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"Wie gut, dass es euch gibt"

Bernd Liebler (vorn, Zweiter von links) mit Ehrenamtlichen aus den Fahrer- und Sortier-Teams. Liebler ist der Vorsitzende des Vereins Dauner Tafel. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Bernd Liebler (vorn, Zweiter von links) mit Ehrenamtlichen aus den Fahrer- und Sortier-Teams. Liebler ist der Vorsitzende des Vereins Dauner Tafel. TV-Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"
Daun. Seit zehn Jahren hilft die Dauner Tafel Bedürftigen im Landkreis Vulkaneifel. Anlass für einen Tag der offenen Tür und einen Jubiläumsempfang. Und für einen Rückblick des TV mit Bernd Liebler, Tafel-Mitarbeiter seit der ersten Stunde. Brigitte Bettscheider

Daun Ja, Kritik sei laut geworden bei der ersten öffentlichen Veranstaltung zum Thema Tafel im Dauner Forum ein Dreivierteljahr vor der Eröffnung. Bedürftige zu versorgen, sei Aufgabe des Staates und nicht Aufgabe von Ehrenamtlichen: An diesen Einwand erinnert sich Bernd Liebler sehr gut. Gleichzeitig betont er: "Die Resonanz auf die Einladung des Caritasverbands Westeifel war überwältigend, und die meisten Teilnehmer waren gekommen, um die Idee zu unterstützen."
Eine Tafel zu führen, das bedeutet, überschüssige, aber noch brauchbare Lebensmittel einzusammeln und an Empfänger kleiner Renten, Bezieher von Arbeitslosengeld I und II, Bezieher von Grundsicherung sowie Flüchtlinge und Asylsuchende auszugeben.
Zehn Jahre sind es nun her, seit die Tafel in Daun in Trägerschaft des Caritasverbands Westeifel und mit Karin Knötgen als Koordinatorin eröffnet und von Stephan Ackermann, damals noch Weihbischof, eingeweiht wurde. Seit dem 1. Januar 2016 ist die Tafel als Verein selbstständig tätig. Landrat Heinz-Peter Thiel ist der Schirmherr. Gemeinsam mit dem Vorstand lädt er anlässlich des Zehnjährigen am 8. November von 16 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür in die Maria-Hilf-Straße 3 und am 17. November um 16 Uhr zum Empfang ins Forum ein.
Von der Idee und dem Sinn der Tafel ist Bernd Liebler nach wie vor überzeugt. "Brauchbare Lebensmittel wegzuwerfen, ist eine Schande", meint der 76-Jährige, der als Soldat 20 Jahre lang am Dauner Bundeswehr-Standort die EDV leitete. Von Anfang an brachte Liebler seine Arbeitskraft bei der Tafel ein: schon als Helfer bei der Herrichtung des Ladens und beim Aufbau der Organisation, dann als Leiter des Büroteams und seit knapp zwei Jahren als Vorsitzender des Vereins.
Während er an diesem Mittwochvormittag im Büro erzählt, woher die Waren stammen und welche Aufgaben die mehr als 60 Ehrenamtlichen haben, kommt Leben in den Laden nebenan. Marianne Schildgen, Dorothee Mayer, Petra Apfel und Elisabeth Müller beginnen, die Lebensmittel zu sortieren, die Reinhard Schmitz, Gerd Schneider und Hans Nosbüsch anliefern: Obst, Gemüse, H-Milch, Brot, Blumen. Die nächste Tour übernehmen Adolf Strnisko und Arnold Otten, und auch die Sortierfrauen werden an dem Tag noch zwei Mal wechseln. Das Fahrzeug wird auch am Donnerstagmorgen früh wieder durch die Vulkaneifel rollen.
Ab 10 Uhr sind dann die Kunden an der Reihe - durchschnittlich 110 sind es zurzeit pro Woche, etwa 70 000 waren es seit Eröffnung der Tafel. "Wir legen großen Wert auf einen freundlichen und hilfsbereiten Umgang und auf die bestmögliche Berücksichtigung der Wünsche der Kunden", betont Liebler. Die Ausgabemenge richte sich nach der Personenzahl und Familiengröße, sagt er. Etwa die Hälfte der Helfer arbeite schon von Anfang an mit, und etwa 20 Prozent der Kunden kämen schon seit zehn Jahren zur Tafel.
Die größten Herausforderungen in den zehn Jahren? Das seien der Zuzug der Flüchtlinge und Asylbewerber (2015) sowie die Umwandlung in einen Verein (2016) mit Anmietung eines Lagers mit Kühlraum in Darscheid gewesen, berichtet Liebler. Die schönsten Momente bei der Tafel? "Wenn die Kunden, Dankeschön!' und, Wie gut, dass es euch gibt!' sagen", erklärt er. Und ein Wunsch für die Zukunft der Tafel? "Da haben wir gleich zwei", sagt der Vorsitzende - "neues Inventar und neue EDV-Anlage."
Den Vorstand der Dauner Tafel bilden: Bernd Liebler (1. Vorsitzender), Michael Lauer (2. Vorsitzender), Harald Slomka (Geschäftsführer), Günther Selig (Schatzmeister), Robert Hermansen (Logistikverantwortlicher), Rita Schmaus (Öffentlichkeitsarbeit), Anita Monschauer (Leiterin des Ausgabe-Teams), Martina Nöhlings (Leiterin des Sortier-Teams) und Monika Zucht (Schriftführerin). Kontakt: Dauner Tafel, Maria-Hilf-Straße 3, 54550 Daun, Telefon 06592/982000, E-Mail: dauner-tafel-ev@t-online.de , Homepage: <%LINK auto="true" href="http://www.dauner-tafel-ev.de" text="www.dauner-tafel-ev.de" class="more"%>
Extra: 1,5 TONNEN LEBENSMITTEL PRO WOCHE


Woche für Woche werden durchschnittlich 1,5 Tonnen Lebensmittel eingesammelt, transportiert, sortiert und im Dauner Tafelladen verteilt. Die Waren stammen aus Supermärkten, Discountern und Bäckereien des Landkreises Vulkaneifel sowie aus Ulmen und Kaisersesch und von Unternehmen wie Dr. Oetker, Wittlich, Gerolsteiner Brunnen und Lissendorfer Wurstwaren. Ein Landwirt aus Wolken im Kreis Mayen-Koblenz stellt der Dauner Tafel etwa 50 Zentner Kartoffeln pro Jahr zur Verfügung. Von der für die Verkehrsgastronomie und Großverbraucher tätigen Firma Fabry, Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) kommen Snacks und Sandwiches. Zudem bildet die Tafel Daun ein Netzwerk mit den Einrichtungen in Cochem, Prüm, Bitburg und Koblenz und erhält auch Kontingente von der Landesorganisation Rheinland-Pfalz/Saarland.