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Wirtschaftsminister besucht Kelberger Unternehmen

Edmund Geisen, Marco Weber, Hermann Sicken, Dirk Wingenter, Rainer Brüderle, Rudolf Wagner und Herbert Mertin (v.l.).TV-Foto: T. Thieme
Edmund Geisen, Marco Weber, Hermann Sicken, Dirk Wingenter, Rainer Brüderle, Rudolf Wagner und Herbert Mertin (v.l.).TV-Foto: T. Thieme
Erst eine Werksbesichtigung, dann ein Plausch bei Kaffee und Kuchen: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat am Montag den Automatenhersteller Rowa in Kelberg besucht. Es war ein gemütlicher Nachmittag ohne kritische Fragen.

Kelberg. (thie) Der Bundeswirtschaftsminister hat sich betont locker gegeben, als er am Montag mit dem Bundestagsabgeordneten Edmund Geisen und dem Landtagsabgeordneten Herbert Mertin (beide FDP) das Kelberger Unternehmen Rowa besuchte. Von den Damen ließ Rainer Brüderle (FDP) seine Krawatte begutachten und spekulierte über deren Ausbeute am kommenden Altweiberdonnerstag. Alles in allem war es ein unkomplizierter Besuch. Rowa präsentierte seine Erfolgsgeschichte und der Minister musste sich keine kritischen Fragen gefallen lassen.

Für Geisen ist Rowa ein internationales Aushängeschild der Region. Firmengründer Rudolf Wagner zeigte sich für die Streicheleinheit dankbar. "Wir bekommen nicht alle Tage so hohen Besuch", sagte er in Richtung des Wirtschaftsministers. Brüderle, etliche Jahre auch Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz, lobte seinerseits die Innovationskraft des Kelberger Automatenherstellers. "Hightech - das widerspricht dem Image der Eifel in Berlin", schmunzelte er. Doch Rowa zeige, wie gut das zusammenpasse.

Rowa baut Automaten für Apotheken. In einem Lager werden Medikamente nach Packungsgröße von einer Maschine sortiert. So kann der vorhandene Platz besonders effizient genutzt werden. Der Apotheker kramt nicht mehr in Schubladen mit Schachteln, sondern fordert das Produkt per Computer an. Die Medikamente werden also nicht nur automatisch vermessen und einsortiert, sondern auch automatisch ausgegeben. Über einen sogenannten Barcode identifiziert das System jede einzelne Packung. Bis zu 60 000 verschiedene Einheiten sind zu bewältigen.

Vernichtet diese Technik nicht Arbeitsplätze? "Zunächst haben wir mit der Möglichkeit geworben, dass Apotheker Personal einsparen können", sagt Wagner. "Doch die Apotheker wollten ihre Leute gar nicht entlassen." Stattdessen ermögliche das System sogar Neueinstellungen. "Ein Großteil der Kunden kann sein Angebot mit der optimierten Lagerhaltung ausbauen und stellt sogar neue Mitarbeiter ein", ist sich Wagner sicher. Sein Unternehmen exportiert in 20 Länder. Etwa 300 Mitarbeiter sind bei Rowa beschäftigt. 50 Prozent der jährlichen Einkäufe - im Wert von etwa 15 Millionen Euro - werden bei Lieferanten in der Region bestellt.

Einen Wunsch an den Minister hatten die Automatenbauer dann doch: Die Politik solle es ermöglichen, rund um die Uhr Medikamente über Automaten zu verkaufen. Ein entsprechendes Gerät ist bereits in Entwicklung, bei dem Apotheker in einer Zentrale per Bildschirm die Kunden beraten können. Brüderle blieb zurückhaltend: "Da müssen Sie sich mit den Apothekern an einen Tisch setzen."