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Kommunalpolitik
Wahl ist vorbei, viele Fragen offen

Da hatten alle noch gut lachen, nach der Wahlniederlage von Bürgermeisterkandidat Gerald Schmitz (rechts) und dem Ärger innerhalb der FWG und den Grünen ist die Freude bei den Sansibar-Koalitionären getrübt (von links): Tim Steen (Grüne), Karin Pinn (FWG), Klaus Schildgen (CDU).
Da hatten alle noch gut lachen, nach der Wahlniederlage von Bürgermeisterkandidat Gerald Schmitz (rechts) und dem Ärger innerhalb der FWG und den Grünen ist die Freude bei den Sansibar-Koalitionären getrübt (von links): Tim Steen (Grüne), Karin Pinn (FWG), Klaus Schildgen (CDU). FOTO: TV / Mario Hübner
Gerolstein/Hillesheim/Jünkerath. Bei Mitgliedern von FWG und Grünen herrscht Gesprächsbedarf zur Sansibar-Koalition mit der CDU. Deshalb laden beide Gruppierungen zu Versammlungen ein, die Grünen öffentlich, die FWG nichtöffentlich. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Die Bürgermeisterwahl in Gerolstein ist seit fast einer Woche entschieden, heiß diskutiert wird sie  noch immer. Das gilt vor allem für die FWG und die Grünen. Etliche Mitglieder der Freien Wähler fühlen sich getäuscht und verweisen auf die Versammlung im Sommer in Birgel. Dort war entschieden worden, dass die FWG keinen Kandidaten unterstützt. Auch im Grünen-Kreisverband gibt es Redebedarf über die Entscheidung des Gerolsteiner Ortsverbandsvorstands. Denn: Die Sansibar-Koalition, die sich gut eine Woche vor der Bürgermeister-Stichwahl gebildet hatte, hat sich auch für eine Unterstützung des CDU-Kandidaten Gerald Schmitz ausgesprochen. (Der TV berichtete über das blau-schwarz-grüne Bündnis, das die Farben der Flagge von Sansibar hat, einer Inselgruppe nahe Ostafrika.)

Und deshalb soll es nun sowohl bei den Freien Wählern als auch bei den Grünen erstmals in dieser Sache bei Kreismitgliederversammlungen zur Aussprache kommen – bei den Grünen bereits am  Montag, 12. November, ab 20 Uhr, im Seehotel in Gerolstein und bei der FWG am Donnerstag, 22. November, in der Championsbar in Gerolstein.

So weit die Parallelen. Doch im Umgang mit dem Thema zeigen sich große Unterschiede. Während bei der Öko-Partei laut Kreisgeschäftsführer Dietmar Johnen „Kreismitgliederversammlungen grundsätzlich öffentlich und alle Interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen sind“, will die FWG nach Worten ihrer Kreisvorsitzenden Karin Pinn lieber unter sich bleiben. Sie sagt: „Die Zusammenkunft wird nicht öffentlich sein, da wir uns untereinander aussprechen wollen, ohne dass es in der Zeitung breitgetreten wird.“ Auch über die Gespräche mit den Spitzen von CDU (Klaus Schildgen) und Grünen (Dietmar Johnen), die es nach der Wahl gegeben hat, will sie nichts sagen. Grünen-Frontmann Johnen ist da offener. Er sagt: „Ich habe mit Klaus Schildgen und Karin Pinn nach der Wahl telefoniert, und da haben wir unsere Zusammenarbeit bestätigt – ungeachtet des Ausgangs der Bürgermeisterwahl.“ Denn: Der von der Sansibar-Koalition favorisierte Kandidat Gerald Schmitz hat letztlich gegen den parteilosen Kandidaten Hans Peter Böffgen verloren.

Weiterer Unterschied: Während FWG-Frontfrau Pinn den Wahlsieger bislang nur per Mail beglückwünschen konnte und meinte, „mit Herrn Böffgen werde ich auch noch sprechen“, hatte Johnen bereits Gelegenheit, dem Wahlgewinner persönlich zu gratulieren (am Wahlabend im Rathaus) und ihn wenige Tage danach anzurufen und mit ihm zu sprechen. Er berichtet: „Er hat mich gefragt, was ich mir wünsche beziehungsweise wie ich an seiner Stelle nun vorgehen würde. Und da habe ich ihm vorgeschlagen, zeitnah  die Vertreter aller Gruppierungen des neuen VG-Rats zu einem Gespräch einzuladen – am besten bei einem Glas Bier.“

Zudem habe man darüber gesprochen, wie er, Johnen, sich eine gemeinsame Zusammenarbeit vorstellen könne. Und, das betonte der Grünen-Frontmann: „Von uns wird es auf keinen Fall eine Blockadepolitik gegenüber dem Bürgermeister geben.“

Zur Stimmung innerhalb seiner Partei und der Grünen-Wählerschaft meinte Johnen: „Die Kritik an der Sansibar-Entscheidung, die eine autonome Entscheidung des Gerolsteiner Ortsvereinsvorstands war, hält sich in Grenzen.“ Er habe diesbezüglich zwei Anrufe und drei Mails erhalten, „von denen ich bis auf einen alle Absender von unserem Handeln überzeugen konnte“. Die Kritik habe sich auch überwiegend darum gedreht, dass die Entscheidung innerhalb des Ortsverbands schlecht kommuniziert worden war. „Das hätten wir in der Tat besser machen müssen“, sagt er.

Zur Stimmung innerhalb der FWG, wo sich teils vehemente Kritik an der Unterstützung des CDU-Kandidaten entfacht hatte und der FWG-Vorsitzenden ein Alleingang unterstellt worden war, wollte Karin Pinn aktuell nichts sagen. Vielmehr verwies sie auf ihren Stellvertreter Jörg Leclaire, mit dem sich nun die Kommunikation nach außen teile. Der sagte: „Einige waren nicht so glücklich: über die Entscheidung und ihr eigenes Abschneiden bei der Wahl. Durch die Äußerungen dieser Untergruppe aus Gerolstein und der Berichterstattung des TV sind die Wogen hochgegangen. Diese gilt es nun wieder zu glätten und das Chaos geordnet zu bekommen.“

Vor allem aber betonte er: „Der Kreisvorstand sowie die FWG-Fraktionen des Kreistags und der neuen VG Gerolstein stehen voll und ganz hinter der Vorsitzenden und haben ihr das Vertrauen ausgesprochen.“

Auf die Frage, ob es bereits Austritte aus der FWG gegeben habe, antwortete Leclaire: „Ich weiß bislang von keinem.“