Nordsee umziehen“:

Diese Empfehlung gab ein Arzt Thea Merkelbach vor 50 Jahren. Damals war die junge, gesundheitlich angeschlagene Lehrerin Mutter von drei kleinen Kindern und lebte mit ihrem Mann Wolfgang im rheinhessischen Alzey. Die Entscheidung wurde rasch getroffen. Gab es doch einen Bezug zur Eifel, denn Thea Merkelbach stammt aus Gönnersdorf.

Zum Schuljahresbeginn im Sommer 1969 zog die Familie nach Gerolstein um. Thea Merkelbach nahm das Unterrichten an der damaligen Volksschule (heute Realschule plus) auf, Wolfgang Merkelbach an der Sonderschule für Lernbehinderte (heute Hubertus-Rader-Förderzentrum). Seit 1975 leben die Merkelbachs in ihrem Haus in Pelm – mit Burgblick.

  Wolfgang Merkelbach stammt aus Planig bei Bad Kreuznach. Beim Studium in Trier lernte sich das Paar kennen. Die Hochzeit war 1962. Seit 1999 sind sie im Ruhestand. Zumindest beruflich. Denn zu tun haben die beiden - sie 80, er 79 - immer was. Im Haus und im Garten sowieso. Sie haben drei Enkelkinder. Und sind sehr interessiert an der Geschichte ihrer Heimat.

   So hat die Ortsgemeinde unter der Federführung von Thea Merkelbach seit 2008 fünf Bände mit „Pelmer Geschichte(n)“ herausgegeben: Die Mühlen, Wald & Flur, Die Bauern und das liebe Vieh, Sprudel & anderes Wasser, Pelm in Kriegs- und Nachkriegszeiten von 1994 bis 1930. Der sechste Band sei zu 80 Prozent fertig, erzählt Thea Merkelbach. Spätestens im kommenden Jahr soll der Band über die Zeitspanne von 1933 bis 1945 erscheinen.

  Wolfgang Merkelbach widmet sich besonders den Einzelschicksalen, die bei den Recherchen seiner Ehefrau immer wieder ans Licht kommen. An der Seite seiner Frau setzte er sich Ende der 1990er Jahre für die Restaurierung des Denkmals für die Opfer des Eisenbahnunglücks ein.

Zehn Soldaten waren im Mai 1897 ums Leben gekommen und viele Fahrgäste verletzt worden, als bei Pelm sieben Waggons entgleisten. Thea Merkelbach rief einen Arbeitskreis zur Rettung des maroden Denkmals ins Leben, schaltete den Denkmalschutz ein, sammelte Geldspenden.

„Keine Stelle fühlte sich zuständig“, erinnert sich Thea Merkelbach. „Das Unglück führte letztlich dazu, dass in Gerolstein ein Krankenhaus gebaut wurde“, betont Wolfgang Merkelbach. Schließlich gelang 2003 die Restaurierung durch tatkräftige Unterstützung der Reservistenkameradschaft Gerolstein.

   Oder der Absturz eines amerikanischen Jagdbombers am Pelmer Felsengelände „Hustley“. Wolfgang Merkelbach verfasste eine Broschüre über das Ereignis im September 1944, das den Piloten das Leben kostete.

Er hielt darüber einen viel beachteten Vortrag und war der Initiator des Gedenksteins, der inzwischen in der Nähe der Absturzstelle errichtet wurde.

   Mit dem sichtbaren Gedenken an die 1943 in Gerolstein verstorbene französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr sind die Merkelbachs zurzeit beschäftigt. Nachdem Wolfgang Merkelbach ihr Schicksal dokumentiert und es in Gerolstein und an der Gedenkstätte SS-Sonderlager Hinzert bei Trier vorgetragen hat, soll es bald vor dem Heimatmuseum in Gerolsteins Sarresdorfer Straße ein Denkmal für Marcelle Dorr und die weiteren 63 ausländischen Kriegstoten geben.

Und wenn die beiden beteuern: „Wir lassen nicht nach, wir werden nicht arbeitslos“, denken sie an das dem 1870 ums Leben gekommenen Franzosen gewidmete Kreuz auf dem Sarresdorfer Friedhof, an die Gedenktafel in der Schlucht im „Schankrech“, wo im Kriegswinter 1944/45 zehn Pelmer Familien nach der Bombardierung ihres Dorfs Unterschlupf fanden, an die Schiefertafeln mit den alten Pelmer Hausnamen, an den Platz in der Ortsmitte, auf dem neuerdings ein mittelalterlicher Mühlstein, eine Eisenkrone und zwei Steine aus der Römerzeit an die Geschichte Pelms erinnern.