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Weniger Salz versüßt die Bilanz

Demnächst kann’s rutschig werden: Gerolstein will seinen Winterdienst aus Kostengründen einschränken.TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
Demnächst kann’s rutschig werden: Gerolstein will seinen Winterdienst aus Kostengründen einschränken.TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
GEROLSTEIN. Da sind gute Winterreifen gefragt: Die Stadt Gerolstein reduziert ihren Winterdienst, um Kosten zu senken und die Stadtarbeiter im Sommer effektiver einsetzen zu können. ARRAY(0x17560150)

Frau Holle hält wieder Hausputz. Es kann nicht mehr lange dauern, dann sind auch die Kissen dran. Schließlich haben ihre Vorboten Frost und Frühnebel bereits ihren ersten Dienst für diese Saison verrichtet. Da wird der Schnee nicht mehr lange auf sich warten lassen. Daher ist es Zeit, dass sich nicht nur Frau Holle, sondern auch die Stadt Gerolstein um ihren Haushalt kümmert und sich den Posten "Winterdienst" etwas genauer anschaut. Helfer-Liste liegt im Rathaus

Und Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz (CDU) hat da auch schon eine Idee: "Wir reduzieren die Winterdienst-Leistungen der Stadtarbeiter." Man werde im Winter zwar noch die Straßen und Wege rund um wichtige Stellen wie an Schulen und Krankenhäusern sowie besonders steile Straßen räumen und streuen. Doch an anderen Stellen werde nur noch geräumt. "Es lässt sich ja auch auf einer festen Schneedecke gut fahren", sagt Stadtbürgermeister und Fahrlehrer Schwartz. Die Nachbarstädte Prüm und Hillesheim würden es nicht anders handhaben - und da funktioniere es auch. Mit diesem neuen Plan schlägt Schwartz zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens bringe diese Lösung der Stadt eine gewisse finanzielle Ersparnis durch weniger Materialkosten. "Die Salzpreise sind in den vergangenen beiden Jahren explodiert", berichtet der Stadtbürgermeister. Nun erhoffe er sich durch das reduziertere Streuen eine Ersparnis von rund einem Viertel bis einem Drittel des bisherigen Streumaterials. Zur Einschätzung: Laut Angaben von Bauabteilungsleiter Klaus Jansen wurden im Haushaltsjahr 2004 rund 21 000 Euro für Streusalz ausgegeben, im darauf folgenden Jahr 34 000 Euro. 500 Euro weniger sind im aktuellen Haushaltsjahr veranschlagt. "In den vergangenen beiden Jahren hatten wir harte Winter. Das wurde uns teuer", blickt Schwartz zurück. Da man aber noch nicht wissen könne, wie der kommende Winter wird, sei es schwierig abzuschätzen, wie viel Geld diese neue Winterdienst-Regelung in die Stadtkasse schwemme. Zweitens sollen die Arbeits- und Urlaubszeiten der Stadtarbeiter besser verteilt werden. Zur kalten Jahreszeit sollen sie Überstunden angesammelt haben, die sie dann im Sommer - wenn die Touristen in der Stadt sind - einlösten, sagt Schwartz. Um diese Zeiten in den Griff zu bekommen, seien auch freiwillige Dienste wie Streuen vor Häusern älterer Menschen "kein Thema mehr" für die Stadt. In diesem Zusammenhang verweist Schwartz auf die Helferliste, die im Rathaus ausliegt. Dort bieten zurzeit sechs Freiwillige ihre Helfer-Dienste an. Zudem gebe es, so Schwartz weiter, zwei Privatfirmen, die solche Aufgaben wie Räumen von Bürgersteigen kostengünstig übernehmen. Zusätzlicher Stadtarbeiter

Karl Heinz Knobloch, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Gerolstein, zeigt sich einverstanden mit dieser neuen Regelung. Wenn es schneie, seien in der Regel die Hausbesitzer in der Pflicht, meint Knobloch: "Und Hausbesitzer sind normalerweise keine armen Leute." Zudem handele es sich nur um kleine Räum-Arbeiten, die im ganzen Jahr nur wenige Stunden in Anspruch nähmen. Und auch wenn die Stadtarbeiter nun im Winter weniger streuen müssen, so bleibt dennoch viel Arbeit übrig. "Wir haben immer mehr Veranstaltungen auch am Wochenende", sagt Schwartz. Ebenso nähmen die Größe der Grünflächen, die durch Vandalismus verursachten Beschädigungen und die Müllbeseitigung zu - Arbeiten, die für neun An- gestellte in Zukunft kaum zu bewältigen sein werden. "Im Sommer wird uns eine Kraft feh- len", sagt Schwartz. Schon jetzt leihe man im Frühjahr einen Mitarbeiter aus dem Forstbereich für Arbeiten in der Stadt aus. Doch bald müsse man eine wei- tere, zehnte Arbeitsstelle schaffen, um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein.