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TV-Forum zur Bürgermeisterwahl in Gerolstein
Fünf Herren, riesige Resonanz

Viel Publikum, großes Interesse: 550 Besucher kamen zum TV-Forum im Rondell Gerolstein.
Viel Publikum, großes Interesse: 550 Besucher kamen zum TV-Forum im Rondell Gerolstein. FOTO: Fritz-Peter Linden
Gerolstein. In vielem ähnlich, in Nuancen aber unterschiedlich: Die fünf Bürgermeister-Kandidaten der neuen Verbandsgemeinde Gerolstein haben sich beim TV-Forum einem Rekordpublikum präsentiert. Und zu Lachen gab’s auch. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Sie stellen noch Stühle rein: So groß ist das Interesse an dem, was die fünf Herren zu sagen haben, die am Sonntag Bürgermeister der neu fusionierten Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein werden wollen. TV-Forum zur Wahl, das Rondell in Gerolstein ist dicht besetzt, mit 550 Zuhörern aus allen drei Verbandsgemeinden, die bald eine Einheit bilden und mit mehr als 31 000 Bürgern die größte VG weit und breit sein werden.

Auf der Bühne: Zwei TV-Redakteure und fünf Kandidaten. Lauter Kerle, Frauen kommen nur in der dritten Person vor: „Du bist richtig bescheuert“, habe seine Gattin gesagt, als er ihr seine Kandidatur gestanden habe, erzählt Hans-Jürgen Breuer, Ex-Ortsbürgermeister von Hallschlag am äußersten Zipfel der neuen VG. Der Saal lacht – das wird noch öfter passieren, wenn Breuer spricht. Warum er antrete? Weil er gedacht habe, dass sich „eh keiner aus der VG Obere Kyll dazu entschließen wird“, sagt der 59-jährige auf die Frage von Redakteur Stephan Sartoris. Er habe zudem „ein ganz anderes Format“ als seine Mitbewerber. Ein parteiengesteuertes „Postengeschacher“ werde es mit ihm als VG-Chef nicht geben.

Gute Laune in der Fünfer-Runde: Am Sonntag entscheidet sich, ob es einen zweiten Wahlgang mit dann nur noch zwei Berwerbern gibt. Von links: TV-Redakteur Mario Hübner, Gerald Schmitz (CDU), Dietmar Johnen (Bündnis 90/Die Grünen), Hans Peter Böffgen (unabhängig), Martin Gräf (FDP), Hans-Jürgen Breuer (unabhängig) und TV-Redakteur Stephan Sartoris.
Gute Laune in der Fünfer-Runde: Am Sonntag entscheidet sich, ob es einen zweiten Wahlgang mit dann nur noch zwei Berwerbern gibt. Von links: TV-Redakteur Mario Hübner, Gerald Schmitz (CDU), Dietmar Johnen (Bündnis 90/Die Grünen), Hans Peter Böffgen (unabhängig), Martin Gräf (FDP), Hans-Jürgen Breuer (unabhängig) und TV-Redakteur Stephan Sartoris. FOTO: Fritz-Peter Linden

Jugend als Tugend: Teil des Programms von FDP-Mann Martin Gräf. 31 ist er, seit einem Jahr in der Partei, und er verweist darauf, dass es nicht die Jungen gewesen seien, die an den aktuellen Problemen Schuld hätten. Den Patzer zu Beginn (er wolle Bürgermeister „der VG Daun“ werden), verzeiht ihm das Publikum gern, nachdem er das sofort korrigiert.

TV-Forum im Rondell Gerolstein.
TV-Forum im Rondell Gerolstein. FOTO: Fritz-Peter Linden

Dietmar Johnen (52, Bündnis 90/Die Grünen) verweist auf seine Erfahrung als Landtagsabgeordneter, auf seine Kontakte in die Landesregierung, nach Berlin und Brüssel. Er habe als einziger das Handwerkszeug, das der VG-Chef benötige: „Ich brauche keinen Dritten, der mir die Tür öffnet.“

Hans Peter Böffgen.
Hans Peter Böffgen. FOTO: Fritz-Peter Linden

Polizist, Jurist und CDU-Kandidat Gerald Schmitz, 34 Jahre, ist der festen Überzeugung, dass die fusionierte Verbandsgemeinde „in acht Jahren viel besser da stehen wird als jetzt“, sagt er. Solange man auf die Gemeinschaft setze: „Zusammen sind wir stark“, lautet sein Appell.

Hans-Jürgen Breuer.
Hans-Jürgen Breuer. FOTO: Fritz-Peter Linden

Hans Peter Böffgen (53), ebenfalls unabhängig, aber von der SPD unterstützt, nennt seine Qualifikationen: „Kompetent, qualifiziert, verlässlich, erfahren.“ Und er sagt einen Satz, der vor allem den vielen Besuchern von der Oberen Kyll gut runtergeht: Er werde sich besonders um die Gemeinden dort kümmern, „die sich ein anderes Ergebnis der Fusion gewünscht hätten“.

Martin Gräf.
Martin Gräf. FOTO: Fritz-Peter Linden

Dass alle eine starke VG mit effektiver Verwaltung wollen – geschenkt. Unterschiede gibt es trotzdem: Die neue Kommune soll Kosten einsparen. Braucht sie also, fragt TV-Redakteur Mario Hübner, einen hauptamtlichen und 7000 Euro im Monat verdienenden Beigeordneten? Böffgen erinnert daran, dass in der Fusionsvereinbarung das Recht der VG stehe, einen solchen Beigeordneten zu bestimmen. Er aber sei überzeugt, „im Team zurecht zu kommen“ – und den Posten einsparen zu können.

Dietmar Johnen.
Dietmar Johnen. FOTO: Fritz-Peter Linden

„Die VG wird riesig sein“, sagt hingegen Martin Gräf, also könne er sich vorstellen, dass er als Bürgermeister die Hilfe eines Beigeordneten brauche. Die Entscheidung aber wolle er „dem Rat überlassen“.

Gerald Schmitz.
Gerald Schmitz. FOTO: Fritz-Peter Linden

„Die Fusion macht nur Sinn, wenn sie Kosten spart“, sagt Gerald Schmitz. Aber auch er will letztlich den Rat – der am Sonntag ebenfalls gewählt wird – über den Posten bestimmen lassen. Gern „mit einer starken CDU-Fraktion“ im Rücken.

TV-Forum im Rondell Gerolstein.
TV-Forum im Rondell Gerolstein. FOTO: Fritz-Peter Linden

Dietmar Johnen setzt auf das „super Verwaltungspersonal. Die Aufgabe können diese Leute übernehmen. Und dann können wir uns vielleicht den Grußonkel ersparen.“

Und Breuer? Hält sich mit der Frage nicht auf. Er werde sich umgehend „mit den Abteilungs- und Büroleitern zusammensetzen“, sagt er. Für Bürger und Gemeinden müssten „sofort die Diensteistungen zur Verfügung stehen wie bisher. Da muss jeder sofort anspringen.“ Er hoffe nur, „dass man mich nicht mobbt“.

Schulen schließen? Will keiner. Bürgerbüros in den Rathäusern von Hillesheim und Jünkerath? Wollen alle. Bürgernähe? Klaro. Die Digitalisierung antreiben? Dito.

Da ist dann der Liberalen-Kandidat („Wir sind die Digitalisierungspartei“) ganz zu Hause: Lieber Daten durch die Landschaft schicken als Leute, sagt Gräf.

Aus dem Publikum kommt die Frage nach dem Gesteinsabbau: Was für die nächsten 30 Jahre projektiert sei, müsse genügen, finden die fünf. Allerdings sieht dann Gerald Schmitz den Bürgermeister doch eher als Moderator eines Interessenausgleichs zwischen Unternehmern und Naturschützern. Johnen nicht: „Der Tourismus bringt uns viel mehr Geld in der Region als der Gesteinsabbau.“ Und Böffgen sieht sich in der Pflicht, „der nächsten Generation die Vulkaneifel so zu übergeben, wie wir sie kennen“.

Weitere Themen aus dem Publikum: Jugend und Senioren. Die ältere Generation, sagt Böffgen, wolle „sich einbringen und engagieren“, das sei eine große Chance. „Das werden wir in der VG unterstützen.“ Breuer geht weiter – und findet überraschend Zustimmung bei Schmitz mit seiner Forderung, die älteren Semester so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu lassen. Auch die Jungbürger wollen alle fördern – Johnen sogar mit einem Jugendparlament, wie es bereits die VG Arzfeld im Nachbarkreis praktiziert.

Und was sagt das Volk? Dass sich alle gut geschlagen haben, hört man hinterher in vielen Gesprächen. Georg Mäschig aus Gerolstein hat zwar schon per Brief gewählt, sieht sich aber nach diesem Abend in seiner Entscheidung bestätigt.

Und Doris Schöppner aus Hillesheim „war vorher noch ein bisschen zwiegespalten. Aber ich bin für mich heute zum Ergebnis gekommen, wen ich wähle.“ Ach ja: „Und die Sache hatte einen hohen Unterhaltungswert.“

Schlusswort von Mario Hübner: „Gehen Sie zur Wahl. Nutzen Sie Ihre demokratischen Rechte, die heutzutage von vielen Gruppierungen torpediert werden. Applaus bei den 550 Besuchern. Am Sonntag gilt’s.